Der Taliban mit dem Panini

Einserkastl2. April 2013, 18:42
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Ein Brote, viele Brot: Über Pluralprobleme in Alltag und Medien

Das "Tschelati" wird man den Österreichern nicht mehr austreiben. Und man wird ihnen auch nicht beibringen können, dass sie zu unserem Kollegen Gianluca nicht nur aus Gründen der Höflichkeit nicht "Du Mafiosi" sagen sollen. Ihnen die Selbstbezichtigung "Ich bin ein Alfisti" ausreden zu wollen wird ebenso vergebliche Liebesmüh sein. Alles in allem: Wir werden uns damit abzufinden haben, dass wir auch beim "echten Italiener" nebenan "ein Panini" bekommen. Beim kosmopolitischen Türken ein Geschäft weiter sowieso, dort ist ein "Panini" sozusagen amerikanisch.

Dabei dürften sich inzwischen viel komplexere sprachliche Umstände, nämlich dass auch "Taliban" ein Pluralwort ist, sogar schon bis zum Gigritspatschner Landboten herumgesprochen haben. Wenn der Talib sich ein Panino mit Prosciutto genehmigen würde, dann wäre die Welt zumindest grammatikalisch in Ordnung. Aber wenn der Taliban ein Panini mit Prosciutto ... dann wird's eng. Prosciutto? Nicht Prosciutti?

Übrigens führt der echte Italiener nebenan, der mit Beziehungen nach Milano wirbt, auch "Pollo Grilla" und "Spermuta". Und ein Panini mit "Mailänder Aufstrich" - wobei der Kundin, die wissen wollte, was da drin sei, beschieden wurde, dass dies ein Geheimnis des Küchenchefs bleiben müsse. Sie verzichtete: Die "cioccolata calda", durch die man gezogen wird, muss man nicht auch noch austrinken. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 3.4.2013)

  • Panini?
    foto: matthew mead/ap/dapd

    Panini?

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