Koreas letzter gemeinsamer Nenner bleibt bestehen

31. März 2013, 10:57
113 Postings

Betrieb in Industriekomplex Kaesong normal angelaufen - Pjöngjang würde sich mit Schließung selbst schaden

Seoul/Pjöngjang - Der Betrieb in dem gemeinsam von Nordkorea und Südkorea betriebenen Industriekomplex Kaesong ist am Sonntag trotz Drohungen aus Pjöngjang normal angelaufen. Es gebe bisher "kein Problem bei den Abläufen im Kaesong Komplex", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Vereinigungsministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Zu Details äußerte er sich nicht.

Die für den Komplex zuständige Behörde in Nordkorea hatte am Samstag erklärt, Kaesong werde "ohne Rücksichtnahme" geschlossen, falls Südkorea versuche, die Würde des Nordens zu verletzen. Die Zukunft von Kaesong hänge vollständig vom Verhalten Südkoreas ab, hieß es. Der Industriekomplex liegt in Nordkorea etwa zehn Kilometer von der Grenze zu Südkorea entfernt. Er wurde 2004 als Projekt der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit der beiden Staaten gegründet.

Im 66 Quadratkilometer großen Komplex beschäftigen 123 südkoreanische Firmen rund 50.000 nordkoreanische Mitarbeiter. Hergestellt werden einfache Produkte wie Schuhen, Kleidung, Uhren oder Kleinteile für technische Geräte. In Kaesong werden rund zwei Mililarden Dollar an grenzüberschreitendem Handel generiert. Von Sanktionen der UN ist dieses Projekt weitgehend ausgenommen.

Ein Projekt mit zwei Nutznießern

Die südkoreanischen Firmen profitieren in Kaesong von den geringen Löhnen, für das nordkoreanische Regime ist es eine der seltenen Möglichkeiten, an US-Devisen zu gelangen. Dass Pjöngjang die Drohung wahr macht, gilt daher als eher unwahrscheinlich, es würde sich wirtschaftlich nur selbst schaden.

Ganz ausgeschlossen werden kann eine Schließung natürlich nicht. Und das hätte abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen vor allem eine wichtige symbolische Bedeutung für das politische Klima auf der koreanischen Halbinsel. "Kaesong ist der letzte gemeinsame Zufluchtsort. Wird das geschlossen, ist auch das letzte Band zwischen Norden und Süden zerschnitten", warnte Park Soo-jin vom südkoreanischen Einheitsministerium. (red/APA, 31.3.2013)

Kaesong, der letzte gemeinsame Nenner von Nord- und Südkorea:


Größere Kartenansicht

  • Archivbild vom Industriekomplex Kaesong.
    foto: epa/yonhap

    Archivbild vom Industriekomplex Kaesong.

  • Ein Blick ins Innere des Komplexes.
    foto: epa/bradshaw

    Ein Blick ins Innere des Komplexes.

Share if you care.