Subtile Abstraktionen, martialische Wurfgeschoße

3. April 2013, 18:12
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"Minimal Compact": Natalia Zaluska, Vicken Parsons, Anetta Mona Chisa & Lucia Tkácová in der Christine König Galerie

Wien - Angesichts der Pflastersteine auf dem Boden der Galerie muss man sich, was den Ausstellungstitel betrifft, noch einmal vergewissern: Minimal Compact, nicht etwa "Impact", nennt sich die Schau, in der die Gemeinschaftsarbeit des rumänisch-slowakischen Künstlerinnenduos Anetta Mona Chisa und Lucia Tkácová dominiert: Es handelt sich dabei um einen kleinen Haufen politisch aufgeladener Wurfgeschoße, mit denen man sofort Begriffe wie Aufstand, Gewalt oder Revolution assoziiert.

Ganz so brisant, wie dieses Eingangsstatement vermuten lässt, ist die Ausstellung aber nicht: Schließlich haben die beiden Künstlerinnen die Steine aus Porzellan angefertigt und danach händisch mit der granitfarbenen Maserung von Pflastersteinen "verziert".

Durch diese materielle Verwandlung geht deren Funktion als Wurfgeschoß zwar nicht wirklich verloren - im Wissen um ihre Machart haben die porzellanenen Steine aber leider mehr mit nutzlosem Nippes als mit Politik, Minimalismus oder künstlerischer Kompaktheit zu tun.

Auf die zwei Malerinnen Natalia Zaluska und Vicken Parsons treffen die beiden im Ausstellungstitel angesprochenen Punkte schon eher zu: Natalia Zaluska (1984 in Krakau geboren) beschäftigt sich mit den Grenzen des Bildraums, den sie mit subtilen Eingriffen immer wieder zu sprengen versucht.

Die Künstlerin, die an der Akademie der bildenden Künste bei Daniel Richter und Lisa Ruyter studierte, seziert mit diagonalen Schnitten oder auch farbigen Flächen quasi das klassische Tafelbild, das durch diesen Gewaltakt etwas Objekthaftes, aber auch sehr Verletzliches bekommt.

Auf einen konzentrierten Einsatz der Mittel ist auch die britische Künstlerin Vicken Parsons (geboren 1957 in Hertfordshire) spezialisiert: Ihre kleinformatigen Bilder sind mit zurückgenommenen Farben bemalt und eher von stiller Intensität.

Beim Betrachten changieren die Bilder laufend zwischen Landschaftsaufnahmen, architektonischen Räumen und atmosphärischen Abstraktionen - mit Politik haben sie damit nicht viel zu tun, aber dafür mit ein paar wahrnehmungstechnischen Sicherheiten, die Parsons subtil irritiert. (Christa Benzer, DER STANDARD,  4.4.2013)

 

Christine König Galerie
Schleifmühlgasse 1A
1040 Wien

www.christinekoeniggalerie.com

Bis 5.5.

  • "Clash!" von Anetta Mona Chisa und Lucia Tkácová, Detail, 2012.
    foto: christine könig galerie, wien

    "Clash!" von Anetta Mona Chisa und Lucia Tkácová, Detail, 2012.

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