Denken hilft: Philosophie in der Führung

29. März 2013, 17:03
31 Postings

Philosophie kann nicht unmittelbar praktisch werden, sagen Philosophen. Und dennoch nähern sie sich immer öfter der Wirtschaft an - praktisch beratend

Der Trend, dass die Philosophie als Disziplin immer weiter in die Nähe der Wirtschaft und der Wirtschaftstreibenden rückt, ist schon seit längerer Zeit zu beobachten. Und eigentlich überrascht er nicht. Vielmehr stellt er sich als Zeichen einer übergreifenden Ratlosigkeit gegenüber den vielen Dynamiken eines mechanistisch-orientierten Großen und Ganzen dar.

Vieles, was von modernen Managern auch an Bildungshintergründen abverlangt wird, ist fachlicher Natur, Expertenwissen. Es verwundert also nicht, wenn Manager sich fragen, was passiert, wenn gängige Modelle und Führungsinstrumente an ihre Grenzen stoßen. Ruth Seliger, geschäftsführende Gesellschafterin des systemischen Beratungshauses trainconsulting, hat es so formuliert: "Was bleibt, wenn Taylor wegbricht?" Kurz: Wenn lang geübte Managementmethoden nicht mehr wirken.

Gemeinsam mit Bernhard Pesendorfer (Angewandte Philosophie GmbH) wird sie ab Oktober vier philosophische Privatissimi für Führungskräfte abhalten.

Umbruch

Seliger und Pesendorfer verbindet nicht nur eine lange (Denk- und Philosophier-)Freundschaft, sondern auch ein gemeinsames Interesse an möglichen Antworten auf die Frage nach Anforderungen für Führungskräfte von heute. Seliger: "Vielen wird gerade der Boden unter den Füßen weggezogen. Es verändert sich sehr viel, nicht nur in der äußeren Welt. Auch gängige Modelle funktionieren nicht mehr, und es wird sehr viel experimentiert. Was aber wirklich fehlt, ist eine Basis, auf der diese Menschen stehen können. Und ich denke, dass hier die Philosophie zwar keine Rezepte bietet, aber als Methode des Denkens eine Art der Weltsicht ist, die diese Menschen unterstützen kann, für sich selbst Prinzipien zu erarbeiten, die dann eine Basis bieten können, wenn alles andere zu wackeln beginnt." "Die Philosophie", ergänzt Pesendorfer, "ist ein seltsames Gebilde, von der man in aller Bescheidenheit sagen kann, dass sie 300 v. Chr. einen Höhepunkt erreicht hat - in allen anderen Wissenschaften sagen wir, wir hätten Fortschritte gemacht. Aber wenn wir nutzen, was uns damals zur Verfügung gestellt wurde, werden wir die Zeit immer besser begreifen. Und unser Dasein als Menschen - in dieser Vielgliedrigkeit, die den Menschen heute abverlangt wird."

"Gefängnis des eigenen Denkens"

Vier Themen sollen den inhaltlichen Rahmen - sofern von den Teilnehmern nichts anderes vorgeschlagen wird - für das philosophische Privatissimum formen: "Macht und Autorität", "Konflikte und Paradoxien des Führens", "Organisation und Gesellschaft" und "Zeit und Raum in einer globalisierten Welt". Die Inhalte werden im Dialog erarbeitet, eine "Mischung aus Fragen, Irritationen und Informationen" wird es sein, sagt Seliger, die die Teilnehmer aus dem "Gefängnis des eigenen Denkens" herausholen sollen. Seliger: "Die Welt ist groß und komplex - für alle. Gleichzeitig aber ist das Denken so eng geworden." Vielleicht sogar besonders bei Führungskräften, weil diese durch ihre Zielorientiertheit, also das Denken und Entscheiden von A nach B und unter dem Druck, unter dem sie stehen, einfach vieles links und rechts davon liegenlassen.

Es gehe darum, neue Sichtweisen zu erarbeiten und durch größere Zusammenhänge auch mehr Wahlfreiheit zu schaffen. Es geht um die Freude am Denken. Seliger: "Menschen in hohen Positionen machen einen sehr anspruchsvollen Job. Da genügen linear-technische Erklärungsmodelle einfach nicht. Hier kann die Philosophie ein Hilfsinstrument sein. Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, wie man ohne Philosophie durch diese Fragen kommt." (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 30./31.3./1.4.2013)

Praktische Philosophie für Führungskräfte. Ein Privatissimum für Weitblick und Einblick.

Links

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Antworten?

Share if you care.