AWD-Berater haftet persönlich für Schaden

29. März 2013, 16:07
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Berater habe besonderes Vertrauensverhältnis zu Kundin ausgenützt

Wien/Graz - Ein bemerkenswertes Urteil hat die Wiener Rechtsanwältin Astrid Wagner gegen einen Berater des Finanzdienstleisters AWD erwirkt. Das Bezirksgericht (BG) Döbling hat vor kurzem entschieden (Geschäftszahl 11 C 979/11p-43), dass der Berater einer Kundin, zu der er ein besonderes Vertrauensverhältnis hatte, im vollen Umfang persönlich für den Schaden haftet, der ihr aus dem Ankauf von Immobilienaktien erwuchs, deren Erwerb ihr der zu diesem Zeitpunkt mit ihrer Schwester liierte AWD-Berater nachdrücklich ans Herz gelegt hatte.

Die aus der oststeirischen Thermen-Region stammende Klägerin - eine ausgebildete Fußpflegerin und Kosmetikern - hatte sich 2007 von dem Mann zum Verkauf eines ererbten Einfamilienhauses überreden lassen. Sie überließ den Ertrag und darüber hinaus ihre gesamten Ersparnisse dem damaligen Partner ihrer Schwester, der ihr zusicherte, er werde die insgesamt 329.300 Euro "so sicher wie auf einem Sparbuch" veranlagen.

Nicht über Risiken aufgeklärt

Der AWD-Berater erstand damit allerdings ausschließlich Aktien der Immofinanz, der Immoeast, der Constantia Vorsorge und der Constantia European Property, wobei er laut Urteil die Frau, die keine Ahnung vom Wertpapier-Geschäft hatte, nicht über die Risiken dieser Titel aufklärte. Vielmehr habe er seine Vertrauensstellung ausgenützt und die Steirerin "arglistig in die Irre geführt", stellt Richterin Brigitte Haas in ihrem Urteil wörtlich fest.

Als der Kurs der Constantia-Aktien im Herbst 2008 ins Bodenlose abstürzte, trennte sich die Frau im Dezember 2010 von diesen um 82.200 Euro erworbenen Anteilen. Sie bekam dafür nur mehr 38.203 Euro. Den Differenzbetrag klagte ihre Anwältin Astrid Wagner in weiterer Folge direkt beim Berater ein, nachdem AWD einen Teil des aus dem gesamten Investments entstandenen Schadens der Anlegerin im Vergleichsweg bezahlt hatte.

"Listige Irreführung"

Wie das BG Döbling im nun vorliegenden, nicht rechtskräftigen Urteil klarstellt, sei die "behauptete listige Irreführung" durch den AWD-Berater "unter Beweis gestellt". Grundsätzlich wurde er daher zum vollen Ersatz des geltend gemachten Schadens verpflichtet. Da der Mann aber selbst in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten steckt - er hatte Ende 2009 den Konkurs und im Jänner 2010 den Zwangsausgleich angemeldet - bekam die Steirerin nur die im Ausgleichsverfahren festgelegte Quote von 20 Prozent und somit knapp 8.800 Euro zugesprochen.

Dass trotz des Zwangsausgleichs der Gewerbeschein aufrecht bleibt, irritiert Rechtsanwältin Wagner. "Der AWD-Berater ist weiterhin in führender Position bei AWD tätig", erklärte sie am Freitag. Gerade das Ausnützen privater Bindungen sei "bei AWD-Beratungen geradezu typisch", hielt die Anwältin grundsätzlich fest: "Die AWD-Berater werden angewiesen, im Familien- und Freundeskreis Kunden zu lukrieren. Auf diese Weise macht sich AWD das besondere Vertrauensverhältnis, das im Familien- und Freundeskreis besteht, zunutze."

Sammelklage anhängig

Gegen den AWD - eine Tochter des Schweizer Versicherungskonzerns Swiss Life - ist eine Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) anhängig. Der AWD hatte vor allem Immofinanz- und Immoeast-Papiere in großem Stil an kleine Sparer verkauft, wobei der VKI dem Finanzdienstleister vorwirft, die Anleger generell nicht über die Risiken aufgeklärt zu haben. Ein systematisches Unterlassen wird vom AWD entschieden in Abrede gestellt. Allenfalls in Einzelfällen sei der Aufklärungspflicht von einigen Beratern nicht nachgekommen worden. (APA, 29.3.2013)

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