Enthüllungen aus dem ORF

29. März 2013, 17:59
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Endlich sollte etwas Zügigkeit in die Entlarvung des "Attentäters" kommen

Auch schon wieder anderthalb Wochen her, dass "News" seine geraume Zeit zurückliegende Enthüllung vom "Krimi um Nadja Bernhard und die Nacktfotos" aufgewärmt hat. Da hieß es: "Jetzt steht der Mann bald selbst blank da: Der Attentäter, der die 'Zeit im Bild'-Moderatorin Nadja Bernhard mittels Nacktfotos desavouieren wollte, nähert sich zügig der Entlarvung." Aber es will und will nicht so recht weitergehen, ja der "Attentäter" denkt überhaupt nicht daran, sich "zügig der Entlarvung" zu nähern, und außer einer erklecklichen Anzahl von Fotos einer hochsittlich bekleideten Nadja Bernhard in diversen Medien hat sich nichts ergeben. Auch das sollte man nicht geringschätzen, wenn man bedenkt, dass die ganze Story nie eine geworden wäre, hätte "News" die ihm anonym zugeschickte Foto-CD "samt Denunziationsschreiben" dem darauf erscheinenden Objekt stillschweigend zukommen lassen.

Aber endlich sollte etwas Zügigkeit in die Entlarvung des "Attentäters" kommen. "Seit einer Woche ist das Wiener Landeskriminalamt mit Nachdruck hinter ihm her", so "News" am 21. März. "Das Überwachungsvideo des Postamtes am Wiener Fleischmarkt, wo die Foto-CD samt Denunziationsschreiben an NEWS aufgegeben wurde, ist schon ausgewertet." Jetzt aber blöd: "Die Moderatorin der meistgesehenen Nachrichtensendung des Landes kennt den Täter nicht. Damit könnten Theorien, wonach der Täter ein missgünstiger ORF-Insider sei, in sich zusammenfallen."

Das wäre natürlich schade, weil es die Story, in der nichts weitergeht, ihrer Pikanterie berauben würde. Aber nicht aufgeben! "Um ihn dingfest machen zu können, will das Landeskriminalamt die Fotos aus dem Überwachungsvideo in den nächsten Tagen veröffentlichen." Das hätte gefährlich werden können, wie "Österreich" am 22. März erkannte: "Statt der Nacktbilder von Frau Bernhard wird er jetzt seine eigenen Fotos in der Zeitung wiederfinden."

Daraus ist bisher nichts geworden, weil sich laut "Österreich" vom 26. März "Polizei und Staatsanwaltschaft noch nicht darauf verständigen konnten, die Bilder publik zu machen. Jetzt herrscht Einigkeit. Man will die Affäre endlich zu einem Abschluss bringen."

Bis es so weit ist, muss die Öffentlichkeit mit der Enthüllung einer anderen ORF-Größe vorliebnehmen. Enthüller ist Branchenschreck Christian W. Mucha vom "Extradienst", und was er dort unter dem Titel "Piss me, Kate!" vermutlich nach Einnahme von zu viel Lichtnahrung zur Arbeit der ORF-Programmchefin Kathi Zechner aus sich strömen lässt, hat Porno-Qualität. Er wollte nämlich witzig sein, aber sich dabei hinter anderen verstecken. "Wir haben jetzt eine Umfrage gemacht, nämlich: Was wird der Frau Zechner künftig einfallen, um die ORF-Abteilungen einzuspannen? Und da haben wir eine ganze Reihe von Anregungen aus der Branche bekommen, was jenen blühen könnten, die der Hyäne - beinahe hätte ich gesagt: Schattengestalt des ORF - in solchen Momenten hilflos ausgeliefert sind."

Und Muchas "Branche" pisste, was die Blase im Kopf hergab. "Alexander Wrabetz muss künftig seine wöchentliche Pressekonferenz mit Gangnam-Tanzen beginnen, um für die Dancing Stars Werbung zu machen." Na ja, das war noch etwas schülermäßig. Aber dann ließ er die Pisse brodeln. "Schneckerl Prohaska soll vor jeder Fußballübertragung live ein Kondom überstreifen, um den Jugendlichen die Probleme der Verhütung und deren Bekämpfung näher zu bringen." Geistvoll auch: "Die Jugendredakteure des ORF-ZiB-Magazins müssen ab sofort ohne Windelhose auftreten." Und dann lief er zur Form eines Mucha de Sade auf mit der Anregung: "Armin Assinger, Klaus Eberhartinger und Roman Rafreider müssen für die neue, von Kathi Zechner geplante Sendung '700 Tage Sex'" - nein, nicht von Sodom, nur vom Küniglberg - "ORF-Moderationskolleginnen vor laufender Kamera auf den Mund küssen, um für dieses Format Werbung zu machen".

Dass "Stermann und Grissemann zur Förderung der österreichischen Weinwirtschaft bei jeder Sendung mindestens drei Bouteillen von namhaften österreichischen Lagen direkt aus der Flasche zu sich nehmen sollen", war bei den gelegentlich bacchantischen Ansätzen dieses Formats als Vorschlag für jene, "die der Hyäne hilflos ausgeliefert sind", geradezu ein "Extradienst" an Noblesse. Wenn Mucha von der "Hyäne" dann noch zu berichten weiß, dass sie "tigermäßig durch ihr Gehege hetzt", kann man die Wohltat eines psychosozialen "Extradienstes" nur empfehlen. (Günter Traxler, DER STANDARD, 30./31.3./1.4.2013)

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