Viele Phasen menschlicher Existenz

3. April 2013, 18:08
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Die rittergallery zeigt "Frühe Hauptwerke" der 1946 geborenen Kärntner Malerin, Objekt- und Konzeptkünstlerin Meina Schellander

Klagenfurt - Ein sechs Meter langes, in Bronze gegossenes und in zwei Bahnen verlaufendes Kunstwerk von Meina Schellander ist die Substanz, die gleichzeitig Muster und Grundlage ihres Denkens ist: Die bronzene Formel weist darauf hin, dass jede Veränderung nur über eine vorherige Auflösung verläuft.

Das Werk mit dem Titel Projekt einer Reihe von 33 antagonistischen figuralen Phasen hat seinen Ursprung in Das Hineinschauen in das Ganze, einem von Schellanders Schlüsselbildern: Die Karawankenkette ist jene Landschaft, die Schellander prägte. Geboren 1946 als Tochter einer Schneiderin, wollte sie ursprünglich Volksschullehrerin werden, wurde aber von der Zeichenlehrerin zur Aufnahmsprüfung an der Akademie in Wien überredet.

Schellander studierte Grafik bei Maximilian Melcher, machte ihre ersten Bewusstseinsskizzen, las Wittgenstein, schrieb das Manifest Das kranke Haus der kranken Gegenstände und wuchs nach zwei Jahren an der Akademie mit ihren Objekten praktisch über sich und die Meisterklasse hinaus. In ihrem winzigen Studentenzimmer mussten die Fenster immer offen bleiben, denn Teile der Objekte ragten durch das Fenster ins Freie.

Seit den 1970er-Jahren verknüpft die vielseitige Künstlerin ihre inneren Räume mit der Außenwelt, ihre Seelenlandschaften mit der Natur. "Mein eigener Innenraum besetzt mich stärker als der, den ich außen sehe. Und wenn ich sage: Ich bin leer, dann bringe ich genau diesen Leerraum in die Kunst. Wir sind alle Teil dieses Kosmos."

Projekt einer Reihe von 33 antagonistischen figuralen Phasen entstand in einer ihrer intensivsten Schaffensperioden 1976/77. Das Quadrat am Beginn ist Sinnbild menschlicher Existenz, in den weiteren Phasen wird es zunächst von zwei Diagonalen durchkreuzt und später langsam im Chaos aufgelöst. Parallel dazu stellt Meina Schellander die Entwicklung des Menschen in existenziellen Posen dar: auf dem Kopf und aufrecht stehend, kniend oder auch sitzend.

Mehr als dreißig Jahre nach seiner Entstehung entfaltet das Werk, das Schellander auch mit einem Buch dokumentiert, immer noch eine große bildnerische Kraft und aufklärerische Wirkung, die nach einer größeren Umsetzung verlangen würde. Denn die Bronzeplastik ist eigentlich nur das Modell für eine 60 Meter lange Skulptur, die die Künstlerin gerne im öffentlichen Raum, an einer Straße oder einem Fluss, realisieren möchte.    (Sabina Zwitter, DER STANDARD,  4.4.2013)

Bis 27. 4., rittergallery. 9020 Klagenfurt

 

  • Kunstwerk und Modell für den öffentlichen Raum: Meina Schellanders "Projekt einer Reihe von 33 antagonistischen figuralen Phasen", 1976/77.
    foto: mark duran

    Kunstwerk und Modell für den öffentlichen Raum: Meina Schellanders "Projekt einer Reihe von 33 antagonistischen figuralen Phasen", 1976/77.

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