Es will wieder ein Kennedy in den Senat

29. März 2013, 00:01
34 Postings

Seit fast vier Jahren sitzt kein Kennedy mehr im US-Senat. Nun denkt der Unternehmensberater Edward junior über einen Einstieg in die Politik nach. Ein Risiko, denn Scheitern ist für einen Kennedy nicht erlaubt

Wenn Edward "Ted" Kennedy junior hinter einem Rednerpult steht, erinnert er an einen Uni-Professor. Sein Bostoner Akzent, nicht wirklich Oxford-Englisch, aber doch sehr korrekt und ein wenig gestelzt, hat etwas Vornehmes. Spricht er vom Wechsel in die Politik, dann folgt er "dem Ruf zum Dienen". Den scheint er gerade, mit 51 Jahren, erhört zu haben. Alle Welt rechnet mit einer Kandidatur für den US-Senat.

Ein Kennedy kann seinen Hut nicht so unbekümmert in den Ring werfen wie Barack Obama, der Sohn einer alleinerziehenden Mutter, der nichts zu verlieren hatte. Ein Kennedy ist der Tradition einer Familie verpflichtet, die sich als das Rückgrat der Demokraten versteht. Eine Bürde, denn falls ein Kennedy verliert, kratzt es am Nimbus einer Dynastie.

Edward senior, wie sein ältester Sohn von allen nur Ted genannt, war schon mit 30 Jahren Senator. Der Junior hingegen ließ ein halbes Berufsleben keine Ambitionen erkennen. Seit seiner Kindheit auf eine Beinprothese angewiesen, engagiert er sich aber für Behindertenrechte. Mit 29 wurde er in eine Drogenklinik eingewiesen. Zu jener Zeit war er ein Playboy, heftig trinkend, von einer Romanze zur nächsten springend. Heute leitet er ein Beratungsunternehmen, die Marwood Group.

Tiefpunkt

Was alles schiefgehen kann, wenn man sich zu früh um öffentliche Ämter bewirbt, hat Ted junior am Beispiel seines Bruders Patrick gesehen: Der Rotschopf zog mit 27 ins Repräsentantenhaus. Geplagt von Depressionen und Stress, konsumierte er große Mengen an Tabletten. Der Tiefpunkt war erreicht, als er am 4. Mai 2006 mit dem Auto gegen eine Barriere vor dem Kapitol fuhr und den verdutzten Parlamentswachen erklärte, er sei auf dem Weg zu einer Abstimmung. Vier Jahre später stieg Patrick aus der Politik aus.

Im vergangenen November wurde Joseph Kennedy III, ein Enkel des früheren Justizministers Robert, in einem lauschigen Vorstadtwahlkreis am Rande Bostons ins House of Representatives gewählt. Für den Clan war es eher ein Trostpflaster, kein Grund zu ausgelassenem Jubel. Der Familienehrgeiz verlangt, dass jederzeit ein Kennedy im Senat sitzen sollte - zumal die Erfahrung lehrt, dass man entweder Gouverneur oder Senator gewesen sein muss, um sich aussichtsreich ums Weiße Haus bewerben zu können. Ted junior könnte der Nächste sein.

"Ich weiß, du schaffst es"

Ins Rampenlicht rückte Ted im August 2009: Am Sarg seines verstorbenen Vaters hielt er eine bewegende Rede. Auf irische Art erzählte er eine Lebensgeschichte, gespickt mit Anekdoten.

Eine handelte davon, wie Vater und Sohn vor einer Schlittenfahrt einen Hügel erklimmen wollten - für den Buben eine Tortur: Wegen Knochenmarkkrebses hatte er bei einer Amputation sein rechtes Bein verloren. An die Prothese musste sich der Zwölfjährige erst mühsam gewöhnen, er fiel immer wieder hin, weinte, wollte aufgeben. Sein Vater - erzählte er - habe ihm auf die Beine geholfen und ihm Mut gemacht. " Ich weiß, dass du es schaffst! Es gibt nichts, was du nicht schaffen kannst! Wir gehen jetzt diesen Hügel hinauf, und wenn wir den ganzen Tag dafür brauchen." (Frank Herrmann, DER STANDARD, 29.3.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kennedy-Spross Patrick (Mitte, mit seinem vier Monate alten Sohn Owen) zog sich aus der hohen Politik zurück, weil er mit dem Stress nicht klarkam. Nun will sein Bruder Edward junior (li. hinten) den großen Sprung in die Öffentlichkeit wagen.

Share if you care.