Wenn Wachstumsmärkte auslassen

29. März 2013, 10:31
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Die Schwellenländer-Börsen waren zuletzt wieder brustschwach. Echte Risiken halten die Wachstums-Lokomotive zurück

Die Story ist ja gut. Weil die Schwellenländer stärker wachsen, verdienen auch die Unternehmen dort mehr Geld. Wirtschaftswachstum, so das Credo, ist eben auch gut für die Performance.

Diesem Credo sind auch Fondsinvestoren in den vergangenen Monaten wieder gefolgt. Das zeigen aktuelle Daten zu den Fondsflüssen von Morningstar. In der Aktienkategorie waren die Zuflüsse in Schwellenländer-Aktienfonds von über sechs Milliarden Euro die größten von allen Vergleichsgruppen. Schwellenländer-Anleihenfonds konnten sich in den vergangenen zwölf Monaten über ein Drittel an Neugeldern freuen, 14 Milliarden Euro sind in die ehemalige Nischen-Anlageklasse geflossen.

Doch die Aktienmärkte haben in den vergangenen drei Jahren ausgelassen (siehe Grafik). Trotz des deutlich höheren Wachstums. Auch gegen den breiter gefassten MSCI World hinken die Schwellenländer-Aktienmärkte rund 15 Prozentpunkte hinterher. Und das obwohl der Weltaktienindex auch den brustschwachen europäischen Markt abbildet.

Für Michael Hartnett, dem Chef Investment Strategen von Bank of America Merrill Lynch, ist die "enttäuschende Performance der Schwellenländer-Aktien durch viele Faktoren erklärt: überschießender Optimismus, der abebbende Schwung hinter Chinas Wachstum und dem Rohstoff-Thema, und die Wiederauferstehung des US-Dollar." Denn vor fünf Jahren hätten sich Anleger einfach zu deutlich in den Schwellenländern positioniert und damit die Bewertung nach oben getrieben. In den vergangenen fünf Jahren musste dieser überschießende Optimismus also abgebaut werden. Trotz des höheren Wachstums hinken die Aktien zurecht hinterher. 2008 wurde einfach deutlich mehr Euphorie in die Märkte der Emerging Markets eingepreist, als ihnen gut getan hat.

Echte Risiken

Doch in einer aktuellen Studie betonen die Analysten des Kreditversicherers Coface, dass mehr passiert als nur eine Änderung des Sentiments und der Bewertung. Die Risiken in den Schwellenländern haben zugenommen, argumentieren sie. Nicht nur die politischen Risiken und die Gefahr von zunehmenden Protektionismus sollten Anleger auf dem Radar haben, sondern auch die Gefahren von Kreditblasen in den aufstrebenden asiatischen Ländern. Das mussten heute etwa Anleger in China leidvoll erfahren. Neue Ankündigungen der Zentralbank zur Abkühlung der überhitzten Finanzmärkte haben die Aktien von Banken zum Teil neun Prozent einbrechen lassen (FT).

Diese Risiken lassen Investoren aber lediglich bei Aktieninvestments zögern. Anleihen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Anlegern. Das hat bereits die Alarmsignale bei einigen Investmentprofis ausgelöst. Denn die hohe Nachfrage nach Schwellenländer-Schulden hat die Zinsen und damit den Risikopuffer deutlich sinken lassen. Alan Ruskin warnt, dass "jede Form von Kreditboom im schlimmsten Fall in eine Kreditblase münden kann". In China zeugen die "Geisterstädte" vom Investitionsboom, andernorts konnten die Exporteure von Rohstoffen, wie Brasilien oder Russland, gut von dem Wachstumsboom leben. Doch dass die Preise für Industriemetalle und Energie kaum mehr steigen, würgt auch dort das Wachstum ab.

Langfristig ist die Geschichte des höheren Wachstums in den Schwellenländern weiter zutreffend, dafür sprechen die Demografie und der technologische Fortschritt. Doch für Anleger muss das nicht zwangsläufig mit hohen Renditen an den Börsen in diesen Ländern einhergehen. Erstens sind international agierende Unternehmen immer wichtiger in den Wachstumsmärkten und verdienen damit einen wesentlichen Teil der Gewinne. Zweitens spielt die Bewertung eine entscheidende Rolle. Auch in Schwellenländern sollten Anleger nicht um jeden Preis und zu jeder Rendite einsteigen. (Lukas Sustala, derStandard.at, 28.3.2013)

  • Artikelbild
    grafik: derstandard.at, quellen: thomson datastream, capital economics
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