Umstrittener Liftbau am Piz Val Gronda begonnen

2. April 2013, 18:00
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Trotz laufenden EU-Verfahrens und Protesten von Umweltorganisationen wird Lift gebaut

Innsbruck - Am Karfreitag wurde am Piz Val Gronda im Paznauntal die Baustelle zur Errichtung des neuen, seit fast dreißig Jahren umstrittenen Liftes eingerichtet. Der grüne Landtagsabgeordnete Gebi Mair, selbst Bergsteiger, war vor Ort. Sinnvoll sei der Baubeginn um diese Jahreszeit bei Schnee und Eis wohl nicht, meint er nach Gesprächen mit Bauarbeitern. Aber es sei wohl ohnehin mehr ein Symbol der Bauherren, der Ischgler Silvretta Seilbahn AG, nach dem Motto, wir betonieren so und so, egal, was die EU oder die Umweltschützer sagen.

Erst vor Weihnachten 2012 hatte die EU die Vorstufe zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet. Grund sei die unzureichende Umsetzung der "Natura 2000"-Artenschutzrichtlinie. Sollte es zum Verfahren kommen, drohen Österreich Strafzahlungen bis zu 60 Millionen Euro pro Jahr, errechnete der Umweltdachverband (UWD).

Im September 2012 hatte die Umweltabteilung des Landes dem Bau des Liftes auf den 2811 Meter hohen Piz Val Gronda zugestimmt. 28 Jahre lang hatte die Ischgler Bergbahn AG in zahlreichen Projekten versucht, den Baubescheid für den Lift auf jenen Berg in der Samnaungruppe mit (laut Umweltschützern) einzigartiger Flora und Fauna zu erwirken.

Kein Naturschutzbescheid

Der Piz Val Gronda gilt als einer der wenigen Lebensräume von Mähnen-Pippau und Steinhuhn, ist aber auch bekannt für seine geologische Vielfalt, mit seltenen Ringböden und Gipsdolinen. Ein positiver Naturschutzbescheid wurde dennoch erlassen. Vergangene Woche war auch der eisenbahnrechtliche Bescheid für den Bau der Bahn positiv.

Empört zeigen sich der Präsident des UWD, Gerhard Heilingbrunner, und Peter Haßlacher vom Alpenverein (OEAV). Die seilbahnrechtliche Genehmigung sei eine "gewaltige Ohrfeige" für alle naturschutzfachlichen Bemühungen der NGOs und der EU-Kommission, diesen wertvollen Lebensraum langfristig zu sichern.

Der Baubeginn sei ein "unfassbarer, gesetzeswidriger Verwaltungsakt" gegen die geltende EU-Rechtslage. Der zuständige Umweltlandesrat Thomas Pupp (SP) sieht Tirol im Zusammenhang mit dem eingeleiteten EU-Verfahren "nicht unter Druck". Tirol habe "seine Hausaufgaben gemacht". Für den Bau des Liftes auf den Piz Val Gronda gebe es "gute Argumente". Die Kommission dürfte ein altes Projekt kritisieren. Das genehmigte Projekt berühre die geschützten Pflanzen nicht mehr. (Verena Langegger, DER STANDARD, 3.4.2013)

  • Der unverbaute Piz Val Gronda ist Geschichte. Seit vergangenem Freitag wird die Baustelle für den Liftbau eingerichtet.
    foto: alpenverein

    Der unverbaute Piz Val Gronda ist Geschichte. Seit vergangenem Freitag wird die Baustelle für den Liftbau eingerichtet.

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