Vermögenden auf Zypern drohen hohe Verluste

30. März 2013, 16:42
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Für Spareinlagen von mehr als 100.00 Euro sind Zwangsabgaben bis zu 60 Prozent möglich

Nikosia - In Zypern müssen wohlhabende Bankkunden einen deutlich größeren Beitrag zur Stabilisierung des Finanzsektor beitragen als bisher bekannt. So bestätigte die Zentralbank des Landes am Samstag, dass sich die Kunden der Bank of Cyprus mit Spareinlagen von mehr als 100.000 Euro auf einen Verlust von rund 60 Prozent einstellen müssten. Bisher war ein Abschlag von 30 bis 40 Prozent erwartet worden. Bis zur Grenze von 100.000 Euro sind die Spareinlagen garantiert und sollen nicht zur Rettung des von der Staatspleite bedrohten Euro-Landes angetastet werden.

Vorerst 37,5 Prozent Zwangsabgaben

Der zypriotische Finanzminister Michalis Sarris teilte am Samstag in Nikosia die Modalitäten für die Rettung von Zyperns größter Bank mit. Vermögende werden dabei in einem ersten Schritt mit 37,5 Prozent ihrer Einlagen oberhalb der 100.000-Euro-Grenze zur Kasse gebeten. Wer beispielsweise 200.000 Euro bei der Bank of Cyprus hat, dem bleiben 100.000 Euro sicher. Auf die verbleibenden 100.000 Euro wird nun laut Sarris eine erste Zwangsabgabe von 37,5 Prozent - also 37.500 Euro - erhoben.

Weitere 22.500 Euro könnten folgen: "Wir werden zusätzlich 22,5 Prozent sozusagen beiseitelegen", sagte Sarris im zypriotischen Fernsehen (RIK). Falls die Bank of Cyprus noch mehr Geld zur Rettung benötige, werde man auch diese 22,5 Prozent nehmen. Die Sparer sollen für ihre Verluste Aktien der Bank bekommen.

Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Verweis auf die Zentralbank, dass Anleger für ihre Einlagen ab 100.000 Euro Aktien der Bank of Cyprus im Wert von lediglich 37,5 Prozent erhalten sollen. 22,5 Prozent der Einlagen über der Grenze sollten gar nicht berücksichtigt werden, seien also verloren. Die restlichen 40 Prozent sollten nur dann ausbezahlt werden, wenn sich die Bank gut entwickle.

Umwandlung in Aktienkapital

Laut AFP werden 37,5 Prozent der Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei der größten Bank des Landes offiziellen Angaben vom Samstag zufolge in Aktienkapital umgewandelt. Weitere 22,5 Prozent sollen für drei Monate eingefroren werden, bis feststehe, ob weitere Abgaben erforderlich seien. Der Abgeordnete Marios Mavrides der konservativen Regierungspartei Disy von Staatschef Nikos Anastasiades sagte der Nachrichtenagentur, die restlichen 40 Prozent würden sechs Monate lang auf einem Konto "blockiert".

Die zweitgrößte Bank, die Laiki Bank (Volksbank), soll den Plänen zufolge gespalten werden. Nur Geldeinlagen bis 100.000 Euro werden gerettet. Diese gehen an die gesunde Bank, die von der Bank of Cyprus übernommen wird. Der Rest geht an eine sogenannte Bad Bank. Die Sparer können hoffen, dass sie in der Zukunft einen Teil ihrer Gelder zurückbekommen. Eine bereits eingesetzte Insolvenzverwalterin soll unter anderem über den Verkauf von Immobilien der Bank versuchen, Geld einzusammeln.

Banken weiterhin geschlossen

Am Samstag blieben die Banken in Zypern zu, nur einige kleinere Genossenschaftsbanken machten auf. Die Geldinstitute werden am Dienstag wieder öffnen, wie die Zentralbank mitteilte.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn äußerte sich unterdessen skeptisch, dass Zypern durch das internationale Hilfspaket tatsächlich "gerettet" ist. Von der geplanten Abgabe auf Bankeinlagen über 100.000 Euro seien auch zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe in Zypern betroffen, sagte er dem "Tagesspiegel". Zudem sei damit zu rechnen, dass die Arbeitslosigkeit in Zypern "dramatisch steigen" werde.

Nach Einschätzung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble geht der Euro gestärkt aus der Zypern-Krise hervor. Der Minister wandte sich in der "Bild"-Zeitung zugleich erneut gegen Überlegungen, Länder aus der Währungsunion ausscheiden zu lassen. "Wichtiger ist, dass wir stark genug sind, alle im Boot zu halten."

Schäuble sieht Zypern als "speziellen Einzelfall"

Schäuble sagte, der Euro sei heute stabiler als noch vor drei Jahren. "Die ganzen Turbulenzen haben eben nicht auf andere Länder Südeuropas ausgestrahlt." Anfang 2012 sei das noch anders gewesen. Damals seien wegen der bevorstehenden Neuwahlen in Griechenland plötzlich die Zinsen für ganz Südeuropa in die Höhe geschnellt. "Auch die Finanzmärkte haben verstanden: Wir sind besser vorbereitet. Wir haben viel erreicht." Schäuble sieht im Rettungspaket für Zypern mit Beteiligung der Sparer kein Modell für andere Eurostaaten: "Zypern ist und bleibt ein spezieller Einzelfall." (APA/Reuters, 30.3.2013)

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