"Wenn doch bloß Weihnachten wäre"

29. März 2013, 17:11
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Den Standlern auf den Ostermärkten ist nicht nach Feiern zumute. Widrige Witterung dämpft die Geschäfte

Wien – Eine Mischung aus Heiterkeit und Trübsinn zeichnet Karl Trabes Gesicht, als er aus seinem Verkaufsstand Richtung Himmel sieht. Die Sonne scheint – "endlich". Die Minustemperaturen und Schneefälle der vergangenen Tage waren das i-Tüpfelchen auf einem ungemütlich kalten März. "Das Wetter ist heuer nicht der Freund der Aussteller. Wenn doch bloß Weihnachten wäre, dafür wäre es ideal." Seit 2006 verkauft Trabe selbstgefertigte Holzdesign-Stücke – "jedes einzelne ist ein Unikat" – am Ostermarkt am Hof in Wiens Innenstadt. Während des restlichen Jahres tingelt er mit seinen Schalen und Vasen durch Österreich und Deutschland von Kunstmarkt zu Kunstmarkt.

Vergleichbare Probleme

Einige Meter weiter unterscheiden sich zwar die Waren, die Probleme sind die gleichen: "Wer geht schon Ende März bei minus fünf Grad auf einen Markt. Die Menschen haben jetzt einfach keine Lust mehr auf Winter und Schnee." Sieglinde Janoschke verkauft Holzschnitte aus Furnierplatten, vom Wiener Karlsplatz und der Pariser Skyline bis zum Donauufer. Sie spüre am Kaufverhalten der Besucher, dass sich der Monat dem Ende zuneige. "Die günstigsten meiner Ausstellungsstücke kosten zwölf Euro, das ist für viele Leute am Monatsende einfach zu viel Geld."

Eine kleine Menschentraube steht vor dem Stand von Edith Karpf. "Schau mal Papa, wieso hat die Bierflasche Uhrzeiger?", schreit ein kleines Mädchen mit weit aufgerissenen Augen. "Die Bierflaschenuhren und die Ostereier aus Glas laufen am besten", sagt die Ausstellerin. Bei der Herstellung der Uhren werden Bierflaschen bei 830 Grad eingeschmolzen und anschließend etikettiert und mit einem Uhrwerk versehen. Die Idee ließ man sich aus Sorge vor Nachahmern patentieren. Wer es dennoch versuchen will, den warnt ein auf dem Stand fixiertes Schriftstück. Allerdings schlagen die widrigen Wetterbedingungen auch auf ihre Verkäufe durch. "Es ist dieses Jahr kein guter Markt für die Aussteller."

Nester reich gefüllt

Trotz des schleppenden Geschäfts auf den Ostermärkten müssen sich Wiener Kinder keine Sorgen um leere Nester machen. Die Bewohner der Bundeshauptstadt werden exakt 53,3 Millionen Euro (pro Kopf: 57 Euro) für Ostergeschenke ausgeben – etwa vier Prozent mehr als im vergangenen Jahr, das versprechen zumindest die alljährlichen Umfragen im Auftrag der Wirtschaftskammer.

An den Klassikern wie Schokolade, Eier und Spielsachen hat sich wenig überraschend nichts geändert. Imposant ist die Zahl der verzehrten Eier: Zu Ostern essen die Österreicher im Schnitt acht Eier – in Summe also etwa 50 Millionen Stück.

Immerhin jeder Siebente packt rund um Ostern die Koffer und verabschiedet sich in den Urlaub:  Mehr als die Hälfte unter ihnen  bleibt dabei in Österreich. (Josef Saller, DER STANDARD; 30.3.2013)

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    Optimismus versprühen nur die Marktforscher.

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