Überregulierung drängt Italien in Marginalrolle

29. März 2013, 17:43
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Mailand gilt als Zentrum der Moderne, während Genua bei Antiquitäten und Alten Meistern an Bedeutung gewann

"Ein Hauch von Zuversicht", resümierte Massimo Di Carlo, Präsident des Verbandes italienischer Galerien, die jüngste Auktionsbilanz Alter Meister in Genua. Das Auktionshaus Wannenes hatte für die "Kollektion Daniele" und antike Zeichnungen (6. 3.) zuletzt 1,2 Millionen Euro kassiert, und das war mehr als erwartet, wie Sprecher Luca Viola bestätigte. Zum Favoriten erkor das Publikum Giovanni Bellinis Madonna Cook, ein Bildnis, das seinen Schätzwert (30.000) bei 93.000 Euro schließlich mehr als verdreifachte.

"Gegenüber internationalen Gepflogenheiten scheint der Preis für den Bellini sehr niedrig. Ein neuer Trend, in Italien billig zu ersteigern und etwa in Deutschland neuerlich zu verkaufen, wird wieder aktuell", kommentierte ein Mailänder Kunsthändler, der nicht genannt werden will.

Bei Antiquitäten und Alten Meistern scheint Genua jedenfalls an Bedeutung gewonnen zu haben. Wie das Schweizer Auktionshaus Koller (Zürich) diese Woche bekanntgab, bezog man Anfang dieses Jahres in der Hafenstadt Liguriens eine Repräsentanz.

Welche Rolle Italien aus globaler Sicht (noch) spielt, darauf verweisen die in der aktuellen Studie der European Fine Art Foundation (Tefaf) veröffentlichten Zahlen.

Italien vor Österreich

Italiens Anteil auf dem Weltmarkt schrumpfte demnach auf ein Prozent, innerhalb der EU liegt dieser bei drei Prozent. Mit etwa 450 Millionen Euro wird der mit Kunst erwirtschaftete Umsatz beziffert. Dazu soll die Auktionsbranche 2012 etwa 209 Millionen beigetragen haben, wobei man über den Anteil am Segment bildender Kunst im weltweiten Vergleich mit fünf Prozent vor Nationen wie Japan, der Schweiz (je drei Prozent) oder Österreich (zwei Prozent) liegt.

An den Sparten gemessen, verzeichnete man gegenüber 2011 bei Post-War und Contemporary einen Zuwachs auf 1,1 Prozent (ca. 49 Mio. Euro) und bei Alten Meistern auf 0,9 Prozent (10 Mio. Euro), während das Segment der Moderne mit 0,7 Prozent (22,3 Mio.) hinter der Bilanz des Vorjahres (1,3 Prozent) blieb. Hier spiegelt sich der Rückzug der internationalen Häuser, die ihre Auktionen auf eine (Christie's) bzw. zwei (Sotheby's) jährlich reduzierten.

Daten zu Ein- und Ausfuhr lieferten die Vereinten Nationen zum Berichtsjahr 2011, wonach Kunst im Wertumfang von 105,8 Millionen Euro (+6 % gegenüber 2010) importiert und zum Gegenwert von 206,8 Millionen (-4 %) exportiert wurde. Damit schrumpfte der Anteil am weltweiten Export auf zwei Prozent, womit die Überregulierung des heimischen Markts für die Marginalrolle Italiens im globalen Geschäft mitverantwortlich zeichnet. (tkb/kron, Album, DER STANDARD, 30./31.3., 1.4.2013)

  • Giovanni Bellinis "Madonna Cook" gefiel mit 93.000 Euro deutlich höher als erwartet.
    foto: wannenes

    Giovanni Bellinis "Madonna Cook" gefiel mit 93.000 Euro deutlich höher als erwartet.

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