König Abdullah pocht auf jordanische Rolle in Jerusalem

Analyse3. April 2013, 19:20
16 Postings

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hat König Abdullah II. von Jordanien als Hüter der Heiligen Stätten in Jerusalem anerkannt. Mit der Bestätigung einer historischen Tatsache werden Botschaften in unterschiedliche Richtungen ausgesandt

Jerusalem/Wien - "Besser als wer?", könnte man fragen, wenn die "Jordan Times" zu Wochenbeginn "Jordanien besser platziert, um al-Aqsa zu verteidigen" titelt. Darauf gibt es unterschiedliche Antworten. Am Sonntag hatten Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und König Abdullah II. ein Dokument unterschrieben, das die Rolle des haschemitischen Königs als "Hüter der Heiligen Stätten Jerusalems" bestätigt: Nur eine " Bestätigung" ist es deshalb, weil sich die Jerusalemer "Awqaf" (islamische Stiftungen) ohnehin unter jordanischer Verwaltung befinden, wie von 1948 bis zur israelischen Eroberung 1967 ja das gesamte Westjordanland.

Das jordanische religiöse Protektorat wird auch im israelisch-palästinensischen Friedensvertrag von 1994 erwähnt, wenn auch vage als "besondere Rolle" - der, wenn "Verhandlungen über den Endstatus (der Palästinensergebiete, Anm.) geführt werden, von Israel Priorität eingeräumt werden wird". Was immer das heißt: Aber die Jordanier haben jetzt dafür auch erstmals einen ganz offiziellen Sanktus der Palästinenserführung, die Ostjerusalem als Hauptstadt ihres im Werden begriffenen Staates sieht.

Warten auf die USA

Abbas' Motivation ist klar: Er steht angesichts der israelischen Haltung zu dieser Frage auf ziemlich verlorenem Posten und hat jedes Interesse daran, klarzumachen, dass Jerusalem nicht nur ein palästinensisches Anliegen ist. Die Nervosität ist deshalb im Steigen begriffen, weil, trotz aller Nebelschwaden aus Washington, in der Luft liegt, dass die USA doch wieder einen Versuch von israelisch-palästinensischen Verhandlungen starten wollen. Außenminister John Kerry, der vor, während und nach dem Besuch von Präsident Barack Obama in der Region war, soll bereits am nächsten Wochenende wieder nach Israel und Palästina kommen.

"Verteidigen" soll König Abdullah die islamischen Stätten natürlich vor den Tendenzen extrem rechter Juden, die den Tempelberg am liebsten in den vorislamischen Zustand zurückversetzen würden - also ohne al-Aqsa-Moschee und Felsendom -, um den "dritten Tempel" errichten zu können. Aber die "Verteidigung Jerusalems", von der etwa die Arabische Liga bei ihrem Treffen in Doha Ende März sprach, richtet sich auch gegen die allgemeine "Judaisierung" von Ostjerusalem, das heißt, die Verdrängung aller anderen zugunsten israelischer Bewohner, die gestoppt werden müsse. Diese Ansage hat in Israel Ärger hervorgerufen - aber auch die diplomatischen Vertreter der Europäischen Union formulieren das in ihrem letzten Bericht nicht viel anders.

Katar hier, Katar da

Mit dem Arabische-Liga-Treffen kommt der nächste Adressat der jordanischen Botschaft ins Spiel: Katar. Der reiche wahhabitische Kleinstaat dominiert nicht nur die Politik der Liga, sondern versucht sich vermehrt auch als Schutzherr Jerusalems zu profilieren. Im Jahr 2012 gab es eine große Jerusalem-Konferenz in Doha. Beim Liga-Treffen vergangene Woche wurde auf Vorschlag Katars ein Fonds errichtet, in den eine Milliarde US-Dollar zu dem Zweck fließen soll, die muslimische Identität Ostjerusalems zu fördern. Der katarische Emir Sheikh Hamad Al Thani versprach, die ersten 250 Millionen Dollar prompt einzuzahlen. Woher der große Rest kommen soll, blieb unklar. Aber die Palästinenser erwarten sich ohnehin nicht viel von den arabischen Versprechungen, da sind USA und EU verlässlicher.

Jedenfalls ärgern sich offen oder verdeckt immer mehr arabische Länder über den Ehrgeiz Katars, in alles und jedes hineinzupfuschen. König Abdullah hat nun klargestellt, wem die historische Rolle in Jerusalem zukommt: den vom Propheten Muhammad abstammenden Haschemiten, die ja 1925 schon Mekka an die Wahhabiten - die Familie Saud - verloren haben. Der Urgroßvater Abdullahs II., Abdullah I., war einer der Söhne des Scherifen von Mekka, und er wurde 1951 bei einem Besuch im Haram al-Sharif (Heiligen Bezirk) auf dem 1948 eroberten Tempelberg ermordet, von einem Palästinenser. Erst 1988 trat König Hussein, der Vater des heutigen Königs, den jordanischen Anspruch auf das Westjordanland an die Palästinenser ab.

Heute hat Jordanien eine palästinensische Bevölkerungsmehrheit. Und in der israelischen Rechten gibt es die Meinung, mit Jordanien hätten die Palästinenser schon einen Staat, weswegen sie keinen "zweiten" bräuchten.

Innenpolitisch sendet Abdullah ein Signal an die jordanischen Palästinenser - die meisten sind brave Loyalisten des Königshauses -, aber auch an die Islamisten. Die politische Unzufriedenheit, verstärkt durch wirtschaftliche Probleme, hat ja auch Jordanien längst erreicht. Und da ist es ganz nützlich, die Jordanier daran zu erinnern, dass ihr König auch eine religiöse Legitimation hat. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 4.4.2013)

  • König Abdullah II. mit seinem Sohn, Kronprinz Hussein, beim Beten.
    foto: reuters/allan

    König Abdullah II. mit seinem Sohn, Kronprinz Hussein, beim Beten.

Share if you care.