Doppelt Bock

Kolumne31. März 2013, 15:26
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Conrad Seidl feiert das Ende der Fastenzeit mit einem Schluck Fastenbier

Auf dem Etikett findet sich ein Steinbock - und auch wenn man längst weiß, dass die Bezeichnung Bockbier nichts mit den gehörnten Paarhufern, sondern mit einer Verballhornung des Begriffs "Einbeckisch Bier" zu tun hat: Eindrucksvoll ist das Bild jedenfalls. Der Name auch: "Impulsator". So heißt der Doppelbock aus der Brauerei Wieninger in Teisendorf, keine 30 Kilometer westlich von Salzburg.

Nun ist der Rupertiwinkel, in dem Teisendorf liegt, jahrhundertelang Teil des Fürsterzbistums Salzburg gewesen, aber das hat die Tradition mit den Starkbieren für die Fastenzeit wohl eher noch gefördert. Der Name Impulsator entspricht allerdings der bayrischen Konvention: Wenn ein Bier auf "-ator" endet, dann handelt es sich um ein Doppelbockbier für die Fastenzeit. Dunkles Kastanienbraun, kräftiger Schaum und ein Duft nach Biskuit, Karamell und frischen Kräutern zeichnen dieses Bier aus - wobei die süßlichen Düfte vom Malz, die kräuterartigen vom Hopfen stammen. Nicht dass man von dem Hopfen allzu viel schmecken würde, auch wenn Braumeister Bernhard Löw bei vielen seiner Bierkreationen durchaus großzügig mit der aromatisch-bitteren Zutat umgeht.

Rückgrat für das Bier

Der Hopfen hat im Doppelbock ja vor allem die Funktion, dem Bier Rückgrat zu geben, auf dass es nicht nach Malztrunk schmecke. Denn Malz ist ja reichlich vorhanden: Zwar ist ein Doppelbock nicht doppelt so stark eingebraut wie ein normales Bockbier, er hat definitionsgemäß "über 18 Grad Stammwürze" (bei gängigen Bockbieren sind es 16 Grad), aber es gehört bei den "-ator"-Bieren schon auch dazu, dass man das Malz mit Rösttönen und leichter Süße schmeckt. Würde dem nicht ausreichend Bittere entgegengesetzt, wäre das Bier wohl pappsüß.

Ist es nicht. Malzcharakter und alkoholische Wärme sind gut balanciert mit der von der Kohlensäure stammenden Rezenz und der Bittere im Nachtrunk. Man kann sich gut vorstellen, dass man früher in Fastenzeiten solche Biere wirklich als Ersatz für eine Mahlzeit getrunken hat - "Flüssiges Brot" eben.

Aber jetzt geht die Fastenzeit zu Ende. Was tun, wenn einem noch ein paar Flaschen Doppelbock übrig geblieben sind? Nein, man muss sie nicht rasch trinken. Sie reifen über viele Jahre in Würde. (Conrad Seidl, Rondo, DER STANDARD, 29.3.2013)

  • Die Bezeichnung Bockbier hat nichts mit den gehörnten Paarhufern, sondern mit einer Verballhornung des Begriffs "Einbeckisch Bier" zu tun.
    foto: der standard

    Die Bezeichnung Bockbier hat nichts mit den gehörnten Paarhufern, sondern mit einer Verballhornung des Begriffs "Einbeckisch Bier" zu tun.

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