Neue Runde im Eskalations-Pingpong

3. April 2013, 18:21
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Nach der Ankündigung, seinen Reaktor in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen, überraschte Kim Jong-un am Mittwoch mit der Sperre der Kaesong-Wirtschaftszone.

Papa hat mir immer gesagt, dass man sich die Kondition in diesem Job einteilen muss. Denn die größte Gefahr, das sind nicht die USA - das ist Burnout!" Der amerikanische Satireblog Borowitz Report legte Kim Jong-un zuletzt dies als Begründung dafür in den Mund, dass er ab sofort die Welt an Wochenenden nicht mehr bedrohen wolle. Dafür, so zitieren die US-Feuerwerker Kim weiter, werde er nun "von Montag bis Freitag den Irrsinn und die ungezügelte Wut aufbringen, um diese Aufgabe ordentlich zu erfüllen".

Weil Diktatoren üblicherweise eher nicht überzuckern, dass Humor gern als Waffe gegen ihre Regime eingesetzt wird, und überdies Mittwoch war, riegelte Pjöngjang gestern die gemeinsam mit dem Süden betriebene Sonderwirtschaftszone Kaesong ab. Südkoreaner durften den Industriekomplex auf nordkoreanischem Gebiet nicht mehr betreten. Die dort verbliebenen südkoreanischen Bürger - meist Manager der 123 südkoreanischen Unternehmen in der Wirtschaftszone - sollten allerdings ausreisen dürfen. Bis Mittwochabend wartete Seoul aber vergebens darauf. Gut 800 Personen saßen in Kaesong fest, weil keine Fahrzeuge mehr aus dem Süden einreisen konnten, um sie abzuholen.

China: "Provokation vermeiden"

In der südkoreanischen Grenzstadt Paju warteten unterdessen Arbeiter und Manager ungeduldig darauf, nach Kaesong einreisen zu dürfen. "Das Vertrauen zwischen dem Norden und dem Süden bröckelt - auch bei den Kunden sinkt das Vertrauen", sagte Lee Eung-haeng, der eine Kleiderfabrik in Kaesong betreibt. In Lees Firma arbeiten 600 Nordkoreaner, die im Monat durchschnittlich 130 Dollar verdienen. Die nordkoreanischen Arbeiter hätten vermutlich schon geahnt, dass etwas im Argen liege, sagte der Südkoreaner Jang Sun-woo. "Sonst haben sie immer über meine Witze gelacht - diese Woche waren sie aber irgendwie anders."

Die südkoreanischen Behörden reagierten verhalten auf den Vorfall und hunderte mögliche Geiseln im Norden. "Unsere Priorität ist es, die Sicherheit unserer Bürger zu gewährleisten", erklärte ein Sprecher des Wiedervereinigungsministeriums in Seoul.

China dagegen reagierte alarmiert: "In der jetzigen Situation müssen alle Seiten Ruhe bewahren", sagte ein Sprecher des Außenamtes in Peking. Jede Art von Provokation müsse vermieden werden. Nordkoreas Ankündigung am Dienstag, die stillgelegte Atomanlage in Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen, war von Peking ebenfalls mit Unverständnis quittiert worden.

"Provokativ und waghalsig"

US-Außenminister John Kerry erklärte bei einem Treffen mit seinem südkoreanischen Kollegen Yun Byung-se in Washington, die USA würden nicht akzeptieren, dass Nordkorea zur Atommacht werde. Die Haltung Kims sei "provokativ, gefährlich und waghalsig". Die Entsendung von US-Tarnkappenbombern und Kriegsschiffen in die Region sei ein Signal, dass die USA hinter ihrem Verbündeten Südkorea stünden.

Die Schließung das Zugangs zu Kaesong ist die jüngste Runde im Eskalations-Pingpong auf der koreanischen Halbinsel. Nach Raketen- und Atomtests weitete der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen im Dezember gegen das Land aus. Der Norden droht Seoul daraufhin mit militärischer Gewalt und erklärt die Vereinbarung mit Südkorea von 1992 über die " Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel" für ungültig. Trotz Kriegsdrohungen aus Pjöngjang beschließt der Sicherheitsrat weitere Sanktionen. Das Regime droht den USA mit einem Atomschlag. Nordkorea erklärt Ende März zudem, das Land sei im Verhältnis zu Südkorea in den " Kriegszustand" eingetreten.

Ex-Pentagonchef Leon Panetta warnte zuletzt, dass diese Konfliktspirale auch versehentlich aus dem Ruder laufen könne. (pra, DER STANDARD, 4.4.2013)

  • Unlängst in Hwanghae: Kim Jong-un riskiert einen tiefen Blick in ein Fischzuchtbecken und beobachtet Störe. Wenige Tage später schreckte er die internationale Gemeinschaft erneut mit diversen Störaktionen auf.
    foto: ap

    Unlängst in Hwanghae: Kim Jong-un riskiert einen tiefen Blick in ein Fischzuchtbecken und beobachtet Störe. Wenige Tage später schreckte er die internationale Gemeinschaft erneut mit diversen Störaktionen auf.

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