Ukraine kämpft um billiges russisches Gas

29. März 2013, 13:16
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Die Außenminister beider Länder verhandeln am Freitag. Die Ukraine ist darauf bedacht, nicht wieder den Kürzeren zu ziehen

Ernst wird es für den ukrainischen Außenminister Leonid Koschara am Karfreitag. In Moskau steht er seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow gegenüber, um um den Gaspreis und Mindestmengen zu feilschen. Während die ukrainische Seite den relativ hohen Gaspreis drücken will, liebäugelt der Kreml mit Zollfreiheit für viele seiner Produkte.

Listige Russen

Die "Gasstreit" genannte Konfrontation geht damit in die Verlängerung. Nachdem sich die Preisstreitigkeiten einige Jahre hinzogen, wurde 2010 die Charkower Vereinbarung unterschrieben. Die ukrainische Regierung unter Präsident Wiktor Janukowitsch hat dabei gegen Russland den Kürzeren gezogen.

So sollte der der Ukraine vom Energieriesen Gazprom gewährte Gaspreis sinken, erhielt die russische Schwarzmeerflotte doch das Recht, den Hafen im ukrainischen Sewastopol bis zum Jahr 2042 zu nutzen. Gesenkt hat Moskau aber nicht den Preis, sondern nur die Ausfuhrzölle darauf.

Pokern im Kreml

Insgesamt hat man so eine paradoxe Situation erreicht. Denn obwohl Norwegen als Lieferant inzwischen mit Gazprom gleichauf liegt und durch die zunehmende Gas-Autarkie der USA - Stichwort Schiefergas - billiges Flüssiggas aus dem Nahen Osten nach Europa drängt, bestehen die Russen auf ihre relativ hohen Preise.

"Mit europäischer Logik ist das schwer zu verstehen", konstatiert der Ökonom Michael Gontschar vom Kiewer Nomos-Institut im Deutschlandradio. Die Russen würden davon ausgehen, dass Schiefergas-Euphorie und billiges Flüssiggas "vorübergehende Erscheinungen" seien. Gontschar fürchtet, dass sich Russland zudem als Gegenleistung den Eintritt der Ukraine in die Zollunion zusagen oder doch zumindest ein "Zugriffsrecht auf das ukrainische Leitungsnetz" sichern lassen möchte.

Preis ist heiß

Der Zugriff soll so ausschauen, dass ein russisch-ukrainisches Konsortium nach dem Schlüssel 50:50 den Gastransit steuert. Die russische Gazprom soll dabei auf der höchsten Führungsebene das Übergewicht erhalten, berichtete die Wiener Zeitung, die sich auf einen politischen Berater in Kiew bezieht. Teil des Geschäfts könne auch die Modernisierung des alten ukrainischen Pipelinenetzes sein.

Kommt es zu einem Deal, könnte der Gaspreis für die Ukraine drastisch sinken. Aus über 400 US-Dollar (312 Euro) sollen rund 280 (219 Euro) pro tausend Kubikmeter Gas werden, schreibt die Wiener Zeitung. Präsident Janukowitsch, für den 2015 Wahlen anstehen, könnte das als großen Erfolg feiern.

Spieß umdrehen

2012 hat die Ukraine 55 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht. Der schlechten Konjunktur wegen - das Land hat eine große Metallindustrie - waren das fünf Milliarden weniger als im Jahr zuvor. Nun versucht man den Spieß umzudrehen, und Druck auf die Russen zu machen. Ein Baustein dabei ist die Umkehr des Gasflusses. Erstmals seit Herbst strömt der Rohstoff in umgekehrter Richtung von Deutschland in die Ukraine, von West nach Ost.

"Das funktioniert, aber eher, um einen psychologischen Gegendruck aufzubauen", so der ukrainische Energieexperte Gontschar zum Radio. Damit dieses "Ihr-seid-nicht-unersetzbar"-Bild wirklich greift, müssten die Lieferungen aber deutlich höher ausfallen: "Nicht wie bisher nur 56 Millionen Kubikmeter, sondern einige Milliarden." (sos, derStandard.at, 29.3.2013)

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    Obwohl viele Länder billiger liefern, bestehen die Russen auf hohe Preise. Sie denken langfristig.

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