"Nicht auszuschließen, dass es wieder passiert"

Interview2. April 2013, 12:23
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Repressionen unter Austria-Fans: Gegen Salzburg hat es einmal mehr gekracht. Austria-Vorstand Markus Kraetschmer im Gespräch

In der Winterpause hat Tabellenführer Austria Wien im Rahmen der Generalversammlung den rechtsextremen Fanklub "Unsterblich Wien" ausgeschlossen. Es folgte die Solidarität anderer Fanklubs und ein Stimmungsboykott.

Am Sonntag ist die Situation im Schlager gegen Salzburg keineswegs überraschend eskaliert. derStandard.at sprach am Dienstag mit Austria-Vorstand Markus Kraetschmer.

derStandard.at: Was ist am Sonntag auf der Osttribüne der Generali-Arena passiert?

Kraetschmer: Es gab Repressalien. Fanklubs, die ihren Banner aufhängen wollten, wurden von Personen, die zu 99 Prozent dem Dunstkreis der "Unsterblich" angehören, bedroht oder gar verletzt. Das sind Zustände, die völlig unverständlich sind.

derStandard.at: Kennt man die Täter?

Kraetschmer: Wir haben bisher vier Personen identifiziert. Sie werden in den nächsten Tagen mit einem Hausverbot belegt. Wir werten die Videobilder weiter aus. Wir bekommen Mails und SMS, de facto also Zeugenaussagen.

derStandard.at: Waren die Maßnahmen bisher zu lasch?

Kraetschmer: Das glaube ich nicht. Wir haben ein transparentes Maßnahmenpaket geschnürt. Ein Problem war aber sicher die Solidarität anderer Fanklubs, denen die Maßnahmen des Vereins zu weit gegangen sind.

derStandard.at: Bröckelt diese Solidarität angesichts der letzten Entwicklung?

Kraetschmer: Fanklubs wurden belogen und vor den falschen Karren gespannt. Manche haben nun gesehen, dass es diesen Leuten nicht um den Verein, sondern nur um ihre Ideologie geht. Und die wollen sie brutal und mit Gewalt durchsetzen. Sie benützen die Spiele der Austria nur als Plattform.

derStandard.at: Was können Fans tun, um sich zu wehren?

Kraetschmer: Uns Hinweise zukommen lassen, die uns ermöglichen, auf Basis von Fakten Handlungen zu setzen. Wir brauchen Fakten, um uns nicht dem Vorwurf der Willkür auszusetzen. Wir wollen uns dieser Leute so schnell wie möglich entledigen. Fans, die es ernst meinen, müssen ihren Teil beitragen.

derStandard.at: Ist das angesichts der Repressionen nicht viel verlangt?

Kraetschmer: Wir verstehen, dass der eine oder andere Angst hat. Aber die Hinweise werden natürlich anonym behandelt. Jeder muss für sich abwägen, was er bereit ist beizutragen.

derStandard.at: Wie interpretieren Sie den auf der Tribüne sichtbaren Banner "Unsterblich soll rechts sein? Wir haben viele Freunde im Ausland", kombiniert mit einem Logo von Lazio Rom?

Kraetschmer: Lächerlich. Man versucht uns zu provozieren. Auch hier werden wir uns die Videobilder ansehen. Der Klub steht sportlich vor einer unglaublichen Möglichkeit. Wenn diese Leute das nicht begreifen, dann sollen sie bitte zu Hause bleiben.

derStandard.at: Man hört nicht zum ersten Mal, dass sich Fanordner und Problemfans mit Bussi rechts, Bussi rechts begrüßen.

Kraetschmer: Diesen Vorwurf kennen wir, wir gehen dem nach. Wir haben bereits einige Ordner ausgetauscht. Wenn man den Job vom Privaten nicht trennen kann, werden solche Personen ihren Dienst bei uns nicht mehr versehen können.

derStandard.at: Warum bekommt der Verein die Probleme nicht in den Griff?

Kraetschmer: Weil es sehr schwer möglich ist. Es treten auch immer wieder neue Personen auf. Wenn man ein Problem löst, geht wieder eine neue Flanke auf. Es bedarf auch der Exekutive, die Körperverletzungen passieren ja nicht nur im Stadion, sondern auch außerhalb.

derStandard.at: Im Stadion muss aber der Verein die Sicherheit seiner Fans gewährleisten.

derStandard.at: Da brauchen wir nicht herumreden. Wenn die Osttribüne voll ist, ist es aber schwierig, an allen Ecken und Enden gleichzeitig zu sein. Wir müssen aufarbeiten und lernen. Aber ich kann nicht ausschließen, dass es wieder passiert. Man wird vielleicht mehr Polizei und Polizei in Zivil benötigen, um solcher Dinge habhaft zu werden.

derStandard.at: Wird der Verein nicht ausreichend unterstützt?

Kraetschmer: Wenn ein Bengalenwerfer, der uns viel Geld kostet, vor Gericht freigesprochen wird, weil er niemanden verletzen wollte, sind wir als Verein auch limitiert.

derStandard.at: Sind Sie von der Thematik allmählich genervt?

Kraetschmer: Wir sind vor dem letzten Meisterschaftsviertel 13 Punkte voran und müssen uns über solche Dinge unterhalten. Eine Idiotie. (Philip Bauer, derStandard.at, 2.4.2013)

  • "Unsterblich soll rechts sein? Wir haben viele Freunde im Ausland." Darüber das Logo von Lazio Rom.
    foto: derstandard.at/koller

    "Unsterblich soll rechts sein? Wir haben viele Freunde im Ausland." Darüber das Logo von Lazio Rom.

  • Markus Kraetschmer: "Lächerlich. Man versucht uns zu provozieren."
    foto: apa/techt

    Markus Kraetschmer: "Lächerlich. Man versucht uns zu provozieren."

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