Mangoldgrube

9. April 2013, 17:46
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Viel Platz unter der Sonne und reichlich Wasser will der Krautstiel - Er dankt's dem Beilagenesser mehrfach in einer Saison mit üppigen Ernten, weiß Gregor Fauma

Kaum ein Monat eignet sich für eine Istrien-Rundfahrt so sehr wie der April. Das hat mehrere Gründe, ich möchte aber nur auf die wesentlichen, für den Garten relevanten Gründe eingehen. Istrien im April ist fast so wie Krk im November oder gar Cres im Dezember. Aber eben nur fast. Die Halbinsel ist nämlich bereits aufgewacht und zartgrün. Und da Istrien vom Meer umspült wird, wachsen dort Tiere, die roh wie gegart ganz hervorragend schmecken - die Schrift ist von Fisch und Krustentier. Hier kommt erstmals der Garten ins Spiel.

Die klassische Beilage zu Fisch und Meeresfrüchten ist in Istrien kurz in Olivenöl angeschwenkter Mangold. Und der Mangold und der April, die haben was miteinander. Denn dieser Monat, so weiß der Gartler, eignet sich ideal zum Mangoldsäen. Man kommt also vom Kurztripp ans Meer zurück, fährt sofort ins nächste Gartencenter und kauft sämtliche Mangold-Samenpackerln auf, derer man habhaft werden kann.

Mangold ist ein Gemüse, das die Gärtner nicht über Gebühr fordert. Vorerst gilt es, den Stiel- vom Blattmangold zu unterscheiden, danach kann man auch noch nach der Farbe wählen. Es gibt Mangold mit gelben, weißen und roten Stielen. Und wenn man sich für Stielmangold entschieden hat, kann man den Strunk auch mitessen.

Platz und Sonne

Beim Boden hat es der Mangold gern gut aufbereitet. Vor der Aussaat sollte der Boden mit gut gereiftem Kompost versetzt und aufgelockert werden. Der Mangold braucht auch Platz. Man sollte jeder Pflanze die Fläche einer RONDO-Seite gönnen, mindestens. Volle Sonne, vor allem Wärme, wäre fein - ein wenig Halbschatten geht auch noch. Dunkelhaft hingegen ist abzulehnen und wäre meldepflichtig. Idealerweise setzt man Mangold ins Blumenbeet, dort macht er sich optisch gut und wird bestimmt auch entsprechend behandelt.

Gärtnerinnen und Gartler: Mangold ist zweijährig! Nur weil man bereits im ersten Jahr ernten kann, heißt das nicht, dass der Rest im Herbst auf den Kompost wandert. Im zweiten Jahr steht die nächste Ernte ins Haus, und er blüht obendrein - es gibt also Gratissamen für die nächsten Jahre. Sind die Mangoldsamen erst einmal in der Erde, so wünschen sich diese, mit einer Folie bedeckt und vor etwaigem Frost geschützt zu werden.

Spätsommer bis Herbst

Der Mangold gilt auch als der Phäake unter den leicht zu jagenden Wurzelgeschöpfen. Soll heißen: Er säuft - braucht also stets gut feuchten Boden, und er frisst - braucht also regelmäßig seine Kompost- oder gar Düngergaben. Dann entwickelt er sich prächtig und gibt dem Gärtner, was er ihm zuvor genommen hat.

Mit der Ernte sollte man nicht zu früh beginnen. So ab dem Spätsommer bis tief in den Herbst hinein kann man sich am Mangold laben. Vom Ablauf sieht das dann so aus: Rotbarben und Goldbrassen mit Salz und Olivenöl würzen, ins Rohr schieben. Kaisergranate und Tintenfische in der Pfanne sautieren. Mangold aus dem Garten holen, in geknofelter Butter anschwenken, salzen und pfeffern. Dann die Muscheln in die Pfanne zu den Krusten- und Weichtieren geben, bedecken und einige Minuten dünsten. Alles Fischige auf einer großen Platte anrichten, Mangold separat dazureichen, fertig.

Wer also im April nicht zu lange nach Istrien fährt und daheim Mangold sät, wird ab August mit einer "Poseidonplatte für zwei" belohnt werden. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 5.3.2013)

  • Ein Tipp zum Mangold
Ernten Sie nicht die gesamte Pflanze, sondern schneiden Sie möglichst bodennahe die äußeren Blätter nach Bedarf heraus. So können die jungen, noch sehr kleinen Blätter im Inneren nachwachsen, und Sie können sich über einen längeren Zeitraum an derselben Pflanze gütlich tun. Auch bringen die größeren, älteren Blätter mehr Geschmack mit.
    foto: derstandard.at/ped

    Ein Tipp zum Mangold

    Ernten Sie nicht die gesamte Pflanze, sondern schneiden Sie möglichst bodennahe die äußeren Blätter nach Bedarf heraus. So können die jungen, noch sehr kleinen Blätter im Inneren nachwachsen, und Sie können sich über einen längeren Zeitraum an derselben Pflanze gütlich tun. Auch bringen die größeren, älteren Blätter mehr Geschmack mit.

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