Computerspiel hilft Blinden bei der Orientierung in fremden Gebäuden

28. März 2013, 21:08
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Nutzer lernen räumliche Struktur der virtuellen Umgebung mit Hilfe von Tonsignalen kennen

Boston - US-Wissenschafter haben es Blinden mit einem Computerspiel ermöglicht, die räumliche Struktur eines Gebäudes erfahrbar zu machen. Die Software-Hilfe erlaubte es den Blinden später, sich im realen Gebäude auf Anhieb selbstständig zurechtzufinden. Bei dem System steuern die Nutzer einen virtuellen Stellvertreter, einen sogenannten Avatar, durch ein dreidimensionales Abbild eines Gebäudes, über dessen Aufbau sie sich mittels Tonsignalen eine Vorstellung machen können. Im Spiel müssen sie Edelsteine suchen, die sich in bestimmten Räumen befinden, und Monstern ausweichen, die ihnen die Edelsteine wieder abnehmen wollen.

Im Testprogramm navigierten die Blinden durch das Carol Center for the Blind in Newton. Es war mit allen Gängen, Türen und sonstigen wichtigen Details naturgetreu dargestellt. Hörsignale geben den Blinden Hinweise auf Raumstrukturen. So bedeutet ein Ton im rechten Ohr, dass sich rechts eine Tür befindet. Dreht der Nutzer seinen Avatar um 180 Grad, kommt das Signal von links, erklärten Lotfi Merabet von der Harvard Medical School und Kollegen im "Journal of Visualized Experiments".

Erfolgreicher Test in der Praxis

Die Forscher testeten den Erfolg ihres Systems, das sie "Audio Based Environment Simulator" genannt haben, am echten Carol Center for the Blind. Blinde, die zuvor das virtuelle Spiel gespielt hatten, konnten sich im realen Gebäude gut orientieren und kannten etwa von verschieden Räumen aus den schnellsten Weg zum Ausgang.

Die dreidimensionalen Abbilder vieler weiterer Gebäude könnten nun in das Computerprogramm integriert werden, sagen die Forscher. So könnte ein Konzept entstehen, das Millionen blinder Menschen weltweit die Möglichkeit bietet, mehr Selbstständigkeit zu entwickeln. "Sie können sich in einem sicheren Umfeld mit einer komplexen Umgebung vertraut machen, um sich dann später selbstbewusst in der Realität zurechtfinden zu können", resümierte Merabet.  (APA/red, derStandard.at, 28.03.2013)

  • Per Tastatur navigiert der Nutzer durch das virtuelle Gebäude. Aufschluss über die räumliche Struktur geben akustische Signale.
    screenshot: jove

    Per Tastatur navigiert der Nutzer durch das virtuelle Gebäude. Aufschluss über die räumliche Struktur geben akustische Signale.

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