Pro dünne Maja

Ansichtssache29. März 2013, 17:47
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foto: zdf/studio 100 animation

Zum 37. Geburtstag gönnt das ZDF seinem einstigen Kinderstar eine Verjüngungskur und löst damit einen Sturm der Entrüstung aus. Eine neue, 3-D-animierte Biene Maja soll die lieben Kleinen fortan begeistern. Und jetzt kommt's: Sie ist zu dünn geraten!

Flog einst die japanisch-deutsche Zeichentricksumsi als gutgenährtes Pummelchen durchs Fernsehen, schwirrt jetzt eine deutsch-französische flotte Biene von Abenteuer zu Abenteuer. Freund Willi wirkt überhaupt nur noch wie ein Punkt in der Landschaft. Das Diktat der Schönheitsindustrie habe zugeschlagen und aus der molligen Gemütsbrumme ein industriegefertigtes Kloninsekt gemacht, wettern die Gegner.

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foto: zdf/studio 100 animation

Das ist, mit Verlaub, lächerlich. Die Biene Maja hatte nämlich nicht nur einen nervigen Titelsong, sondern einen daueraufgeregten Charakter, den nur phlegmatische Drohnen wie der faule Willi auf Dauer ertragen konnten. Und wer gar Magersucht ins Spiel bringt: Was ist mit der stetig wachsenden Gemeinde der wohlstandsbauchigen Kinderschar? Dann müsste die dicke Maja erst recht das falsche Vorbild sein.

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Die Produzenten begründen die Verdünnung technisch: In 3-D hätte die süße Sumse gewirkt wie eine Hummel. Das eröffnet Möglichkeiten: Das stämmige Heidi läuft dem Almöhi gertenschlank zu. Die fette Hausgans Martin fliegt mit Nils Holgersson den hochmütigen Wildgänsen auf und davon. Niklaas, der Junge aus Flandern, zeigt dem treuen Hund Patrasch regelmäßig seine Sixpacks.

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Wickies brave Mutter Ylva führt Halvar vor, was ein "role model" ist.

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Obelix beweist, dass man nicht unter Fettstoffwechselstörungen leiden muss, um Hinkelsteine zu werfen. Die Fernsehindustrie - sie summt! (Doris Priesching, DER STANDARD, 30./31.3./1.4.2013)

 

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