Wildschweine auf Eroberungszug Richtung Graz

2. April 2013, 17:56
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Nur die Schneemassen dieses Winters könnten sie stoppen, hoffen Jäger. Ansonsten erobern die Tiere aus Niederösterreich und dem Burgenland zunehmend auch Städte

Graz - Als Städter wähnt man sie weit weg im Wald, wo sie mit ihren putzigen gestreiften Kindern ein beschauliches Leben fernab der Metropolen führen. Doch glaubt man jüngsten Medienberichten, stehen tausende Wildschweine schon vor den Toren von Graz. Man fürchtet eine " Invasion" - obwohl noch kein einziges Wildschwein rund um den Schloßberg gesichtet wurde.

Die Eindringlinge sollen aus Niederösterreich und dem Burgenland kommen, wo die Populationen sprunghaft angestiegen sind. Der Verdrängungswettbewerb an den Futterplätzen habe viele in die wildschweinmäßig dünner besiedelte Steiermark emigrieren lassen. Dort wird es aber auch langsam eng, daher könnten sich die Tiere bis nach Graz durchfressen.

Noch nicht ganz so wild

Wildschweine im Stadtpark? Ganz so wild sei das mit den Wildschweinen noch nicht, meint der Bezirksjägermeister von Graz, Stephan Moser, im STANDARD-Gespräch, "aber natürlich ist die Gefahr da". Auch in Berlin, Budapest und in Randbezirken von Wien tauchten immer wieder Wildschweine auf, die großen Schaden anrichten können. Manche niederösterreichische Reviere seien nicht mehr zu verpachten, weil niemand den hohen Wildschaden zahlen wolle.

Zudem vermehren sich Wildschweine ohnehin recht gern - in letzter Zeit aber besonders gern. Im mit 31. März abgelaufenen letzten Jagdjahr wurden etwa in Niederösterreich über 31.000 Wildschweine erlegt, das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Auch in der Steiermark habe sich die Zahl mit 2300 verdoppelt, sagt Moser. Grund für die starke Vermehrung könnte der Klimawandel sein, glaubt Moser. Figürlich (100 Kilo, aber kurze Beine) tut sich ein Wildschwein bei Schnee nicht gerade leicht. "So gesehen hoffen wir nach diesem schneereichen Winter auf eine Beruhigung durch natürliche Auslese", sagt Moser.

Jagen in der Stadt

Mit dem Jagen werde es schwierig, sobald es die Tiere in die Stadt geschafft haben. "Lustig ist das Jagen in der Stadt nicht", sagt Moser. Er müsse auf Holz klopfen: Ein Jogger sei ihm noch nie vor den Lauf gerannt. Angst haben müssen Jogger auch vor den scheuen Wildschweinen nicht. Außer man hat das Pech, zwischen eine Bache und einen ihrer Frischlinge zu geraten. "Da müssen S' dann Gas geben", rät der Jägermeister.

Neben den Städten haben Wildschweine auch die Alpen neu für sich entdeckt. Auch hier nicht zur Freude der Senner, denn sie reißen Almwiesen so auf, dass auch hier langfristige Schäden entstehen. Und im slowenischen Teil Istriens fürchtet man sie, weil sie sich dort in letzter Zeit vermehrt über die heißbegehrten istrischen Trüffel hermachen.

Der viele Schnee bedroht aber auch andere Tiere. Für Zugvögel wird der lange Winter heuer zur Todesfalle. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 3.4.2013)

  • Der Schnee ist der natürliche Feind des Wildschweins - zumindest hoffen die Jäger heuer auf eine entsprechende "Auslese".
    foto: dpa/ronald wittek

    Der Schnee ist der natürliche Feind des Wildschweins - zumindest hoffen die Jäger heuer auf eine entsprechende "Auslese".

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