Mogelpackung Aktienrekorde

29. März 2013, 16:39
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Wenn Aktienindizes zu neuen Höchstständen eilen, sollten Anleger nicht auf die Geldwertillusion hereinfallen. Von Rekorden, die keine sind.

Es ist soweit. Der breit gefasst US-Leitindex S&P 500 hat ein neues Allzeithoch erreicht. Ein Barometer für den Zustand von "Corporate America" hat die Finanzkrise hinter sich gelassen.

Doch kann man wirklich von einem Rekord sprechen? Mit 1569,19 Punkten hat der Aktienindex ein Allzeithoch erreicht. Doch das ist eben nur der Preisindex. Der Total Return Index (S&P 500 TR) gibt die gesamten Gewinne an, die Anleger mit den Unternehmen im Aktienindex erwirtschaften konnte. Er inkludiert auch die Dividenden re-investiert haben, also die Gewinnbeteiligungen der Aktien. Wenn man diese in die Rechnung mit einbezieht, dann war sogar ein kleines Plus auf Sicht von fünf Jahren drin (+13,2 Prozent).

Die erste Lektion ist also: Preisindizes unterschätzen die Rendite, die Anleger mit Aktien erzielen. Relevanter sind Gesamtertrags-Indizes.

Doch die zweite Lektion ist eine ganz andere: denn wer wirklich die starken Nerven besaß, die Aktien des S&P 500 vom 9.10.2007 bis heute zu halten, ohne zu verkaufen, hat zwar mit seinem Investment 13,2 Prozent verdient. Doch im selben Zeitraum haben sich die Preise in der Volkwirtschaft verteuert und daher die Kaufkraft des Anlegers geschmälert. Im Falle der USA ist der Konsumentenpreisindex seit 2007 um knapp 13,7 Prozent gestiegen. Daher bleibt den Aktieninvestoren ein realer Verlust von 0,5 Prozent - auch nach den Dividenden.

Diese "Geldwertillusion" - viele Konsumenten nehmen die Inflation nicht wahr - nimmt besonders dann gravierende Ausmaße an, wenn man lange Zeiträume analysiert. Seit 2000 haben sich in den USA die Konsumentenpreise um 36 Prozent erhöht, seit 1995 waren es bereits mehr als 50 Prozent, seit 1990 sind es 75 Prozent (siehe Preisindizes). Diese Teuerungsraten fressen sich in die Erträge, die Investoren mit Aktien, Anleihen, Gold oder Immobilien erwirtschaften können.

"Es gibt eine Menge an Fehlinformationen da draußen", schreibt etwa Mebane Faber, ein Blogger und professioneller Investor. Für ihn sind die realen Erträge eines Index, der die gesamte Rendite (Kursgewinne plus Dividenden) berücksichtigt, die einzig wesentlichen: "Those are the returns you can eat".

Ganz richtig ist auch das freilich nicht: denn erst nach Abzug von Inflation UND Steuern UND Gebühren bleibt das übrig, was wirklich bei Investoren ankommt. Schließlich werden Dividenden und auch Kursgewinne vom Fiskus erfasst. Und gratis können die Anleger ihre Aktien ja ebenso nicht halten, weil sie Handels- und Depotkosten zu zahlen haben. Investieren sie über Fonds, kommen noch Ausgabeaufschläge dazu. Weil aber die Erträge aus Aktien, abzüglich Inflation, Steuern und Gebühren, auf Sicht der letzten 10 Jahre denkbar mager waren, halten Investmentbanken und ihre Analysten damit lieber hinterm Berg. Schließlich will man Anleger mit Aktienrekorden und Traumrenditen locken, selbst wenn sie davon real nichts haben.


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