Schlaganfall-Diagnose ohne Kontrastmittel besteht Praxistest

28. März 2013, 15:03
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Eine neue Diagnosemethode kommt ganz ohne Kontrastmittel aus und könnte die bisherige Perfusionsmessung ablösen

Bei einem Verdacht auf akuten Schlaganfall wird in den meisten Fällen eine sogenannte Perfusionsmessung des Gehirns durchgeführt, bei der anhand der Verteilungsgeschwindigkeit eines Kontrastmittels Aufschluss über die regionale Durchblutung des Hirngewebes gewonnen wird. Das Kontrastmittel, das dazu ins Blut gespritzt wird, führt bei manchen Patienten jedoch zu ernsten Nebenwirkungen wie allergischen Reaktionen oder einer Überlastung der Nieren. Zudem sind die eingesetzten Mittel sehr teuer. 

Schnelle Diagnose ist entscheidend

Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften und der Berlin Charité haben nun ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich gleichwertige Informationen auch aus Messungen ohne Kontrastmittel gewinnen lassen. Die Ergebnisse einer ersten Studie wurden nun in der Fachzeitschrift "Annals of Neurology" veröffentlicht.

Klagt ein Patient über plötzlich auftretende Kopfschmerzen, Lähmungserscheinungen, Sprach- oder Sehstörungen, kann dies auf einen Schlaganfall hindeuten. Die Ursache ist in den meisten Fällen eine Durchblutungsstörung im Gehirn, die das unterversorgte Gewebe absterben lässt. In einem Zeitfenster von einigen Stunden können die Schäden durch geeignete Maßnahmen begrenzt werden. "Die schnelle Diagnose und Lokalisierung der betroffenen Gebiete ist daher entscheidend, um das Schlimmste zu verhindern", erklärt Neurologe Arno Villringer vom Max-Planck-Institut.

Neues Verfahren gleichwertig

Bei dem neu entwickelten Analyseverfahren werden zeitliche Schwankungen des sogenannten BOLD-Signals (Blood Oxygenation Level Dependent) aufgezeichnet. Auf diesem Signal, durch welches man Durchblutungsänderungen im Gehirn sichtbar machen kann, basiert auch das bekannte Verfahren der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT), mit dem meist auf die Hirnaktivität eines Probanden bei bestimmten Aufgaben geschlossen wird.

Für das neue Verfahren wird der fMRT-Scan durchgeführt, während sich das Hirn im Ruhezustand befindet. Dabei versuchen die Forscher, durch Analyse von Verzögerungen im BOLD-Signal pathologische Veränderungen der Gehirndurchblutung zu erkennen. In einer ersten klinischen Studie untersuchten die Wissenschaftler elf Patienten, die einen Tag zuvor einen Schlaganfall erlitten hatten. Das Ergebnis verglichen die Forscher mit Bildern der Patientengehirne, die unabhängig davon mit Kontrast-Perfusionsmessung erzeugt wurden.

Das neue Verfahren erwies sich als gleichwertig darin, Durchblutungsstörungen im Hirngewebe anzuzeigen. Wie die Perfusionsmessung dauert auch sie nur wenige Minuten. "Die neue Technik hat das Potential, die heutigen Verfahren zu ersetzen", sagt Arno Villringer. Verbesserungen könnte dies nicht nur bei der akuten Diagnose bringen, sondern auch beim Monitoring des späteren Therapieverlaufes.

Denn wegen der Belastungen für den Körper sollte der Einsatz der Kontrast-Perfusionsmessung auf wenige Male begrenzt werden. Eine einfache MRT-Messung dagegen hat keine bekannten negativen Auswirkungen auf den Körper und kann beliebig oft angewandt werden. So könnte man besser als bisher verfolgen, wie im Verlauf der Therapie Veränderungen im Gehirn des Patienten auftreten. (red, derStandard.at, 28.3.2013)

  • Mit der neuen, schonenderen Methode kann die Durchblutung des Gehirns ohne Gabe eines Kontrastmittels gemessen werden.
    foto: mpi cbs

    Mit der neuen, schonenderen Methode kann die Durchblutung des Gehirns ohne Gabe eines Kontrastmittels gemessen werden.

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