Politik will Sportwetten völlig neu regeln

28. März 2013, 18:38
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ÖVP setzt sich im EU-Parlament für ein neues Gesetz gegen die Sportwetten-Mafia ein

Wien/Brüssel - Die Boxen gehen auf, der Hasendummy zischt ab, die Windhunde hinterher. Nach 480 Metern ist Schluss, auf dem Bildschirm werden Ergebnisse und Gewinnquoten eingeblendet. Was da gerade online auf der Seite eines ausländischen Wettanbieters lief, ist nicht nur in Österreich umstritten. Denn in Wahrheit war das Rennen nicht live, sondern ein virtuelles Produkt, dessen Resultate aus dem Zufallsgenerator eines Computers stammen.

Nach heimischem Recht verlassen Wettanbieter damit den Boden der erlaubten Sportwetten und betreten das exklusive Land des Glücksspielmonopols. Dennoch tauchen in Österreich - auch in Wettlokalen - immer wieder Sportwetten auf virtuelle beziehungsweise aufgezeichnete Wettkämpfe auf, kritisiert SPÖ-Konsumentenschutzsprecher Johann Maier. "Manipulationen sind Tür und Tor geöffnet. Und die Kontrolle der zuständigen Bundesländerbehörden versagt vollständig", sagt er. In Österreich wurden zwar im Vorjahr von der Finanzpolizei knapp 200 Automaten, an denen auf virtuelle Sportwetten gesetzt werden konnte, beschlagnahmt. Aber alle im Bundes- und nicht im Landesauftrag.

Live-Wetten sollen untersagt werden

Wovor der Salzburger SP-Abgeordnete als Konsumentenschützer besonders warnt, ist die Gefahr der Spielsucht. Denn unter dem Deckmantel Sportwetten würden gerade junge Menschen zum Glücksspiel verführt. Für Maier gibt es deswegen nur eine Lösung: "Wir brauchen ein Bundeswetten-Gesetz, mit dem die neun unterschiedlichen Buchmacher- und Totalisateurgesetze der Länder abgelöst werden und ein umfassender Glücksspielbegriff inklusive aller Wetten mit klaren Beschränkungen von Wettangeboten geschaffen wird."

Auch im Zusammenhang mit Manipulationen von Sportereignissen zugunsten der Wettmafia hat Maier einen radikalen Vorschlag: ein Verbot von sogenannten Live-Wetten. Bei Letzteren wird im Gegensatz zu Match-Wetten nicht darauf gesetzt, wer gewinnt, sondern ob zum Beispiel im Fußball in der letzten Viertelstunde eine gelbe Karte gezeigt oder im Tennis in einem bestimmten Game ein Doppelfehler begangen wird. Live-Wetten sind sehr beliebt, weil sie für Zocker das Angebot enorm erweitern. Andererseits bieten sie auch für die Wettmafia mehr Möglichkeiten, weil nicht ein Schiedsrichter oder ein Team, sondern "nur" ein Spieler bestochen werden muss.

Betrugsermittlungen in Österreich eingestellt

"Aufgrund der international zunehmenden Manipulationen von sportlichen Wettkämpfen ist es überlegenswert, auf europäischer Ebene für einen eigenen gerichtlichen Straftatbestand Wettbetrug einzutreten", schlägt Maier vor. Und rennt damit bei Hubert Pirker, EU-Parlamentarier der ÖVP, offene Türen ein. "Wenn die Europol-Untersuchungen eindeutig ergeben, dass Wettmanipulationen verbunden mit Geldwäsche Teil des organisierten Verbrechens sind, brauchen wir konkrete Maßnahmen", so Pirker.

Wie der STANDARD berichtete, wurden laut Europol zwischen 2008 und 2011 mindestens 380 Fußballspiele in Europa manipuliert, weitere 300 in anderen Ländern. 420 Funktionäre, Schiedsrichter, ehemalige und aktive Fußballer aus 15 Ländern seien involviert. In Österreich, wohin Bestechungssummen bis 140.000 Euro pro Fall geflossen sein sollen, wurden Ermittlungen gegen sechs beschuldigte Fußballer inzwischen eingestellt. (Michael Simoner, DER STANDARD, 29.3.2013)

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    Der Tierschutz verbietet in Österreich Hunderennen. Online auf Greyhounds im Ausland zu setzen ist aber möglich. Ein Kuriosum und eigentlich schon Glücksspiel sind virtuelle Rennen.

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