"burnoutberni" will in den Nationalrat

28. März 2013, 17:08
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Bernhard Hayden ist erst 17 und bereits Landesgeschäftsführer der NÖ-Piraten. Im Herbst kandidiert er bundesweit

Wien - Er ist erst 17 Jahre alt, hat in drei Monaten die Matura vor sich und will ab Herbst ins Parlament: Bernhard Hayden wurde Anfang Februar auf der Bundesversammlung der Piraten auf Platz vier für die Nationalratswahlen gereiht. "Ich war selbst überrascht, aber freue mich über das Vertrauen", sagt Hayden - koketter Nachsatz: "Ich habe schon den Eindruck, dass ich viel geleistet habe in den letzten Monaten."

Er trat vor einem Jahr den Piraten bei, damals ohne große politische Ambitionen, wie er sagt. Doch anscheinend zahlt sich das politische Engagement seitdem aus: Bereits im Mai wurde Hayden als Landesgeschäftsführer der Piraten Niederösterreich bestellt.

Aufgewachsen ist der Neopolitiker in der 1600-Seelen-Gemeinde Klausen-Leopoldsdorf im Bezirk Baden. Reges Interesse an der Politik zeigte "burnoutberni" - so sein parteiinterner Name, den er seit dem PC-Spiel "Need for Speed" habe - schon im Kindesalter: Zu Hause wurde lebhaft über Politik diskutiert, und die "ZiB" ist seit dem achten Lebensjahr fixer Bestandteil der politischen Bildung.

Doch warum steigt der Schüler der Handelsakademie Baden so jung in den politischen Ring? Er sehe sein Alter als Vorteil, sagt er. Bei anderen Parteien gebe es einen hohen Altersschnitt. Die Piraten seien zwar politisch unerfahren, "aber genau das macht uns aus", sagt Hayden. Dass der gebürtige Mödlinger ohnehin wenig mit dem politischen Establishment anfangen kann, sagt er klar und deutlich: "Ich wehre mich gegen diese verkrusteten Strukturen in der Politik." Sein Gesicht wird ernster, seine Stimme fest.

"Eigene Meinung"

So bräuchten die Piraten beispielsweise keine Berufspolitiker. Und parteiinterne Streitigkeiten dürften nicht durch professionelle Presseteams "wegretuschiert" werden - denn die Piraten stünden für Transparenz. Nicht nur diese Aussagen passen in das Bild eines jungen Mannes, der auf seine Unabhängigkeit pocht, auch jene über die Jugendorganisationen der Parteien: "Ich bin froh, aus keiner Jugendorganisation zu kommen, hier wird herangezüchtet, was von den Parteien erwartet wird. Ich will meine eigene Meinung vertreten."

Der Jungpirat wirkt geradlinig, jede Antwort führt er genau aus. Selbst würde er sich als zielstrebig und leistungsorientiert beschreiben, denn " in erster Linie geht es mir darum, thematisch etwas weiterzubringen", sagt Hayden. Sein Ziel sei es, im Nationalrat "Sprachrohr der Basis" zu sein.

Hayden will das Internet als Demokratiemedium Nummer eins etablieren, die Netzneutralität sichern und nach der Matura Informatik studieren - ist er damit auf klassischer Parteilinie? "Es gibt keinen typischen Piraten. Wir sind alle relative Individualisten, die einen Hang zur Technik haben", erklärt Hayden. Er skizziert die parteiinternen Strukturen, mit einem breiten Flügel, der sich thematisch weiter öffnen wolle: "Wenn man für die Nationalratswahlen erfolgreich sein will, muss man über das Internet hinausdenken", sagt der Niederösterreicher.

Dass die unterschiedlichen Anschauungen in der Partei auch oftmals frontal aufeinanderprallen und dies besonders für den Wahlkampf schwierig wird, gibt der Schüler offen zu: "Wir stehen innerparteilich an einem kritischen Punkt und müssen deshalb aufhören mit den Streitereien."

Vom Einzug in den Nationalrat ist Hayden trotzdem überzeugt, denn "wir haben ein Spitzenteam". Realistisches Ergebnis wären acht Prozent. Das mit dem passiven Wahlrecht von 18 Jahren sollte auf jeden Fall klappen: Am 1. April wird Hayden volljährig. (Niklas Hintermayer, DER STANDARD, 29.3.2013)

  • Piraten sind "Individualisten, mit Hang zur Technik", sagt Hayden.
    foto: standard/cremer

    Piraten sind "Individualisten, mit Hang zur Technik", sagt Hayden.

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