Räume für Klangträume

29. März 2013, 18:09
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Ein Blick auf die Musikbauten der letzten Jahre

Linz - Dafür, dass zurzeit immer noch von der heikelsten Schulden- und Wirtschaftskrise der letzten Jahrzehnte gesprochen wird, ist es erfreulich, dass kulturbaulichen Aktivitäten überhaupt zu vermelden sind: Da gibt es in Wien sogar mit dem Muth einen Konzertsaal für die reisefreudigen Sängerknaben (Kosten: 15 Millionen Euro). Und in Erl eröffnete unlängst schon ein Opernhaus (Kosten: 36 Millionen), das Dirigent Gustav Kuhn die Möglichkeit bietet, auch im Winter ein Opernfestival zu veranstalten.

Blickt man zeitlich weiter zurück, wirkt die Menge der Neuheiten ebenfalls respektabel: Da gab es 2006 in Salzburg die Umwandlung des kleinen Festspielhauses in das Haus für Mozart (um 29 Millionen Euro). Da gab es 2004 die Errichtung der vier neuen Säle im Wiener Musikverein (mit fünf Millionen gesponsert von Frank Stronach, nachdem Financier Alberto Vilar ausfiel). Und für das Franz-Liszt-Festival in Raiding wurde 2006 auch ein Konzertsaal (um 6,8 Millionen) errichtet.

Genannt werden muss natürlich Grafenegg in Niederösterreich: In eine aparte Parklandschaft wurde 2007 mit dem Wolkenturm eine Freiluftbühne hineingesetzt. Um bei Wetterproblemen nicht Konzerte absagen zu müssen, kam 2008 (um 20 Millionen) auch noch ein Konzertsaal hinzu, das Auditorium Grafenegg. Zu erwähnen wären auch der Angelika-Kaufmann-Saal im Vorarlberger Schwarzenberg und der Kristallsaal auf Schloss Rothschild in Waidhofen an der Thaya, den Hans Hollein entworfen hat. Blickt man nach Deutschland, findet man auch Spannendes: In München kämpft Dirigent Mariss Jansons um die Errichtung eines Konzertsaals für sein Orchester des Bayerischen Rundfunks. Und in Hamburg wird - so nicht weitere Verzögerungen eintreten - 2017 die Elbphilharmonie eröffnet, bei welcher der ehemalige Wiener Konzerthaus-Chef Christoph Lieben-Seutter erhebliche Geduld beweist. Man wollte 2010 eröffnen, die Baukosten beliefen sich einst auf 186 Millionen Euro. Nun ist man bei 575 Millionen.

Linz hat es jedenfalls geschafft. Jetzt muss "nur noch" auch inhaltlich alles funktionieren - das Mehrspartenhaus muss sein Publikum finden. Dass es eine Weile dauern kann, bis das passende Konzept implantiert ist, zeigte St. Pölten: Dessen 1997 errichtetes Festspielhaus schlitterte bald nach der Eröffnung in eine Krise, die aber längst überwunden ist. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 30./31.3./1.4.2013)

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