Soll noch einer sagen, dass nichts läuft

28. März 2013, 17:55
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Der Schneematsch geht, der Bärlauch kommt, die Zahl der Laufwilligen steigt. Vienna City Marathon und Frauenlauf begreifen sich als Ganzjahresunternehmen

Wien - Zwei Paar Laufschuhe können schon Sinn machen. Derzeit steht ein Paar stets zum Trocknen auf der Heizung oder auf dem Balkon. Es gibt schließlich Angenehmeres, als in Schuhe zu schlüpfen, die von der letzten Laufrunde noch feuchteln. Die Hoffnung, dass sich der Schneematsch bald und dann aber auch endgültig geschlichen haben wird, gibt es natürlich auch.

Laufen ist ein Ganzjahressport, doch die Zahl der Läuferinnen und Läufer nimmt automatisch zu, wenn der Bärlauch kommt. Damit hat wohl auch die Höhe der Dunkelziffer zu tun. 1,7 Millionen Österreicher, besagt sie, laufen nämlich zumindest gelegentlich. 950.000 von ihnen, das weiß man freilich auch, laufen wirklich regelmäßig, soll heißen, mindestens einmal pro Woche. Das wäre dann, wenn man so will, die Hellziffer. Mehr als 100.000, so lautet eine weitere Schätzung, nehmen regelmäßig an Laufveranstaltungen teil. Entweder quasi privat oder als Mitglied eines der ungefähr hundert Laufklubs, die es in Österreich gibt.

30. Auflage des Wien-Marathons

Der Vienna City Marathon, der am 14. April seine 30. Auflage erlebt, ist das größte Laufevent des Landes. Der Teilnehmerrekord aus dem Vorjahr dürfte gebrochen werden, mehr als 36.000 Teilnehmer werden sich auf Marathon, Halbmarathon, Staffel und Kinderbewerbe verteilen. Auch die zweitgrößte Veranstaltung läuft in Wien ab, auch sie ist längst ausgebucht, 30.000 Frauen werden am 26. Mai den 26. Frauenlauf in Angriff nehmen.

Den Veranstaltern Ilse Dippmann (Frauenlauf) und Wolfgang Konrad (VCM) ist gemein, dass sie ihre Unternehmen als Ganzjahresunternehmen begriffen haben. Da werden Vorträge gehalten, Seminare veranstaltet, Lauftreffs organisiert. Konrad verbindet den Marathon mit Kunst und Kultur, der Frauenlauf schlägt die Brücke zu Wellness/Gesundheit.

Berglaufnation

Auch andere Organisatoren mühen sich redlich. Der Marathonläufer, der nicht nur in Wien laufen will, findet etliche Alternativen, voran Linz, Graz, Wachau, Salzburg und Bregenz. Außerdem ist Österreich eine führende Berglaufnation. In den 90ern holte die Grazerin Gudrun Pflüger vier WM-Titel, der Salzburger Helmut Schmuck holte zwei, aktuell gilt die Welserin Andrea Mayr mit vier WM-Titeln en suite als beste Bergläuferin. Dass sie, beginnend mit 2006, in jedem zweiten Jahr erfolgreich blieb, liegt daran, dass bloß in geraden Jahren rein bergauf gelaufen wird, in ungeraden Jahren auch bergab. "Und das Bergablaufen wird bei uns, allein schon aus gesundheitlichen Gründen, nicht forciert" , sagt Hannes Gruber, der Sportdirektor des Leichtathletikverbands (ÖLV).

Echte Laufprofis gibt es hierzulande kaum. Vom Laufen derzeit leben kann jenes Quartett, das im Sold des Bundesheers steht. "Militärpersonen auf Zeit" sind Günther Weidlinger (Marathon), Andreas Vojta (1500 m), Andreas Rapatz (800 m) sowie Jennifer Wenth (1500 m, 5000 m). Vor- oder gar aussorgen können sie natürlich bei weitem nicht.

Laufreisen

Mit dem Laufsport verdienen lässt sich eher als Veranstalter - nicht nur von Läufen, auch von Laufreisen. Für etliche Marathons weltweit, zum Beispiel den New York City Marathon, kann man sich kaum privat anmelden. Man ist auf ein Reisebüro angewiesen, das ein gewisses Kontingent an Startkarten zugeteilt bekommt, gleich die Reise samt Flug und Hotel mitorganisiert und ein Package verkauft. Ein solches Reisebüro in Österreich wäre etwa Runners unlimited.

Die Laufschuherzeuger kommen fast jährlich mit neuen Materialien und also neuen Modellen daher, die noch stabiler, noch dämpfender, noch flexibler sein sollen. Außerdem tönt der Handel, dass Laufschuhe der Renner dieser Saison sind - und zwar nicht bloß im Sport, sondern auch im Alltag. Und wer wollte da mit einem einzigen Paar das Auslangen finden? (Fritz Neumann, DER STANDARD, 29.3.2013)

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    1,7 Millionen Österreicher laufen zumindest gelegentlich.

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    Einige laufen bergauf besonders gut. Österreich gilt als Berglaufland.

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