Neue Krise in Ägypten: Lauter Verlierer

Kommentar28. März 2013, 19:12
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Das Szenario, dass die Armee wieder eingreift, ist nicht so abwegig

Die neue Auseinandersetzung zwischen Ägyptens Muslimbrüder-Präsident Mohammed Morsi und der Justiz kommt zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. Vordergründig geht es um die Rechtmäßigkeit der Enthebung des Generalstaatsanwalts Abdel Meguid Mahmud - den niemand zurückhaben will - durch Morsi. Für die Muslimbrüder stellt sich das Urteil als neuer Angriff auf ihre durch Wahlen rechtmäßig erworbenen Positionen dar. Für die andere Seite beweist es einmal mehr pauschal die Illegitimität von Morsis Entscheidungen.

Das kommt nach einer Woche, in der rund um die Anti-Muslimbrüder-Proteste der Ton der Auseinandersetzungen so aggressiv wie nie zuvor ist. Der Blogger Bassem Sabry schreibt, dass die Gewalt zwischen den beiden Seiten in der letzten Zeit um vieles "persönlicher" geworden sei.

Jeder weitere destabilisierende Faktor droht das Land in den Abgrund zu reißen. Schon dreht sich die Debatte nicht nur um die Justiz, sondern um die Geheimdienste, denen aus Kreisen des Präsidenten nicht weniger als Putschpläne vorgeworfen wird. Morsi droht mit Ausnahmezustand und Armee. Angesichts der unkontrollierbaren Lage auch in den Suezkanal-Städten und auf dem Sinai erscheint das Szenario eines Eingreifens der Armee nicht so abwegig.

Aber für wen immer sie intervenieren würde: für die Demokratie bestimmt nicht. Alle, die den Wandel wollten - Islamisten und Säkulare gleichermaßen -, wären Verlierer. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 29.3.2013)

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