Belgien will Schutz für Pralinen

29. März 2013, 12:08
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Nicht überall, wo "Belgische Schokolade" draufsteht, ist auch Schokolade aus Belgien drin - Hersteller fordern Schutz für ihre Pralinen

Champagner kommt aus der Champagne, Parma-Schinken aus Parma und belgische Pralinen aus Belgien. Weit gefehlt. Nicht überall, wo "Belgische Schokolade" drauf steht, ist auch Schokolade aus Belgien drin. Nach dem Willen der Hersteller soll sich das aber ändern.

Sie fordern für ihre Süßigkeit den gleichen Schutz wie ihn andere Produkte bereits genießen und wollen hart gegen Nachahmer vorgehen können. Selbst Naschwerke mit den Bezeichnungen "Belgisches Rezept" oder "Belgische Art" belasteten den Absatz und schädigten mit ihrer minderen Qualität den Ruf der belgischen Chocolatiers, kritisiert der Verband der belgischen Anbieter Choprabisco.

Stolz auf Pralinen-Kunst

Die Belgier sind stolz auf ihre Pralinen-Kunst. Jean Neuhaus gilt als Erfinder des mundgerechten mit Creme gefüllten Schokoladenkonfekts. 1912 soll er die erste Praline hergestellt haben. Heute gehört die Firma Neuhaus zu den größten Anbietern des Landes. Insgesamt verdienen mehr als 200 Unternehmen mit dem süßen Genussartikel ihr Geld, es gibt mehr als 2.000 Geschäfte in dem Euro-Land sowie zahlreiche Museen und Führungen für Touristen.

Jährlich werden in Belgien fast 4 Mrd. Euro mit Schokolade umgesetzt. Nach Meinung von Neuhaus-Chef Jos Linkens profitieren die Belgier von ihrer jahrelangen Erfahrung mit der Herstellung der Schokoladentafeln und Pralinen. Sie seien Meister der Creme-Füllung für diese Kunstwerke, die meist in mühevoller Handarbeit hergestellt werden, versichert Linkens.

Obwohl die belgischen Schokoladenhersteller kräftig die Werbetrommel für den Schutz ihrer Produkte rühren, hinken sie anderen meilenweit hinterher. Die Schweizer Milchschokolade-Branche ist mehr als einen Schritt weiter und hat die Begriffe "Schweiz" und "Schweizer" bei der Europäischen Union, den USA und Kanada schützen lassen. Ein Mitglied des Verbandes Chocosuisse ist nur damit beschäftigt, gegen Verstöße vorzugehen. Er verfügt über ein Budget von mehr als 80.000 Franken - allein für Anwaltskosten.

Neue EU-Regelung

Entsprechende Schlagkraft fehlt den Belgiern vollkommen. Wohl auch deswegen hat der für seine Pralinen in Muschel- und Seepferdchen-Form bekannte Hersteller Guylian so große Probleme, gegen einen chinesischen Nachahmer seiner Produkte vorzugehen. "Wir wollen, dass man über Belgien bei Schokolade genauso denkt wie über die Champagner-Region bei Schaumwein", sagt Guylians Exportmanager Steven Candries.

Eine neue EU-Regelung dürfte den Belgiern dabei helfen. Demnach fällt nun auch Schokolade in die Rubrik schützenswerte Produkte. Lange war dies nicht der Fall, da die für die Schokoladenherstellung nötigen Kakaobohnen nicht aus Belgien kommen. "Jetzt gibt es wenigstens theoretisch eine Chance, das Schutzrecht durchzubringen", sagt Gallet. Auch Neuhaus-Chef Linkens ist zuversichtlich. Bis Belgiens Schokoladenhersteller sich durchsetzen, dürfte aber noch etwas Zeit vergehen.

So oder so dürfte eine Debatte darüber entbrennen, was belgische Schokolade ist. Gallet will beispielsweise Produkte des Schweizer Konzerns Barry Callebaut vom Schutz ausschließen, obwohl ein Teil der Schokolade in Belgien hergestellt wurde. Bereits 2008 haben sich einige belgische Hersteller zusammengeschlossen und vereinbart, dass ihre Produkte mit dem Label "Belgische Schokolade" ausschließlich in Belgien verfeinert und geformt werden dürfen. Linkens steht hinter dieser Kampagne: "Warum muss der Camembert aus der Normandie kommen, der Champagner aus der Champagne? Bei Lebensmitteln hat die Herkunft durchaus Bedeutung. Es geht um Ehrlichkeit." (APA/Reuters/red, derStandard.at, 29.3.2013)

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    Maître Chocolatier Olivier Demol, schreibt in einem Laden des belgischen Pralinen-Herstellers Neuhaus in Brüssel Schokolade-Zahlen auf Pralinen. Vor 100 Jahren füllte Jean Neuhaus zum ersten Mal eine Schokohülle mit Creme - die Geburtsstunde der belgischen Praline.

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