Sprudel im Glas gegen Mineralwasser in Plastik

3. April 2013, 17:18
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Leitungswasser ist sexy, sagt Henner Rinsche von Sodastream. Das Unternehmen aus Israel setzt auf selbstgemachtes Sprudelwasser und kämpft gegen Plastikflaschen. Das Start-up Soulbottles setzt nur auf Wasser und Glas

Wien - An weggeworfenen Plastikflaschen und Dosen für die Marketing-Installation hat es nicht gemangelt. Rund 2000 Stück passten in die Käfige, die der Getränkekonzern Sodastream öffentlichkeitswirksam im Vorjahr in rund 30 Städten weltweit aufstellen ließ, um auf die Umweltschädlichkeit der PET-Flaschen hinzuweisen.

Natürlich lugten auch bekannte Marken wie Coca-Cola aus den durchsichtigen Käfigen hervor, der Weltkonzern fühlte sich auf den Schlips getreten und drohte mit rechtlichen Schritten und einer Unterlassungsklage.

Kopfschmerzen und viel Freude

"Diese Marketingaktion hat uns viel Kopfschmerzen, aber auch viel Freude bereitet", sagt Henner Rinsche, der Geschäftsführer von Sodastream in Österreich und Deutschland, dem Standard. "Wir wollten damit den Verbrauch von Plastikflaschen und Dosen visualisieren, die ein Haushalt pro Jahr einsparen kann, wenn er auf unser Produkt setzt." Das Unternehmen bringt mit einem Kohlensäurezylinder einfaches Wasser aus der Leitung zum Sprudeln; auf Wunsch können zu Hause auch verschiedene Sirupsorten beigemischt werden.

Der Infight mit den US-Milliardenkonzernen gefiel dem israelischen Millionenkonzern, bei der Super Bowl im Februar 2013 gab es eine Fortsetzung. Via TV-Spot stellte der Konzern explizit einen Zusammenhang zwischen der Verwendung des Wassersprudlers und dem Einsparen von hunderten Plastikflaschen von Coca-Cola und Pepsi, zwei der größten Werber im American Football, her. Die Aufregung funktionierte, der Spot wurde von CBS zensuriert gezeigt.

Sexy Leitungswasser

Weniger aufregend ist, dass das Geschäftsmodell auf ordinärem Wasser aus der Pipp'n fußt. Dabei enthält das - laut Stiftung Warentest - oft sogar mehr Mineralstoffe als mit viel Marketing-Brimborium eingeführte Mineralwässer. Viel, viel günstiger ist es sowieso, und das österreichische Trinkwasser kann sich auch im internationalen Qualitätsvergleich mehr als sehen lassen. "Leitungswasser ist sexy", sagt Rinsche. "Verantwortungsbewusster Umgang mit Wasser und Müllvermeidung wird immer wichtiger. Und wenn Sodastream damit auch noch Geld verdienen kann, ist vielen geholfen."

Das Geschäft mit aufgesprudeltem Wasser zieht; 2012 konnte das Unternehmen den Umsatz weltweit um die Hälfte steigern. Zwei Varianten werden angeboten: Bei der einen wird in einer wiederverwendbaren Plastikflasche aufgesprudelt, bei der anderen, teureren, in einer Glaskaraffe. Bleibt der Literpreis für Leitungswasser - inklusive Abwassergebühren - bei etwa 0,25 Cent bestehen, sind die nicht unbeträchtlichen Anschaffungskosten von Gerät und Kohlensäurezylinder im Vergleich zu Plastik-Mineralwasserflaschen im Handel aber schnell amortisiert. Andere gibt es fast nicht mehr, der Anteil an Pfandflaschen bei Mineralwasser in Österreich machte 2011 nur noch 16,2 Prozent aus. Bei Limonaden war nur jede zwanzigste gekaufte Flasche ein Mehrweggebinde.

Flaschen mit Seele

Nur auf Leitungswasser und Glas und damit gegen Plastik-Mineralwasserflaschen setzt ein junges Start-up aus Wien und Berlin. Die beiden 24-jährigen Sozialunternehmer Paul Kupfer und Georg Tarne verkaufen "Soulbottles", kunstvoll verzierte Glasflaschen - mit dem einen Zweck, Trinkwasser in sie zu füllen. Ab zehn Stück können sich Unternehmen auch Logos und eigene Designs für den Aufdruck aussuchen. Der zweite, soziale Geschäftszweig heißt "Soulwater": Restaurants und Cafés servieren Leitungswasser gegen einen Aufpreis, dieser Betrag wird aber Trinkwasserprojekten der Welthungerhilfe und der Wasserinitiative Viva con Agua gespendet.

Die Flaschen der Projektphase sind längst ausverkauft, an der industriellen Umsetzung hapert es noch. Mit einem italienischen Produzenten wurde ein Hersteller gefunden, der "nur" eine Mindestabnahme von 10.000 Flaschen verlangt. Mit Crowdfunding sollen bis 11. April 20. 000 Euro zusammenkommen, dann erfolgt der Startschuss. Mitmachen kann jeder, für 25 Euro bekommt der Spender eine Soulbottle zugesandt - aber nur, wenn das Projekt auch umgesetzt wird. "Sonst gibt es Geld zurück", sagt Tarne. (David Krutzler, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

  • Für Leitungs- und gegen Mineralwasserplastikflaschen zieht die Firma Soulbottles genau so ins Feld...
    foto: soulbottles

    Für Leitungs- und gegen Mineralwasserplastikflaschen zieht die Firma Soulbottles genau so ins Feld...

  • ... wie das Unternehmen Sodastream.
    foto: sodastream

    ... wie das Unternehmen Sodastream.

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