Neue Lehrerausbildung mit Aufnahmeverfahren und Master für alle

3. April 2013, 13:13
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Lehrer für AHS und Neue Mittelschule werden gemeinsam ausgebildet - Kindergarten-Pädagogen müssen auch in Zukunft nicht an Uni

Wien - Mehr als vier Jahre nach Beginn der Vorarbeiten haben Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ) und Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle am Mittwoch die Reform der Lehrerausbildung vorgelegt. Die Eckpunkte der Gesetzesentwürfe: Nach einem mehrstufigen Aufnahmeverfahren müssen Lehrer aller Schulstufen eine vierjährige Bachelor-Ausbildung durchlaufen, danach folgt eine ein- bis zweijährige Berufseinführung an der Schule durch einen Mentor.

Master Voraussetzung

Für eine Fixanstellung ist ein Masterabschluss (Dauer: ein- bis eineinhalb Jahre) jedenfalls Voraussetzung, an AHS und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) ist ein Einsatz laut Unterrichtsministerium überhaupt erst nach dem Master realistisch. Lehrer für AHS und Neue Mittelschule (bisher Hauptschule) werden künftig gemeinsam ausgebildet.

Die Kritik daran, dass der Master ursprünglich berufsbegleitend vorgesehen war, wurde im Entwurf berücksichtigt. So sollen Lehrer sich entscheiden können, ob sie direkt nach dem Bachelor oder neben der Berufseinführung weiterstudieren. Aus Sicht des Unterrichtsministeriums ist ein Einsatz in der AHS und den berufsbildenden mittleren und höheren Schule (BMHS) ohnehin erst mit dem Master realistisch.

Töchterle: "Historischer Schritt"

"Es ist noch zu früh, um zu feiern, und wir haben auch noch nichts eingekühlt, aber es ist ein wichtiges Etappenziel", sagte Schmied. Der nach eigenen Angaben nicht zu Pathos neigende Töchterle sprach von einem "historischen Schritt". Beide Minister hoffen, dass die gesetzlichen Grundlagen noch in dieser Legislaturperiode fixiert werden können. Die Begutachtungsfrist für die Gesetzesentwürfe läuft bis 3. Mai. Schmied hofft auch auf Auswirkungen auf die Reform des Lehrerdienstrechts: "Ich habe das Gefühl, dass die Türen jetzt etwas geschmeidiger aufgehen." Die Lehrergewerkschaft hatte wiederholt auf einen verpflichtenden Master-Abschluss für die künftigen Lehrer gepocht.

Kooperation zwischen Unis und PHs

Als "ganz zentral" bezeichnete Schmied, dass mit der Reform Lehrer der Sekundarstufe (Neue Mittelschule/NMS, AHS, BMHS) gemeinsam ausgebildet werden. Der vierjährige Bachelor kann sowohl an einer Pädagogischen Hochschule (PH) als auch an einer Uni oder in einem Verbund beider Hochschulen erworben werden. Den eineinhalbjährigen Master, der Voraussetzung für eine unbefristete Anstellung ist, dürfen allerdings nur Unis oder PHs in Kooperation mit einer Uni anbieten. Als Schritt in Richtung einer gemeinsamen Schule für Zehn- bis 14-Jährige will Töchterle diesen Teil der Reform allerdings nicht sehen: "Das hat primär Einfluss auf die Qualität der Lehrer, die Schulartendebatte wird davon nicht berührt."

Töchterle: AHS-Lehrer sollen weiterhin an Unis ausgebildet werden

Aus Töchterles Sicht wird die neue Ausbildung zu mehr Wissenschaftlichkeit (an den oft als unwissenschaftlich kritisierten Pädagogischen Hochschulen/PH) sowie mehr Professionsorientierung (an den manchmal als praxisfern bezeichneten Unis) führen. Er betonte allerdings, dass es vorstellbar sei, im Curriculum "auf bestimmte Bedingungen" Rücksicht zu nehmen. Konkret ist im Begutachtungsentwurf nämlich vorgesehen, dass sich "die Zuständigkeit für das jeweilige Lehramt" nach der "bisherigen Kompetenzverteilung" richtet. Sprich: AHS-Lehrer sollen weiter an den Unis, Lehrer für die Neue Mittelschule wie bisher die Hauptschullehrer an den Pädagogischen Hochschulen (PH) ausgebildet werden.

Volksschullehrer werden wie bisher an PHs ausgebildet, der Bachelor dauert jedoch vier statt bisher drei Jahre, danach folgt ein mindestens einjähriger Master. Stattfinden soll die Ausbildung sowohl im Bachelor- als auch im Masterstudium an den PHs, wobei Letzteres auch von Unis im Verbund mit einer PH angeboten werden kann.

Qualitätssicherungsrat

Ein Qualitätssicherungsrat soll sicherstellen, dass die unterschiedlichen Angebote auch von den Schulen anerkannt werden. Die Überprüfung der Curricula soll dabei die AQ Austria oder internationale Qualitätssicherungsagenturen übernehmen. Der von den Universitäten als Eingriff in ihre Autonomie abgelehnte Zertifizierungsrat ist damit nicht mehr im Gesetzesentwurf enthalten.

Die neue Ausbildung soll stufenweise mit dem Studienjahr 2013/14 starten: Den Anfang sollen Quereinsteiger im Bereich der Allgemeinbildung machen, erste Ausbildungen in der neuen Architektur sind für 2014/15 vorgesehen. 2015/16 soll die Umstellung der Volksschullehrerausbildung im Bachelor erfolgt sein, 2016/17 jene des Bachelorstudiums Sekundarstufe (NMS, AHS-Unterstufe). Spätestens 2019/20 soll es die neuen Masterstudien geben.

Kindergarten-Pädagogen werden nicht an Uni ausgebildet

Die Kindergartenausbildung wird übrigens nicht, wie ursprünglich geplant, ebenfalls auf tertiäres Niveau gebracht. Wie bisher soll der Abschluss der Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik reichen. Allerdings, betonte Töchterle, wird Elementarpädagogik an den Unis immer stärker beforscht und gelehrt. "Man wird dann sehen, ob das zu Anstellungen führt", so Töchterle. (APA, 3.4.2013)

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