Airbnb: Urlauben und wohnen in fremden Wohnungen

31. März 2013, 10:42
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Eugen Miropolski vom Communitymarktplatz im Interview: "Es gibt Objekte, die vorher nicht zugänglich waren - Baumhäuser etwa"

Urlaub bei Freunden. Ein früherer Leitspruch der Österreich Werbung wird jetzt vom Onlinemarktplatz Airbnb propagiert. Eugen Miropolski, Länderchef für Zentral- und Osteuropa, sieht die Plattform nicht als Hotelkonkurrenz. Warum, hat Günther Strobl erfragt.

STANDARD: Wann haben Sie zuletzt in einem Hotel übernachtet?

Miropolski: Vor eineinhalb Jahren.

STANDARD: Haben Sie etwas gegen Hotels?

Miropolski: Gar nichts. Mit dem Einstieg bei Airbnb im September 2011 habe ich auch meine Wohnung aufgegeben. Ich wollte das Produkt testen. Das ist gut, denn einerseits hat man die Perspektive eines Gastes; andererseits lernt man auch viele Gastgeber kennen und erfährt, was diese noch gerne verbessert sehen würden.

STANDARD: Sie leben im Flugzeug und in Wohnungen fremder Leute?

Miropolski: Im Flugzeug weniger, mehr in Wohnungen fremder Leute, die ich über Airbnb buche.

STANDARD: Airbnb hat viele Nachahmer. Wie heben Sie sich von den Wimdus und 9Flats dieser Welt ab?

Miropolski: Wir sind der weltweit größte Communitymarktplatz, haben inzwischen mehr als 300.000 Unterkünfte und mehr als vier Millionen Gäste. Man kann zwar eine Website kopieren, eine Community, die sich über mehrere Jahre formiert hat, aber schwer.

STANDARD: Ist das rasante Wachstum, den Ihr Marktplatz genommen hat, nicht gefährlich?

Miropolski: Airbnb wurde in einem kleinen Apartment in San Francisco gegründet, die drei Gründer haben lange Zeit allein an der Website gearbeitet. Mittlerweile sind wir viel professioneller, haben weltweit elf Offices aufgesperrt und sind auch dort präsent, wo wir noch keine Büros haben.

STANDARD: Wer kann bei Airbnb Gastgeber werden?

Miropolski: Jeder, der eine Wohnung oder ein Zimmer frei hat und das vermieten möchte. Voraussetzung ist ein Internetanschluss, um Anfragen annehmen und beantworten zu können. Die Beschreibung von Wohnung oder Zimmer muss natürlich der Wirklichkeit entsprechen. Gleichzeitig müssen die Wohnungen, die angeboten werden, einzigartig sein. Wir haben keine Hotels mit 100 Zimmern, die alle gleich aussehen.

STANDARD: Ihre Hauptzielgruppe ...?

Miropolski: ... ist sehr breit; es gibt inzwischen Menschen aus 192 Ländern, die bei uns mitmachen, Frauen ebenso wie Männer, unter 25-Jährige genauso wie über 55-Jährige. Allen ist gemeinsam, dass sie offen sind anderen Kulturen gegenüber, sehr gastfreundlich und es genießen, andere Menschen aufzunehmen und über lokale Geschehnisse zu erzählen. Die Menschen wollen nicht immer das Gleiche. Sie suchen vermehrt nach einzigartigen Erlebnissen, nach Authentischem.

STANDARD: Wie viele, die einchecken, sind "Wiederholungstäter"?

Miropolski: Das ist von Land zu Land verschieden. Generell lässt sich sagen, dass viele, die Airbnb getestet haben, zurückkommen und wieder buchen. Gut 70 Prozent, die sich bei Airbnb anmelden, kommen über Empfehlung von Freunden.

STANDARD: Dass jemand ein Zimmer in London oder eine Wohnung in Paris checkt - okay. Aber wer sind die Leute, die ein Loft in New York für umgerechnet 3000 Euro die Nacht buchen?

Miropolski: Solche, die auch ähnlich hohe Hotelpreise zahlen könnten, aber etwas Authentischeres wollen. Man fühlt sich anders als in einem Hotel, geht ein Stockwerk hinunter, begrüßt die Nachbarn - als wäre man Teil dieser Stadt und nicht nur zu Besuch.

STANDARD: Was sagen Sie Vertretern der Hotellerie, die über unfairen Wettbewerb durch Plattformen wie Airbnb klagen?

Miropolski: Was wir anbieten, ist ein ganz anderes Produkt.

STANDARD: Aber es sind dieselben Menschen, die Sie ansprechen?

Miropolski: Wir vergrößern den Markt. Es gibt Objekte, die vorher nicht zugänglich waren - Baumhäuser etwa. Es gibt viele Menschen, die wollen sich einen Kindheitstraum erfüllen, fahren nach Kalifornien und leben in einem bei uns gebuchten Baumhaus. Sonst wären Sie vielleicht gar nicht nach Kalifornien gefahren.

STANDARD: Es wird auch bekrittelt, dass bei Steuern und Kurtaxen ein ungleicher Wettbewerb bestehe. Können Sie das nachvollziehen?

Miropolski: Es ist schwierig, von einer Privatperson, die einmal pro Monat für drei bis vier Tage etwas vermietet, Gleiches zu verlangen wie von einem Hotelbetreiber, der das professionell macht.

STANDARD: Welche Ziele verfolgen Sie in Österreich?

Miropolski: Wir sind stark gewachsen in den urbanen Zentren, das wird so weitergehen. Darüber hinaus rücken verstärkt traditionelle Feriengebiete in den Fokus, Skiorte genauso wie Wandergebiete. (Günther Strobl, DER STANDARD, 31.3.2013)

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    foto: airbnb
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