Pilzgeflecht als unterirdischer Klimaschutz

29. März 2013, 19:10
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Die höchsten Speicherkapazitäten der nördlichen Wälder finden sich an unerwarteter Stelle: Wurzeln und Pilze binden besonders viel Kohlenstoff

Washington/Wien - Boreale Wälder - also die riesigen Waldgebiete in den nördlichen Breiten des Planeten - bedecken elf Prozent der Erdoberfläche. Und sie sind gigantische Kohlenstoffspeicher, die auf diese Weise indirekt zum Klimaschutz beitragen: 16 Prozent des Kohlenstoffs im Boden ist in den arktischen und subarktischen Waldgebieten gebunden.

Doch wie genau ist der Kohlenstoff in diesen Waldböden gespeichert? Ist es bloß der organische "Abfall", der auf der Oberfläche dahinrottet, wie man gemeinhin annehmen würde? Ein schwedisches Forscherteam um die Botanikerin und Pilzforscherin Karina Clemmensen (Uppsala BioCenter) ist diesen Fragen in einer aufwändigen empirischen Studie buchstäblich auf den Grund gegangen.

Sie untersuchten nämlich die unterschiedlichen Waldböden von insgesamt 30 Inseln in den beiden benachbarten nordschwedischen Seen Hornavan und Uddjaure. Warum sie sich für diese abgelegenen Inseln entschieden, um Waldbodendaten zu sammeln, hat einen nicht ganz trivialen Grund: Die Wälder der größeren Inseln brennen immer wieder ab, weil dort die Chancen für Blitzschläge relativ hoch sind. Einige der kleinere Inseln hingegen sind seit 5.000 Jahren von Waldbränden verschont geblieben.

Auf den kleineren Inseln stießen die Wissenschafter um Clemmensen auf bis zu einen Meter dicke Humusschichten, die naturgemäß besonders viel Kohlenstoff binden. Bei Vergleichsuntersuchung zeigte sich ein erstaunliches Ergebnis, von dem sie im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten: Nach den Berechnungen des Forscherteams wird 50 bis 70 Prozent des Kohlenstoffs im Boden von den Wurzeln der Bäume und den mit ihnen verbundenen Mikroorganismen gebunden - und nur wenig an der Oberfläche.

Unter der spielen die Pilze und ihre unterirdischen Wurzelgeflechte, die Myzelien, eine entscheidende Rolle, so Clemmensen. Je mehr davon vorhanden sind, desto mehr Kohlenstoff wird gespeichert - eine Erkenntnis, die bisher buchstäblich im Verborgenen geblieben war. (tasch/DER STANDARD, 30. 3. - 1. 4. 2013)

  • Der Geschmückte Gürtelfuß lebt in einer Symbiose mit Birken und trägt so zur Speicherung von Kohlenstoff bei.
    foto: karina clemmensen

    Der Geschmückte Gürtelfuß lebt in einer Symbiose mit Birken und trägt so zur Speicherung von Kohlenstoff bei.

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