Das Fasten auf multikulturelle Art brechen

29. März 2013, 18:47
23 Postings

Im Süden und Osten des Landes stehen die drei Backen der Pinze für die Freude über den dreieinigen Gott

Gefärbte Eier sind Pflicht, Geselchtes detto, auch beim Kren wird man sich, wenn auch tränenreich, wohl einig sein: Was ein wahres Osterfrühstück ist, das kann im Alpenland ohne diese Dreifaltigkeit nicht sein.

Beim festtäglichen Feingebäck hingegen scheiden sich die Geister je nach Region: Im Westen symbolisiert gemeinhin der aus drei Strängen Germteig geflochtene und meist mit Rosinen und Mandelstiften angereicherte Osterzopf die Dreifaltigkeit aus Gottvater, Heiligem Geist und dem ganz frisch in den Himmel aufgefahrenen Sohn. Im Süden und Osten des Landes aber stehen die drei Backen der Pinze für die Freude über den dreieinigen Gott.

Gemeinsames Erbe

Die Pinze, Pinza oder Pinca wird aber nicht nur von Steirern und Kärntnern als ureigenes Ostergebäck reklamiert - auch in Triest, Treviso, Görz, Laibach oder Zagreb bieten die Bäckereien dieser Tage das charakteristische Ostergebäck feil.

Ob die einzig wahre Pinze nun aus dem friulanisch-venezianischen Raum stammt, wie der in der Steiermark noch gebräuchliche Begriff der "Görzer Pinze" indizieren würde, oder doch slawischen Ursprungs ist, wird sich kaum zweifelsfrei festmachen lassen: Zu fruchtbar haben sich die großen Volksgruppen Europas - Slawen, Germanen und Lateiner - gerade in diesem Kulturraum über die Jahrhunderte vermischt und nicht zuletzt kulinarisch inspiriert.

Das gemeinsame Erbe hat die verschiedenen Gruppen und Untergruppen auch in diesem Fall nicht davon abgehalten, das Wissen um die einzig wahre Version der Osterpinze eifersüchtig für sich zu reklamieren.

An Dottern reicher Germteig

Einig ist man sich nur darüber, dass ein an Dottern reicher Germteig die Grundlage bildet. Während Traditionalisten alpinen Ursprungs auf Aromatisierung durch mit Anis gewürzten Weißwein bestehen und Rosinen nicht um die Burg tolerieren, schwören etwa Triestiner auf Vanille und Zitronenschale, während in Kroatien durchaus Rum sowie kandierte Orangenschalen und Rosinen in eine echte Pinze gehören.

In diesem Sinne böte sich doch an, die Dreigestalt der Pinze einmal nicht religiös, sondern geografisch-kulturell zu deuten: als Symbol für die drei maßgeblichen Volksgruppen Europas, die gerade auch die österreichische Seele so nachhaltig zu bestimmen wissen. Solch eine in jeder der drei Backen individuell gewürzte Pinze freilich wird man in keiner Bäckerei finden - die muss man sich schon selber backen. (Severin Corti, DER STANDARD, 30.3.2013)

  • Die Pinze: österliche Delikatesse ungeklärten Ursprungs.
    foto: derstandard.at/tin

    Die Pinze: österliche Delikatesse ungeklärten Ursprungs.

Share if you care.