Von Kunst und Kommerz

3. April 2013, 17:30
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"Fantastischer Sozialismus": Verena Dengler stellt im Mumok aus

Wien - Verena Dengler hat sich für ihre erste institutionelle Einzelausstellung einiges vorgenommen: das österreichische Fördersystem, die "Nackten Männer", die Arbeiterkultur, die Ästhetik der Gmundner Keramik, die der Phantastischen Realisten und vieles mehr.

Mit Zeichnungen, Objekten, Wien-Flyern und Stickern versucht sich die 32-jährige gebürtige Wienerin in einem Stimmungsbild, das einem durchwegs bekannt vorkommt: "Ich bin ein freundlicher Wiener" steht etwa auf einem Plakat, das im Stil Hundertwassers gemalt ist; daneben hängt ein krakelig gezeichneter, an Schiele erinnernder Männerakt. Auf einem abstrakten Gemälde steht "Konsum Genossenschaft", ein anderes zitiert die informelle Malerei und führt mit der Frage "Steigen Sie aus?" in den Wiener Untergrund ein.

Zu sehen ist das alles auf einem mittig platzierten, teils mit grünen Kringeln der Gmundner Keramik verkleideten Display. Und erinnert an einen Museumsshop, in dem etwa Buttons gegen die schwarzblaue Regierung auf österreichische Handwerkskunst treffen, die im Gegensatz zum Phantastischen Realismus tatsächlich ein Exportschlager war.

Dass man beim Rundgang nicht immer die logischsten Schlüsse zieht, ist von der Künstlerin intendiert: "Meine Installation ist wie eine (Alb-)Traumlandschaft, in der Elemente aus meiner Wiener Jugend und aus heutigen Klischees auftauchen und mit der weniger bekannten österreichischen Arbeiterkultur konfrontiert werden", heißt es im Pressetext.

Verena Dengler will den Betrachtern ihre Geburtsstadt nicht madig machen. In der Auseinandersetzung übernimmt sie vielmehr die Position des frechen Mädchens, das die Verhältnisse mit unverstelltem Blick registriert: "Sexy, Dangerous, Intelligent" steht auf ihrem T-Shirt, mit dem sie vor dem nackten Mr. Big, Ilse Haiders Objekt im Hof des Museumsquartiers, posiert. In einer Gedankenblase steht "Bmukkfcuk!!!", und am unteren Bildrand wird aus den Richtlinien der Fördervergabe zitiert: "Vorhaben, die eine rein kommerzielle Intention verfolgen, werden zur Förderung nicht empfohlen."

Dass eine Künstlerin die sie fütternde ministerielle Hand beißt, ist begrüßenswert. Ansonsten ist die im Stil eines Comics collagierte Fotografie aber nicht nur etwas unkollegial; sie fördert mit der zunehmend kommerziellen Verwertung von Kunst auch nicht die neueste Erkenntnis zutage.

Ihre Seitenhiebe nimmt sie selbst nicht ganz ernst: "Keine Angst, das ist alles nur wie Wickie, Slime und Paiper", sagte sie in einem Interview mit dem Falter. Damit trifft sie den Kern der Sache ganz gut, auch wenn sie die Ausstellung mit ihrer ironischen Distanziertheit gleich selbst zum Überbleibsel des nostalgischen Retrotrends macht. (Christa Benzer, DER STANDARD, 4.4.2013)

Bis 23. 6.

  • Klischees treffen auf Arbeiterkultur: an Schiele erinnernder Männerakt in Verena Denglers Ausstellung "Fantastischer Sozialismus".
    foto: verena dengler courtesy galerie meyer kainer

    Klischees treffen auf Arbeiterkultur: an Schiele erinnernder Männerakt in Verena Denglers Ausstellung "Fantastischer Sozialismus".

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