Mit Bohrgerät und Alufolie: Besserer WLAN-Empfang für Tablets

1. April 2013, 15:58
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Zwei Maßnahmen demonstriert anhand des Ainol Spark

Es kann ausgesprochen ärgerlich sein. Da erfreut man sich an einem neuen Tablet und möchte des Abends gemütlich eine Runde im Internet surfen, da stockt auf einmal der Browser. Eine gefühlte Ewigkeit später meldet das Programm einen Verbindungsabbruch, das Gerät ist nicht mehr im WLAN eingeloggt.

Im konkreten Fall, einem Ainol Novo9 Spark, erweisen sich 15 Meter Luftlinie und drei Wände als zuviel der Hürden für den etwas schwachbrüstigen WiFi-Empfänger. Etwas Recherche fördert die Ursachen zu Tage – und einen Weg, des Problems Herr zu werden. Auch bei anderen Tablets, die in Sachen Drahtlosnetzwerk schwächeln.

Basteln statt Ersetzen

Was dem nicht übermäßig leistungsfähigen Chip endgültig den Atem nimmt, ist im konkreten Fall die eigentlich als solider Schutz gedachte Aluminiumabdeckung der Rückseite und die kleine Antenne, mit welcher der Empfang realisiert wird. Freilich könnte man ein solches Gerät an den Hersteller zurückgehen lassen, auf Rückerstattung pochen oder wochenlang auf Austausch oder Reparatur warten.

Das ist aber nicht immer ganz so leicht – etwa bei Auslandskäufen, Geschenken oder Geräten, die schlicht nicht mehr im Garantiezeitraum liegen. Abseits von Softwareproblemen, die ebenfalls noch eine Rolle spielen können, sind die Ursachen für WiFi-Schwierigkeiten oft universell und lassen sich mit ein bisschen Mut zum Do-It-Yourself beheben.

Eine Frage der Bauweise

Was benötigt wird, hängt vom jeweiligen Gerät und seiner Bauweise ab. Viele Tablets sind, wie das Ainol Spark, zusammengesteckt und können mit einem Gehäuseöffner aus solidem Plastik relativ unkompliziert von ihrer Abdeckung befreit werden. Zwar gibt es auf eBay bereits komplette Handyreparatursets für drei Euro, die dort beigelegten Öffner bestehen jedoch aus ungeeignetem Kunststoff, der sich sehr leicht abreibt.

Kenner empfehlen hier ein Hilfsmittel aus der Produktion von Nokia, das unter der Modellnummer "SRT-6" firmiert und auch auf der Auktionsplattform erstanden werden kann.

Für andere Geräte sind zusätzlich auch noch verschiedene Schraubenzieher und eventuell andere Hilfsmittel notwendig, um ans Ziel zu gelangen. Als notorisch schwer auseinanderzunehmen gelten Produkte aus dem Hause Apple, dort gibt es aber kaum Klagen über schlechten WiFi-Empfang.

Schritt 1: Antenne erweitern

Die weiteren "Zutaten" der folgenden Operation: Reißfeste Alufolie (besser noch: Kupferfolie mit leitfähigem Kleber), Isolierband, normales Klebeband und ein handelsüblicher Akkubohrer.

Ist das Tablet einmal geöffnet, gilt es, die WiFi-Antenne zu finden. Diese ist in der Regel mit einem Kabel an den zugehörigen Chip angebunden. Kabel und Modul sind üblicherweise am Aufdruck "WiFi" oder "Wireless" erkennbar, die Antenne ist meist ein rechteckiges Gebilde aus Kupfer.

Der erste Schritt der Verbesserung besteht in der Vergrößerung der Antennenfläche. Im vorliegenden Fall wurde dazu ein Stück Aluminiumfolie in der Größe von 3,5 x 3 Zentimeter zugeschnitten. Mehr als verdreifachen sollte man die bestehende Antennenfläche auf diesem Wege nicht, bezüglich der nötigen Vergrößerung muss eventuell etwas experimentiert werden. Ein Rand der Folie muss Kontakt zur bestehenden Antenne herstellen, was sich durch simple Befestigung mit einem schmalen Streifen Tixo bewerkstelligen lässt.

Beim Ainol Spark findet sich nur auf dem Akku Platz, um die Antenne auszuweiten. Dessen Abdeckung ist aus Plastik und leitet daher nicht. Besteht hier Unsicherheit bezüglich des Untergrunds, sollte die Fläche, auf welcher die Antennenerweiterung aufliegt, sicherheitshalber mit Isolierband grundiert werden. Die jeweilige Folie wird anschließend möglichst faltenfrei ausgebreitet und kann am Rand mit Isolierband oder Klebestreifen fixiert werden.

Alternative: Antennentausch

Besonders gewiefte Bastler können auch die gesamte Antenne tauschen. Dann sollte jedoch statt Aluminium in jedem Fall Kupferfolie in entsprechend größerer Dimension zum Einsatz kommen. Außerdem ist dann der Griff zu einem Elektroniklötkolben unvermeidlich, da das Kabel wieder an der Antenne befestigt werden muss. Eine derart große Operation ist aber normal nicht notwendig.

Schritt 2: Zeit, zu bohren

Nun gilt es auszuprobieren, ob diese Maßnahme alleine schon genügt, um das WiFi-Empfangsproblem zu beheben. Beim Ainol Spark änderte sich der Zustand von "kein WLAN-Empfang" zu "WLAN wird gefunden", das erkannte Signal war jedoch schwach und die Verbindung langsam und unterbrechungsanfällig.

Also musste etwas gegen das Abdeckungsproblem getan werden. Hierzu wurde das Aluminiumcover noch einmal abgenommen und zuerst zwei Löcher mit einem Durchmesser von einem Millimeter gebohrt, die mittig über dem erweiterten Antennenareal platziert waren (man sollte nicht vergessen, von außen nach innen zu bohren und scharfkantige Ränder zu entfernen).

Zum Schutz vor Staub wurden diese auf der Innenseite mit Isolierband verklebt, da dieses auf dem Aluminium im Gegensatz zum Tixo besser haftet. Resultat: Wieder etwas besserer Empfang, aber noch nicht zufriedenstellend.

Als letzte Maßnahme wurden die zwei Löcher auf fünf ergänzt, um das gesamte Antennenareal abzudecken. Damit erwiesen sich die Schwierigkeiten tatsächlich als gelöst. Wo zuerst kein Empfang möglich war, war die Verwendung des WLANs nun bei mittlerer Empfangsstärke und guter Signalqualität unterbrechungsfrei möglich. Der erzielte Datendurchsatz reichte problemlos zum Surfen und Streamen von YouTube-Videos in HD-Qualität.

Wenig Zeitaufwand

Vereinzelte Nutzer haben laut Forenberichten gleich Fenster mit mehreren Zentimetern Durchmesser über der Antenne aufgeschnitten und mit Stickern überklebt. Derart radikale Maßnahmen sind aber, wie sich herausgestellt hat, gar nicht notwendig.

Der Arbeitsaufwand für die Operation betrug rund eine halbe Stunde. Wie schnell dies bei anderen Tablets bewerkstelligt werden kann, hängt stark von der Bauweise des jeweiligen Gerätes ab. Dementsprechend verlangt die Durchführung unterschiedlich viel Geschick vom Besitzer des jeweiligen Gerätes. (Georg Pichler, derStandard.at, 1.4.2013)


Disclaimer: Modifikationen an Gehäuse und Hardware sowie das Öffnen des Tablet-Gehäuses führen üblicherweise zum Verlust der Garantie. Dieser Artikel soll als Vorlage für Eigenmodifikationen dienen, der Autor übernimmt keine Haftung für etwaige Schäden, die im Rahmen eigener Modifikationsarbeiten entstehen.

Nachtrag, 01.04. 18:55: Es handelt sich, trotz des Veröffentlichungsdatums, ausdrücklich nicht um einen Aprilscherz, sondern um eine funktionierende Hardwaremodifikation.

  • Dort wo die Abdeckung anliegt, wird der Öffner mit etwas Nachdruck eingeführt. Mit vorsichtigem Drehen und Stemmen löst man das Aluminiumcover des Ainol Spark schließlich aus seinen Verankerungen und kann es dann einfach abheben.
    foto: derstandard.at/pichler

    Dort wo die Abdeckung anliegt, wird der Öffner mit etwas Nachdruck eingeführt. Mit vorsichtigem Drehen und Stemmen löst man das Aluminiumcover des Ainol Spark schließlich aus seinen Verankerungen und kann es dann einfach abheben.

  • Als langlebiges Öffnungswerkzeug gilt das SRT-6 von Nokia. Zu erstehen etwa über eBay.
    foto: ebay/mobiledreams2011

    Als langlebiges Öffnungswerkzeug gilt das SRT-6 von Nokia. Zu erstehen etwa über eBay.

  • Vom WiFi-Modul (gelber Pfeil) führt ein Kabel zur Antenne (blauer Pfeil). Diese liegt hier gegenüber der Kamera.
    foto: derstandard.at/pichler

    Vom WiFi-Modul (gelber Pfeil) führt ein Kabel zur Antenne (blauer Pfeil). Diese liegt hier gegenüber der Kamera.

  • In Ermangelung von Platz wird die Antenne einfach über den Akku ausgeweitet und mit Klebeband fixiert. Verwenden sollte man idealerweise Kupferband mit leitfähigem Kleber. Ist dieses nicht zur Hand, tut es auch reißfeste Aluminiumfolie, das jedoch die schlechtere Leitfähigkeit aufweist.
    foto: derstandard.at/pichler

    In Ermangelung von Platz wird die Antenne einfach über den Akku ausgeweitet und mit Klebeband fixiert. Verwenden sollte man idealerweise Kupferband mit leitfähigem Kleber. Ist dieses nicht zur Hand, tut es auch reißfeste Aluminiumfolie, das jedoch die schlechtere Leitfähigkeit aufweist.

  • Ist die Antennenerweiterung nicht genug, sollte man es damit versuchen, zwei kleine Löcher in die Abdeckung über der Antenne zu machen. In den meisten Fällen gelingt das mit einer normalen Akkubohrmaschine ohne speziellem Metallbohrer. Auf der Innenseite werden die Löcher mit kleinen Stücken Isolierband zugeklebt, um Staub am Eindringen ins Innere des Tablets zu hindern.
    foto: derstandard.at/pichler

    Ist die Antennenerweiterung nicht genug, sollte man es damit versuchen, zwei kleine Löcher in die Abdeckung über der Antenne zu machen. In den meisten Fällen gelingt das mit einer normalen Akkubohrmaschine ohne speziellem Metallbohrer. Auf der Innenseite werden die Löcher mit kleinen Stücken Isolierband zugeklebt, um Staub am Eindringen ins Innere des Tablets zu hindern.

  • Genügen zwei Löcher nicht, bohrt man weitere an "strategischen" Stellen. Gelingt das symmetrisch (im Gegensatz zum hier ersichtlichen Versuch), halten sich die ästhetischen Folgen in Grenzen.
    foto: derstandard.at/pichler

    Genügen zwei Löcher nicht, bohrt man weitere an "strategischen" Stellen. Gelingt das symmetrisch (im Gegensatz zum hier ersichtlichen Versuch), halten sich die ästhetischen Folgen in Grenzen.

  • Das Resultat: Wo vormals kein WLAN-Empfang möglich war, kann nun mit mittlerer Empfangsstärke flüssig gesurft und gestreamt werden.
    foto: derstandard.at/pichler

    Das Resultat: Wo vormals kein WLAN-Empfang möglich war, kann nun mit mittlerer Empfangsstärke flüssig gesurft und gestreamt werden.

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