Legos Jabba's Palace hat ein Ablaufdatum

3. April 2013, 10:19
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Jabba's Palace wird ab 2014 nicht mehr produziert. Die Türkische Kulturgemeinde sieht sich als Sieger in einem Kulturkampf, den es laut Lego nicht gab

Wien - "Wir bedanken uns und gratulieren Lego zur Entscheidung, ab 2014 den Lego-Star-Wars-Bausatz Jabba's Palace nicht mehr zu produzieren und aus dem Produktwerbekatalogzu nehmen", jubelte Birol Kilic, Obmann der Türkischen Kulturgemeinde in Österreich, kurz vor Ostern in einer Aussendung.

Der Bausatz Jabba's Palace war dem kleinen privaten Verein, der laut Vereinszielen konsequent "für gleiche Rechte aller Bevölkerungsteile in Österreich" eintreten möchte, ein Dorn im Auge (siehe dazu auch: Lego droht Anzeige wegen Volksverhetzung). Jabba's Palace würde "pädagogisch verwerfliche Mängel und kulturell fragliche Assoziationen"beinhalten, lautete der bekannte Vorwurf.

Klischee gewordene Plastikmännchen

"Bei diesem Lego-Spiel ist Jabba ein Bösewicht, der orientalische Wasserpfeife raucht und eine Prinzessin als Bauchtänzerin in Ketten gefangen hält - das hat in den Kinderzimmern nichts verloren", sagte die Generalsekretärin der Türkischen Kulturgemeinde, Melissa Günes. Das Spielzeug hält der Verein, der mit der offiziellen Vertretung der Muslime in Österreich, der Islamischen Glaubensgemeinschaft, nichts zu tun hat, für einen klaren Fall von kulturellem Rassismus. Eindeutig würden damit "Orientalen und Asiaten diffamiert, indem Klischees in Plastikmännchen gegossen werden".

Das Blatt habe sich nun gewendet, hieß es in besagter vorösterlicher Aussendung mit dem Titel "Paukenschlag im Streit um kulturrassistischen Lego-Bausatz"- Lego-Managerinnen hätten bei einem Treffen in der Münchner Zentrale versichert, dass die Produktion eingestellt und Jabba's Palace ab 2014 nicht mehr im Sortiment sein werde. Bei Lego in Deutschland wird indes geschmunzelt. Die Produkte im Lego-Star-Wars-Sortiment hätten in der Regel einen Produktlebenszyklus von etwa einem bis drei Jahren. Danach sei ihre Lebenszeit im Sortiment zunächst einmal abgelaufen. Manche Produkte würden zu einem späteren Zeitpunkt gegebenenfalls neu aufgelegt, erklärt Pressesprecherin Katharina Sasse gegenüber derStandard.at.

Palast mit Ablaufdatum

Dem inkriminierten Palast war sein Ablaufdatum also von Anfang an eingeschrieben. Bereits bei seiner Lancierung sei entschieden worden, dass er bis Ende 2013 aus dem Sortiment gehe, sagt Sasse. Der Dialog mit der Türkischen Kulturgemeinde habe da keinen Ausschlag gegeben. Nachsatz: "Seit ich mich erinnern kann, musste wir noch nie ein Produkt aufgrund von Kundenkritik zurückziehen, auch wenn wir sie sehr ernst nehmen." (rb, derStandard.at, 3.4.2013)

  • Der strittige Bausatz - noch um 139,99 Euro zu haben.
    foto: lego screenshot

    Der strittige Bausatz - noch um 139,99 Euro zu haben.

  • Ein Palast im Fokus der Kritik.
    foto: lego screenshot

    Ein Palast im Fokus der Kritik.

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