Neuer Papst bewirkt Aufschwung für den Glauben

29. März 2013, 18:50
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Heute glauben mehr Menschen an ein Leben nach dem Tod als noch im Dezember. Aber beim Kern des Bekenntnisses lässt der Glaube aus

Was für ein Mensch ist der neue Papst? Der Standard hat 500 repräsentativ ausgewählte Wahlberechtigte befragen lassen - und ein sehr positives Bild gezeichnet bekommen. Dass Papst Franziskus bescheiden, lebensfroh und sympathisch ist, entspricht auch der Berichterstattung in den meisten Medien. Dass ihn allerdings jeder Zweite für tolerant hält, überrascht doch - und noch mehr, dass ihm vor allem die engagierten Katholiken diese Eigenschaft zutrauen.

Hohes Vertrauen in Franziskus

"Der neue Papst hat für die Kirche einen Schub an Aufmerksamkeit gebracht - und Aufmerksamkeit geht mit Vertrauen einher", sagt Market-Chef Werner Beutelmeyer, der selbst evangelischer Christ ist. Auch andere Religionsgemeinschaften haben profitiert, der evangelische Bischof Michael Bünker wird nun von 17 Prozent der Österreicher als " vertrauenswürdiger Vermittler von Inhalten, die für das Leben wichtig sind" gesehen - im Dezember 2012 waren nur sechs Prozent dieser Meinung. Den größten Schub aber hat Papst Franziskus persönlich erhalten: Ihn halten 61 Prozent für einen vertrauenswürdigen Vertreter relevanter Glaubensinhalte - Vorgänger Benedikt XVI. kam vor drei Monaten nur auf 25 Prozent.

Zu den Osterfeiertagen vor einem Jahr hatte Market auch abgefragt, woran die Österreicherinnen und Österreicher glauben - im Jahresvergleich haben spirituelle Inhalte an Bedeutung gewonnen: So glauben jetzt 47 Prozent an ein Leben nach dem Tod, vor einem Jahr waren es nur 40 Prozent. Dass Gott die Welt erschaffen hat, glauben jetzt 24 Prozent, vor einem Jahr nur 19 Prozent.

Auch an die Vergebung von Sünden, wenn man sie wirklich bereut, wird nun stärker (nämlich von 34 Prozent) geglaubt als vor einem Jahr (24 Prozent).

In den Kernfragen der katholischen Theologie hat sich allerdings wenig getan: Nach wie vor glauben nur 30 Prozent an das Osterwunder, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist - daran glauben rund drei Viertel der Menschen, die in der katholischen Kirche engagiert sind, aber nur jeder vierte Taufscheinkatholik und nur jeder neunte der aus der Kirche Ausgetretenen. An die leibliche Auferstehung der Gläubigen glaubt allerdings auch unter den in der Kirche engagierten Menschen nur eine Minderheit - sie macht an der Gesamtbevölkerung gerade 14 Prozent aus.

Und was bedeutet das alles für die Kirche in Österreich? Wenig, sagen die Befragten: Nur elf Prozent gehen davon aus, dass die Probleme der Ortskirche unter Franziskus leichter gelöst werden können, genau so viele erwarten sogar eine Verschlechterung.

Und auch am Papsttum selbst herrschen gewisse Zweifel: Nur sechs Prozent glauben an das Unfehlbarkeitsdogma, das besagt, dass die Lehrmeinung des Papstes verbindlich für die Christen in aller Welt ist. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30./31.3.2013)

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