EU will Großanleger bei Bankpleiten beteiligen

28. März 2013, 18:00
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Derweil will Zypern seinen Bankverkehr einen Monat lang drosseln. Der Bankrun blieb aus, der Euro aber gefährdet

Nikosia - Die Börse in Zypern bleibt noch zu, die Banken machen wieder auf. Ein Massenansturm auf die Banken blieb aber aus. Im Einzelnen sollen nun Auslandsüberweisungen und Zahlungen mit Kreditkarten im Ausland pro Person und Bank zunächst auf 5.000 Euro beschränkt werden. Die Kapitalverkehrskontrollen werden wohl einen Monat bestehen. Derweil ließ EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier mit der Aussage aufhorchen, dass künftig Großanleger systematisch für die Sanierung und Abwicklung von Banken zur Kasse gebeten werden könnten.

Die Kapitalkontrollen würden Schritt für Schritt aufgehoben, sagte Außenminister Ioannis Kasoulides am Donnerstag. Bis sie vollständig außer Kraft seien, würde nach Einschätzung der Zentralbank wohl ein Monat vergehen. Die Stimmung bei den Geld abhebenden Menschen war gereizt, was aber mehr an den Fragen der vielen Fernsehreporter geschuldet war. (Hier geht es zur Ansichtssache)

Geordnete Bankenpleiten

Die Leute bewegt hat heute aber auch der französische Binnenmarktkommissar Barnier. Er sagte dem "Handelsblatt", sein Gesetzesentwurf sehe ausdrücklich vor, "dass vorrangige Gläubiger und nicht abgesicherte Einleger an den Kosten einer geordneten Insolvenz beteiligt werden können, wenn es nicht anders geht". Gesetzlich geschützt seien nur Sparkonten bis 100.000 Euro.

Die beiden neuen EU-Richtlinien, die vor der Sommerpause beschlossen werden sollen, müssten zudem sicherstellen, dass Banken in allen EU-Staaten nationale Fonds für die Abwicklung und die Einlagensicherung schaffen.

Zehn Tage dicht

Für Beträge bis zu 200.000 Euro ist eine Genehmigung der Zentralbank notwendig. Zyprioten sollen außerdem pro Auslandsreise maximal 1.000 Euro Bargeld mit sich führen dürfen. Festgeldanlagen dürfen nicht vorzeitig gekündigt werden. Das soll verhindern, dass Kapital in großem Umfang aus Zypern abgezogen wird.

Am Donnerstag hatten die Banken in Zypern erstmals nach zehn Tagen wieder geöffnet. Seit dem 16. März konnten sich die Menschen im griechischen Teil der Insel nur noch aus Geldautomaten mit Bargeld versorgen. Hintergrund war der Beschluss eines Rettungspakets, mit dem ein Zusammenbruch des Bankensystems und der Staatsfinanzen verhindert werden sollte.

Der Euro auf Zypern ist nun viel weniger liquide und damit de facto auch weniger wert als anderswo. Nach Ansicht von Experten könnte deshalb erstmals eine Art "Schwarzmarkt" innerhalb der Euro-Zone entstehen. (Reuters/red, derStandard.at, 28.3.2013)

  • Bilder einer Bankenöffnung

  • EU-Kommissar Barnier sieht Zypern als Vorbild für künftige Rettungen.
    foto: epa/hoslet olivier

    EU-Kommissar Barnier sieht Zypern als Vorbild für künftige Rettungen.

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