"Ich bin politisch in keinster Weise müde"

29. März 2013, 19:20
100 Postings

Grazer ÖVP-Bürgermeister könnte ins Land wechseln und Voves Konkurrenz machen

 Graz - In der steirischen ÖVP wird allmählich über eine Nachfolge von Parteichef und Landeshauptmann-Vize Hermann Schützenhöfer nachgedacht. Hinter den Kulissen der Landespartei bringen sich schon diverse Anwärter in Stellung. Dieser Tage hat auch der Grazer Bürgermeister Siegfried Nagl in einem Gespräch mit der Kleinen Zeitung angedeutet, dass er ins Land wechseln könne. Es sei "das erste Mal, dass ich nicht Nein sage".

"Vielleicht ein Wechsel"

"Ich bin politisch in keinster Weise müde. Politik braucht auch einen Wechsel, in Graz wird mein Team in dieser Periode ebenfalls erneuert. Und auch auf mich kommt, wer weiß, vielleicht ein Wechsel zu", orakelt Nagl im Gespräch mit dem Standard. "Nagl ist immer eine Option", heißt es in der Landespartei hinter vorgehaltener Hand. Offiziell äußern mochte sich aber bisher niemand über den überraschenden Nagl-Vorstoß. Berufen, Schützenhöfer zu beerben, fühlen sich auch so ziemlich alle Parteikollegen in dessen Regierungsteam. Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder ist zwar durch die verpatzte Spitalsreform - sie musste die geplante Privatisierung des LKH West wegen des innerparteilichen Drucks absagen - angezählt, bleibt als Kandidatin aber im Rennen. Ihr schärfster Konkurrent ist Schützenhöfers politischer Ziehsohn, Klubchef Christopher Drexler. Nicht ganz zu unterschätzen ist auch der leise agierende, volksnahe Agrarlandesrat Hans Seitinger.

Abgeschminkt hat sich wohl Staatssekretär Reinhold Lopatka eine Rückkehr in die Steiermark. Er spekuliert dem Vernehmen nach nun mit einer Kandidatur auf der ÖVP-Europaliste.

Durchkreuzen kann das Nachfolge-Gerangel natürlich Schützenhöfer selbst: indem er beschließt zu bleiben. Dies ist nach seiner Bestätigung am Parteitag ebenfalls denkbar, aber nur wenn er sich eine Chance ausrechnet, seinen "Reformpartner" Franz Voves schlagen und das Land für die ÖVP zurückgewinnen zu können.

Auch wenn Schützenhöfer und Voves momentan dick miteinander sind: Am Ende der Periode wird es Schützenhöfers Ziel sein, Voves als Landeshauptmann vom Thron zu stoßen. Sollte er sich das nicht zutrauen, könnte tatsächlich Nagl geholt werden.

Dann ist möglich, dass Voves, der stets beteuert, gemeinsam mit Schützenhöfer in Pension gehen zu wollen, doch bleibt. Denn die SPÖ verfügt momentan über keinen wirklich schlagkräftigen Gegenkandidaten zum populären Nagl - abgesehen von Voves. (Walter Müller, DER STANDARD, 30./31.3.2013)

 

Share if you care.