Zyperns Banken wollten Kassandra-Rufe nicht hören

28. März 2013, 16:42
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Die Banken wetteten noch im Krisenjahr 2010 massiv auf die griechische Wirtschaft - und verloren

Im Mai 2010 zeichnete sich das Ausmaß der griechischen Krise bereits ab. 110 Milliarden Euro brauchte Athen von seinen europäischen Partnern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF), um einen Kollaps abzuwenden. Anleger wurden von den dramatischen Entwicklungen abgeschreckt. Investoren, angefangen bei der britischen Bank Barclays bis zum US-Fonds Pimco, zogen Geld im großen Stil aus dem Land ab. Nicht so Zyperns größte Banken, die Bank of Cyprus (BoC) und die Laiki Bank.

Worten folgten Taten

Die beiden Geldhäuser zogen sich nicht zurück, sie legten nach. Die BoC etwa hegte ambitionierte Pläne: "Der Marktanteil soll ausgebaut werden" und "die Einnahmen aus Provisionen erhöht werden", heißt es im Geschäftsbericht 2010 zu den Plänen in Griechenland. Die Laiki wollte "ihre gesunde Expansion fortsetzen". Man wolle die "profitabelsten Geschäftsbereiche", etwa einige Immobilienprojekte, ausbauen. In Griechenland erwarteten sich die Banken damals bis zu 1,5 Prozentpunkte mehr Rendite als in Zypern. Und ihren Worten folgten Taten. Dem widrigen Wirtschaftsumfeld zum Trotz haben die beiden Banken, die nun umstrukturiert werden (im Fall von Laiki sogar abgewickelt), ihr Geschäft in Griechenland ausgebaut.

2010 haben sie 350 Millionen Euro an neuen Unternehmenskrediten vergeben. Insgesamt hatten die beiden Banken zu diesem Zeitpunkt 23 Milliarden Euro an Krediten in Griechenland vergeben. Und sie zählten zu wichtigen Käufern von Staatsanleihen. Laiki investierte 2010 weitere 846 Millionen Euro in griechische Staatspapiere, BoC immerhin 520 Millionen Euro.

Ein Schnitt ins Fleisch

Knapp ein Jahr später setzten die EU, die Europäische Zentralbank und der IWF mit der Schere an. Private Gläubiger Griechenlands, darunter auch Zyperns Banken, mussten drei Viertel ihrer Griechenland-Papiere abschreiben, um das verschuldete Athen zumindest von einem Teil seiner Schulden zu befreien.

Bei BoC und Laiki entstand allein dadurch ein Schaden von vier Milliarden Euro. Zu den Verlusten aus dem Schuldenschnitt Griechenlands kommen noch faule Kredite, die zuletzt auf ein Viertel der ausstehenden Forderungen gestiegen waren.

Notverkauf

Der Schritt der Eurogruppe, private Gläubiger in Griechenland zur Kasse zu bitten, überforderte daher nicht nur Zyperns Banken, sondern auch den Staat. Zum Vergleich: Die gesamte zypriotische Wirtschaft produziert im Jahr Güter und Dienstleistungen im Wert von 18 Milliarden Euro.

Anfang der Woche wurde daher der Schlussstrich unter das Griechenland-Abenteuer der zypriotischen Banken gesetzt. Das griechische Institut Piraeus wird die Tochterbanken der Institute des Inselstaates übernehmen - der Kaufpreis von 524 Millionen Euro wird aber von den Verlusten in den Schatten gestellt. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 29.3.2013)

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