Gedenkjahr 2014 mit Stolpersteinen

29. März 2013, 20:37
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Auch in Österreich versucht man sich auf den 100. Jahrestag des Attentats in Sarajevo im Juni 2014 vorzubereiten

Sarajevo/Wien - Nicht nur das Gedenken an 1914 ist eine heikle Angelegenheit. Auf dem Weg zum 100. Jahrestag des Attentats in Sarajevo und des Beginns des Ersten Weltkriegs stolperten der Kärntner Exlandeshauptmann Gerhard Dörfler und der ehemalige serbische Botschafter in Wien, Milovan Bozinovic, über ihre eigene Geschichte.

Dörfler wollte im Februar mit Christoph Habsburg-Lothringen, der das Gedenken an 1914 innerhalb der Familie Habsburg koordiniert, nach Sarajevo fahren - und wurde abgewählt. Bozinovic, ein Freund des ermordeten Premiers Zoran Djindjic, wurde vorzeitig abgesetzt. Mit der neuen Regierung in Serbien haben es Anhänger der Demokratischen Partei schwer. Kritiker werfen Bozinovic zudem vor, er habe Außenminister Ivan Mrkic nicht gebührend am Wiener Flughafen empfangen. Mit dem Abgang Boz inovics schwebt nun auch seine Idee im Ungewissen, die er in zwei Gesprächen mit Kardinal Christoph Schönborn erörtert hatte. Demnach sollten die Familien Habsburg und Angehörige der Familie des Attentäters, Gavrilo Princip, 2014 eine "Versöhnungsmesse" im Stephansdom feiern. Schönborns Pressesprecher Michael Prüller zum Standard: "Es ist richtig, dass die Idee an die Erzdiözese herangetragen worden ist." Man sei aber noch im "Stadium einer Idee".

Bisher wurde die Familie Princip in Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht benachrichtigt. Und weder die Familie Hohenberg, also die eigentlichen Nachkommen des Thronfolgers, noch die Familie Habsburg waren von dem Ansinnen unterrichtet. In der Familie Habsburg findet man es zudem "schon sehr kritisch", mit den Princips eine Messe zu feiern, wie ein Familienmitglied, das anonym bleiben will, betont. Kritiker monieren auch, dass der Erste Weltkrieg ja nicht als Familienfehde begonnen habe. Die Vorbereitungen in Wien beurteilt ein Familienmitglied der Habsburger als "stümperhaft und chaotisch".

Tatsächlich fällt es offenbar schwer, an einen verlorenen Krieg und das Versagen der Diplomatie zu erinnern. Im Außenministerium in Wien ist man nervös. Vor allem die Aktivitäten in Paris stehen unter Beobachtung. Dort sind Serge Barcellini, Inspektor im Verteidigungsministerium, und Joseph Zimet, stellvertretender Leiter der Direktion für Gedenken, Kulturgut und Archive, für die "Mission Centenaire" zuständig. Angedacht ist eine "außerordentliche Versammlung der europäischen Staats- und Regierungsoberhäupter" in Sarajevo sowie "eine Einladung aller Staats- und Regierungsoberhäupter zur traditionellen Militärparade am 14. Juli" nach Paris, "zu welcher Soldaten aller im Ersten Weltkrieg kriegsführenden Länder eingeladen würden".

In Österreich zweifelt man, ob es adäquat ist, dass Soldaten auf den Champs-Élysées defilieren. In Frankreich wird sogar erwogen, die Westfront ("Landschaften und Stätten zum Gedenken an den Ersten Weltkrieg") zum Weltkulturerbe zu ernennen.

Auch auf internationaler Ebene wird das Gedenkjahr vorbereitet. Es gab bereits zwei Treffen - eines in einem "kalten Schloss" in Belgien - unter Teilnahme von insgesamt 25 Nationen. Österreich würde die Koordination gerne auf europäischer Ebene, am besten EU-Ebene, sehen, Deutschland denkt auch an den Europarat. Angedacht sind in Wien bilaterale Projekte mit Serbien, Tschechien und Russland.

Im Außenministerium ist der frühere Botschafter in Berlin und Washington, Christian Prosl, als Koordinator für das Gedenkjahr 2014 zuständig. Es geht darum, alle Initiativen zu sammeln und dann zu koordinieren. Es könne nicht nur um Kriegsgräberfürsorge gehen, sondern auch um die Frage, was man aus dem Ersten Weltkrieg gelernt habe, über die Rolle der Propaganda etwa, meint man am Minoritenplatz.

Philharmoniker in Sarajevo

Klar ist, dass am 28. Juni 2014 die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst im neu restaurierten ehemaligen Rathaus in Sarajevo, der Vijecnica, spielen werden, also ganz in der Nähe jenes Ortes, wo Franz Ferdinand erschossen wurde. Das Heeresgeschichtliche Museum, das Schloss Artstetten, wo Franz Ferdinand und Sophie begraben sind, und die Schallaburg ("Jubel & Elend. Leben mit dem Großen Krieg 1914-1918") bereiten Ausstellungen vor. Auch die virtuelle Bibliothek Europeana.eu soll einen Schwerpunkt zum Beginn des Ersten Weltkriegs machen.

Überlegt wird auch, ob Österreich helfen soll, das kleine Attentatsmuseum in Sarajevo zu restaurieren. Princip, der in jugoslawischer Zeit als Held gefeiert wurde, ist eine Gedenktafel auf einem Friedhof in Sarajevo gewidmet (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, 30. 3. - 1. 4. 2013)

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    Das Attentatsmuseum in Sarajevo zeigt nur wenige Artefakte. Mehr ist im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien zu sehen.

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    Der Attentäter Gavrilo Princip wurde zu 20 Jahren Kerker verurteilt. Er starb im April 1918 an Tuberkulose.

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