Pro: Vier Tage, die allen guttun

Kommentar29. März 2013, 18:55
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Die Forderung, Anhängern der jeweiligen Religion arbeitsfrei zu geben, greift zu kurz, denn: Feiern bringt Umsatz und fördert das Verständnis

An das Osterwunder - die leibliche Auferstehung Jesu Christi - glauben nach der jüngsten Market-Umfrage für den STANDARD nur drei von zehn Österreichern. Aber auch die übrigen sieben nehmen gerne den Ostermontag als Feiertag - ebenso wie sie andere Feste Christi und Mariä schätzen. Natürlich schwingt bei der Inanspruchnahme von religiösen Feiertagen Eigennutz mit - aber eben auch Respekt davor, dass die Verehrung von Jesus und Maria zur christlichen Religion gehört. Und ein Konsens darüber, dass diese Feiertage den Jahreskreis strukturieren - was nebenbei gut für das Geschäft ist: Zu Weihnachten und Ostern gibt es eben nicht nur staatlich verordnete Freizeit, sondern auch Geschenke.

Deshalb ist völlig unverständlich, warum sich die Wirtschaft dagegen wehrt, dass auch die halbe Million Muslime und die wenigen Tausend Juden zu ihren hohen Festen arbeitsfrei haben wollen. Großzügig gedacht: Alle sollten zu diesen Festen freihaben. Denn Feiern bringt Umsatz.

Feiern fördert auch das Verständnis: Was eigentlich feiern Muslime zu Ramadan und zum Opferfest, was Juden zu Rosch ha-Schana und Jom Kippur? Es tut allen gut, wenn sie sich damit auseinandersetzen - daher greift die Forderung, Anhängern der jeweiligen Religion arbeitsfrei zu geben, eigentlich zu kurz. Vier zusätzliche freie Tage für alle würden unsere Kultur bereichern. Und angesichts gestiegener Produktivität kann sich Österreich das auch leisten. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30./31.3.2013)

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