Abzug der Tyrolean-Verwaltung schlägt Wellen

29. März 2013, 18:10
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Bordbetriebsratschef Minhard: Mitarbeiter und Politik mit wertloser Standortgarantie getäuscht

Wien/Schwechat/Innsbruck - Die Absiedlung der Tyrolean-Verwaltung von Innsbruck nach Wien-Schwechat schlägt Wellen. AUA/Tyrolean-Bordbetriebsratschef Karl Minhard griff am Freitag die AUA-Führung, namentlich Konzernchef Jaan Albrecht, massiv an. Mitarbeiter und Politik seien mit einer wertlosen Standortgarantie getäuscht worden.

"Jetzt bricht das Lügengebäude zusammen, mit dem Albrecht die Öffentlichkeit zu blenden versuche, findet der Bord-Betriebsratsvorsitzende: "Nicht Tyrolean hat die AUA gerettet, sondern das Ausräumen der Mitarbeiterpensionen". Es sei auch kein Betriebsübergang der großen AUA in die kleine Tyrolean, "dies war nur der Vorwand, um an das Geld der Mitarbeiter heranzukommen", meint der Betriebsrat.

Dass Doppelgleisigkeiten beseitigt werden müssten, um konkurrenzfähig zu sein, sei den Mitarbeitern schon seit Jahren bewusst, räumt Minhard ein. Wie Albrecht dabei aber vorgehe, sei inakzeptabel.

Handschlagqualität gefordert

Als die AUA am Mittwoch das Aus für den Innsbrucker Verwaltungsstandort der Tyrolean mit mehr als 100 betroffenen Mitabeitern verkündete, hatte sich auch Tirols Landeshauptmann Günther Platter kritisch geäußert und den AUA-Chef aufgefordert, Handschlagqualität zu wahren.

In Innsbruck herrscht pure Empörung. Reinhold Falch, Direktor des Flughafens Innsbruck, spricht von einem "herben Verlust" und einem Imageschaden für den Flughafen. Für Ex-Tyrolean-Chef Fritz Feitl ist der Abzug der Tyrolean-Jobs nach Wien zur "bisher weniger erfolgreichen" AUA ein strategisch falscher Schritt. "Das hat Tyrolean nicht verdient", wie er in der "Tiroler Tageszeitung" sagte.

Feitl bezweifelt, dass es dabei die von der AUA erhofften Einsparungen gibt. Der Großteil der Synergien sei schon gehoben worden. Feitl glaubt, dass sich hier der Wiener AUA-Betriebsrat durchgesetzt hat. Dieser hatte in der Vergangenheit wiederholt gegen Tirol als angeblich "geschützte Werkstätte," gegen "Pfründe und teure Doppelgleisigkeiten" und "Paralleluniversen" gewettert. Die Technik-Jobs in Innsbruck hält Feitl derzeit für sicher. Eine Absiedlung nach Wien sei schon wiederholt geprüft worden, Innsbruck sei aber günstiger.

Die AUA hat am Freitag eine erneuerte internationale Kooperation bekannt gegeben. Sie wird mit 1. April offiziell dem Joint Venture der Lufthansa mit der japanischen All Nippon Airways (ANA) beitreten. "Der Beitritt zu dem Joint Venture ist daher ein weiterer wichtiger Baustein auf dem Weg zu einer gesunden Austrian Airlines", so AUA-Chef Albrecht am Freitag in einer Presseaussendung. Auch die Schweizer Lufthansa-Tochter Swiss tritt dem Abkommen mit 1. April bei. 

AUA meldet Mitarbeiter um

Ein dreiviertel Jahr nach dem umstrittenen Übertrag des Austrian-Flugbetriebs auf die Tochter Tyrolean sind indes die davon betroffenen AUA-Bordbeschäftigten nun in Tirol beitragspflichtig geworden. "Letzte Woche sind 3.000 Flugbegleiter und Piloten von Wien-Schwechat nach Innsbruck umgemeldet worden", sagte AUA-Sprecher Peter Thier.

Der nunmehrige Vollzug der Ummeldung betraf nicht nur neue Mitarbeiter, sondern auch alle anderen bereits vom Betriebsübergang betroffenen Austrian-Crewmitglieder. Das sei auf Druck der Gebietskrankenkasse erfolgt und ein Nebeneffekt des Betriebsübergangs, sagte der Sprecher. Er sieht damit untermauert, "dass nun auch die Bürokratie des Landes den Betriebsübergang vollzogen hat."

Der Betriebsübergang fülle somit auch die Kassen der Tiroler Gebietskrankenkasse, meint man in Wien-Schwechat. Das Unternehmen wünsche im übrigen nicht, die Mitarbeiter der Airline im Tiroler Wahlkampf zu missbrauchen.

Arbeitnehmervertreter in Tirol hatten zuvor beklagt, dass mit dem am Mittwoch verfügten Aus für den Verwaltungsstandort Innsbruck der Tyrolean viele Millionen Sozialbeiträge für Tirol verloren gingen. Die AUA verlagert die Tyrolean-Verwaltung binnen Jahresfrist zum bisherigen Tyrolean-Verwaltungsbüro in Wien-Schwechat, wo die AUA-Konzernzentrale sitzt. Davon sind 109 von rund 400 Mitarbeitern der Tyrolean betroffen.

Dem Bord-Betriebsratsvorsitzenden von AUA/Tyolean, Karl Minhard, riet der AUA-Sprecher, "endlich die Finger aus der Wunde der Kollegen bei Tyrolean zu nehmen". Minhard argumentiere gegen einen Betriebsübergang, der in den Augen des AUA-Sprechers "mit der Verlegung des Verwaltungsstandorts nichts zu tun hat". Der Betriebsübergang sei rechtens, betont die AUA. Die Arbeitnehmer sehen das anders und kämpfen wie berichtet bei Gericht dagegen an. (APA, 29.3.2013)

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