Des Sommers schönste Seiten

11. April 2013, 17:00
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Manchmal machen die Bücher im Gepäck den Unterschied zwischen einem Urlaub und einer Reise aus.

Das "Sommerbuch": Für Buchhandelsdiskonter und Lifestyle-Redakteure ist es die Formel für das zielgruppengerecht verpackte Ferien-Accessoire, das neben Sonnencreme und iPod auf jede Strandliege gehört; Thriller oder Historienroman für den Herren, "Chic-Lit" oder vielleicht ein Regionalkrimi für die Damen. Ein Sommerbuch kann aber mehr sein: Viele nutzen die Urlaubszeit, um sich einen Klassiker (wieder) vorzunehmen. Und auch die prognostizierten Buchhits der Sommersaison sind nicht alle trivial.

Leichte Kost

Das Team der Buchhandlung Kuppitsch in der Nähe der Universität Wien empfiehlt Sommerbücher, die dem Leser ermöglichen, auf eine Reise zu gehen, neue Horizonte zu erleben. Dabei sollte die Lektüre ein leichtes Gefühl hinterlassen, passend zur entspannten Urlaubssituation. Der autobiografisch gefärbte Kindheitsroman "Wann wird es wieder so, wie es nie war" des Burgschauspielers Joachim Meyerhoff erfüllt diese Ansprüche. Oder – profaner – der neue Roman von Dan Brown, "Inferno", der im Mai erscheint. Hauptsache abschalten und wegtauchen. Gerne auch mit einem Buch aus ein einem Indie-Verlag: "Kleiner Versuch über das Küssen" aus dem Matthes & Seitz Verlag verspricht sommerliche Gefühle. Wenn Klassiker gefragt sind, kann man bei Kuppitsch auch neu aufgelegte oder übersetzte Werke finden: zum Beispiel Strindbergs dreibändige Meeresprosa "Bis ans offene Meer".

Anspruchsvolle Lektüre

Klaus Seufer-Wasserthal leitet die Buchhandlung Rupertus in Salzburg und organisiert gemeinsam mit Jochen Jung und Christa Gürtler das Literaturfest Salzburg. Für ihn ist ein Sommerbuch nicht zwangsläufig leichte und fröhliche Kost. "Ein Sommerbuch darf mich auch fordern, ein Sich-Einlassen verlangen, auch einmal viel Zeit am Stück einfordern", beschreibt es der Literaturfreund. Ein anspruchsvolles Stück Literatur, das aber auch das Zeug zum Sommerhit hat, ist für Seufer-Wasserthal "Die Abenteuer des Joel Spazierer", Michael Köhlmeiers oppulenter Schelmenroman. Die Zwischentöne unserer Zeit trifft Doris Knecht mit ihrem neuen Roman "Besser". Da Sommer ja auch immer Reisen und an anderen Orten sein heißt, empfiehlt Seufer-Wasserthal auch zwei kleine Bücher aus dem Verlag Rogner & Bernhard: "Slow Travel. Die Kunst des Reisens" von Dan Kieran und William E. Bowmans Abenteuerliteratur-Satire "Die Besteigung des Rum Doodle", beide neu erschienen. Der gemeinsame Nenner für großartige Sommerbücher für den Salzburger Literaturexperten: "Dass sie mir rundherum Leselust bereiten!" Die findet er auch bei Kafka, den er allen Lesern und Leserinnen – auch im Sommer – ans Herz legt.

Spannend oder klassisch?

In Vorarlberg beginnen die Sommerferien eine Woche später als in Wien, aber die Sommerbuch-Hits stellen sich zur gleichen Zeit ein: Auch in der Buchhandlung Brunner in Dornbirn rechnet man damit, dass der neue Dan Brown bestens nachgefragt sein wird. Filialleiter Norbert Huber hat ein ziemlich deutliches Bild von den Eigenschaften eines Sommerbuches: "Etwas umfangreicher, inhaltlich gerne am Rand des Kitsches oder Klischees, Spannung steht im Vordergrund!" Das trifft zum Beispiel auf Joanne Harris' Fortsetzung ihres Romans "Chocolat" zu: "Himmlische Träume". Huber würde aber eher zu Barbara Constantines "Und dann kam Paulette" raten: "Eine köstliche, warmherzige Geschichte über eine Alters-WG!", schwärmt der Buchhändler über den Hit-Roman aus Frankreich. Weiterer Anlese-Tipp: Der Weltroman "Diese Dinge geschehen nicht einfach so" von Taiye Selasi. Aber auch Huber empfiehlt den Griff zum Klassiker: "In diesen Büchern steckt viel mehr drin, als wir in Erinnerung haben." Zum Beispiel in Nabokovs "Lolita" oder "Tom Sawyer & Huckleberry Finn" von Mark Twain.

Botschaft fürs Leben

Franz Kriutz von der Buchhandlung Moser in Graz hat einen persönlichen Favoriten für das Sommerbuch 2013: "Der große Trip" von Cheryl Strayed, eine Selbstfindungs-Reise quer durch die Wildnis der USA. "Das ist ein Buch, das jedes Menschen Herz rührt!", glaubt Kriutz. Sein zweiter Tipp für diesen Sommer spielt in einem anderen Winkel der USA und kommt weniger warmherzig daher: Tom Wolfes bissiges Miami-Porträt "Back to Blood". Wiederentdeckern von Klassikern rät Kriutz zu William Faulkners "Licht im August" oder "Italienische Reise" von Johann Wolfgang von Goethe. Diese beiden Bücher haben auch, was Kriutz bei Sommerbüchern im Allgemeinen für wichtig hält: "Eine Botschaft fürs Leben." (Jan Kossdorff, derStandard.at, 11.4.2013)

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    foto: buchhandlung kuppitsch
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