Wenn die Webcam zum Spionage-Tool wird

3. April 2013, 10:07
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Mit Hilfe von Trojanern kann der ganze Rechner in die Kontrolle Dritter gelangen - Webcam inklusive

Der australische "Sydney Morning Herald" berichtete am Dienstag über Gespräche mit einem jungen Hacker, der die Möglichkeit erklärt, mit Hilfe eines Remote Administration Tools (RAT), die Kontrolle über eine Webcam und in weiterer Folge über den gesamten Rechner zu erhalten. Die Software funktioniert dabei wie alle anderen Trojaner und wird vom User selbst installiert.

Wut und Verzweiflung

Autor Andrew McMillen hat dafür die Expertise des 17-jährigen Hackers Alex zu Rate gezogen, der einst selbst Opfer des RAT wurde und dadurch 700 US-Dollar in einem Online-Game verlor. Vor lauter Wut und Verzweiflung begann der damals 14-Jährige sich über das Tool zu informieren und brachte sich selbst bei, das Werkzeug gegen andere einzusetzen. Indem er einen Link in dem Online-Spiel verbreitete, der ihm Zugang zum Rechner der betroffenen Personen verschaffte, löste sich seine Wut in Freude auf.

Tastatureingaben

Alex' Opfer hatten zwar keine Webcams, den gesamten Arbeitsablauf am Rechner der User konnte er trotzdem einsehen: Tastatureingaben, gespeicherte Passwörter und abgelegte Dateien. Da sich die Opfer alle aus den Kreisen des Online-Games "Runescape" zusammensetzten, begann er, das virtuelle Gold anderer User, das er einst selbst durch so eine Attacke verloren hat, einzusammeln.

Ohne Signallicht

Die Software, die es Dritten erlaubt, Zugriff zum Computer zu erlangen, ist laut dem Sicherheitsexperten Adam Biviano ein Stück Code, das durch einen Link oder die Vorgabe, andere Software zu sein, auf den Rechner der Opfer gelangt – wie andere Trojaner eben auch. RAT kann auf alle Dienste eines Computers zugreifen, Webcam inklusive. Dabei haben sich RAT-Entwickler schon lange zu Nutze gemacht, das Signallicht für die eingeschaltete Webcam auszuschalten, um den User nicht Alarm schlagen zu lassen.

Intimsphäre

Was folgt, ist die Beobachtung des Users durch seine eigene Kamera. Die Intimsphäre der User wird dadurch massiv verletzt: Die Hacker können mitschauen, wie man sich beispielsweise nackt durch die Wohnung bewegt oder seine täglichen normalen Abläufe gestaltet. Screenshots dieser Aufnahmen werden in einschlägigen Hacker-Foren gepostet.

Start einer Hacker-Karriere

Das Forum hat sich indes auch als Anlaufstelle für RAT-Interessierte herausgestellt. Alex macht regelmäßig Geld mit der Ausbeute aus dem Online-Game „Runescape". Seine Eltern wissen angeblich von seinen Machenschaften und haben ihn schon mehrmals gewarnt, dass er dadurch Probleme bekommen könnte. Adam Biviano sieht vor allem bei den jungen Hackern kein Unrechtsbewusstsein. Die meisten würden jung anfangen und sich der Gefahr nicht bewusst sein. Beim Raub von ein paar Hundert Dollar bleibt es dabei kaum. Biviano meint, die meisten würden später gegen Unternehmen oder gar Regierungen vorgehen. Die Gefahr von RAT bewege sich dabei auch vom Desktop hin zu den mobilen Geräten.

Schlechtes Gewissen

Alex hat sich laut "Sydney Morning Herald" von der RAT-Community indes verabschiedet. Er wolle jetzt programmieren lernen, sich auf die Schule konzentrieren und später seine Fähigkeiten zum guten Zwecke nutzen. Stolz ist er trotz schlechten Gewissens auf das Geschaffte dennoch. "Ich habe mich schlecht gefühlt, als ich den Menschen das Zeug gestohlen habe", so Alex abschließend. (red, derStandard.at, 3.4.2013)

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