Klagswelle gegen Lyoness rollt an

29. März 2013, 15:11
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Die Einkaufsgemeinschaft Lyoness aus Graz beschäftigt weiter die Justiz, Konsumenten wollen Geld zurück

Wien/Graz - Die weltweit aktive Einkaufsgemeinschaft Lyoness aus Graz beschäftigt weiter die Justiz. Seit rund einem Jahr ermittelt die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwalt wegen Verdachts auf Pyramidenspiel. Daneben wollen immer mehr Konsumenten ihr Geld zurück. Einige von ihnen ziehen deswegen vor Gericht. Ein Wiener Anwalt, der 220 Lyoness-Investoren vertritt, bringt heute zehn Klagen ein, weitere sollen folgen.

"Wie das System Lyoness funktioniert, ist für mich und meine Mandanten nicht nachvollziehbar", so Anwalt Eric Breiteneder am Freitag. Und wenn Konsumenten in ein derartiges System einzahlten, hätten sie das Recht, ihr Geld zurückzufordern.

Außergerichtliche Einigung

Genau das tun nun zahlreiche Lyoness-Investoren. In 20 Fällen hat man sich außergerichtlich geeinigt, rund 48.000 Euro hat Lyoness laut Breiteneder ausgezahlt. Mandanten, die in Werbekampagnen von Lyoness investiert hatten, hätten 100 Prozent ihrer Einzahlungen zurückbekommen und jene, die Geld in sogenannte Businesspakete gesteckt hatten, 75 Prozent.

Zuvor hatte Breitender bereits drei Verfahren gegen Lyoness rechtskräftig gewonnen. "In allen Fällen musste als Vorfrage geklärt werden, ob es sich um Verbraucher handelte", was die Gerichte bejaht hätten, so der Rechtsvertreter. Eine Richterin habe explizit festgestellt, dass eine Empfehlung - also das Anwerben von Mitgliedern - niemals eine unternehmerische Tätigkeit sei.

Bei Lyoness versichert man, dass alle Mitglieder, die sich an das Unternehmen wenden, ihr Investment auf dem Kulanzwege zurückbekämen. Anwalt Breiteneder meint hingegen, dass das nur bis Dezember 2012 der Fall gewesen sei. Darum hat er seit damals sieben weitere Klagen eingebracht, heute kommen zehn hinzu und weitere werden folgen. Der Advokat rechnet in den kommenden Wochen mit mehr Anfragen bezüglich Lyoness.

Einzahlungen in Businesspakete

Im Grunde gehe es bei den Klagen um Einzahlungen in Lyoness-Businesspakete sowie in Verrechnungssysteme - "in die amerikanische und in die türkische Matrix und wie sie alle heißen". Breiteneders Mandanten haben zum Beispiel bei Lyoness Gutscheine bestellt und dafür eine Anzahlung geleistet. Lyoness-Sprecher Mathias Vorbach sagte am Freitag, dass er von den neuen Klagen keine Kenntnis habe und er daher keine Stellungnahme abgeben könne.

In der Vergangenheit hatte Lyoness stets betont, eine "klar nachvollziehbare" Einkaufsgemeinschaft zu betreiben. Das System funktioniert demnach folgendermaßen: "Lyoness handelt mit den Partnerunternehmen Rabatte aus, die an die Mitglieder der Einkaufsgemeinschaften weitergegeben werden." Quasi eine "Win-Win-Situation für alle Beteiligten", wie auf der Homepage erklärt wird. Mitglieder bekämen bei jedem Einkauf Geld zurück, Partnerhändler könnten ihre Kunden enger an sich binden. In Österreich arbeitet Lyoness zum Beispiel mit Lidl, Zielpunkt, Libro oder C&A zusammen. Das 2003 vom Grazer Hubert Freidl gegründete System ist laut Eigenangaben in zig Ländern weltweit aktiv und zählt 2,7 Millionen Mitglieder.

Auf juristischer Seite beschäftigt Lyoness nicht nur die Zivilgerichte. Seit Frühjahr 2012 ermittelt die WKStA in der Causa, es geht um den Verdacht des Pyramidenspiels, wie WKStA-Sprecher Erich Mayer bestätigte. Die Ermittlungen richten sich gegen drei Personen, unter anderem gegen Gründer Freidl. Wie lange die Untersuchungen noch andauern werden, sei noch nicht absehbar, so Mayer. (APA, 29.3.2013)

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    "Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten" sehen eben nicht alle Beteiligten.

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