Österreichischer Nanosatellit entging nur knapp einer Kollision im All

28. März 2013, 14:06
65 Postings

Amateurfunk-Satellit OSCAR-15 flog in nur wenigen Metern Abstand an "UniBRITE" vorbei - Erste Bilder in etwa zwei Wochen

Erst wenige Wochen im All, schon hätte die Mission einer der beiden ersten österreichischen Satelliten beinahe ein tragisches Ende gefunden: Vor wenigen Tagen ist der Nanosatellit "UniBRITE" haarscharf einer Kollision mit dem Amateurfunk-Satelliten "UOSAT-OSCAR 15" entgangen. "Am 15. März erreichte uns die Nachricht vom Joint Space Operations Center der US-Airforce in Kalifornien, dass sich der im Jahr 1990 gestartete "OSCAR-15"-Satellit auf 255 Meter unserem "UniBRITE"-Satelliten näherte. Dabei lag die Abschätzungsgenauigkeit nur wenig unter 100 Meter. Wir hatten große Befürchtungen, dass es einen Zusammenstoß im Weltraum geben könnte", berichtet Werner Weiss, Astrophysiker an der Universität Wien und Leiter der "BRITE"-Constellation.

Zwei Tage später konnten die Angaben präzisiert werden. Die Distanz schrumpfte auf 178 Meter, aber die Unsicherheit lag nur noch bei etwa 10 Meter. Auch wenn "UniBRITE" der Zerstörung letztlich entging, befürchtet Weiss, dass in Zukunft mit weiteren solchen Schockerlebnissen zu rechnen sein wird.

"Kommissionierungsphase" läuft nach Plan

Vor einem Monat starteten "UniBRITE" und "BRITE-Austria" ("TUGSAT-1"), die beiden baugleichen Nanosatelliten der Universität Wien und der TU Graz, von Indien aus erfolgreich in den Weltraum. Derzeit läuft die sogenannte "Kommissionierungsphase": Die Satellitenkomponenten werden schrittweise eingeschaltet und getestet. Beide Satelliten sind im Weltraum stabilisiert und - abgesehen von der Beinahe-Kollision - läuft alles nach Plan.

Die Satelliten sind inzwischen grob auf die kontinuierlich sichtbare Zone des "Satellitenhimmels" ausgerichtet. Dabei handelt es sich um jene kleine Zone, die für die Satelliten während ihres gesamten Bahnumlaufes für Testbeobachtungen zugänglich ist, wo also weder Sonne, Mond oder Erde die Sicht behindern. Die Aufgabe der Nanosatelliten ist es, möglichst genaue Messungen von Sternintensitäten durchzuführen. Die geforderte Messgenauigkeit der Sternintensitäten wird durch Verteilen des Lichts auf mehrere Bildelemente des Detektors erreicht. "Dabei kommen CCD-Sensoren zum Einsatz, das sind lichtempfindliche elektronische Bauelemente wie sie bei vielen digitalen Kameras auch verwendet werden", erklärt Weiss.

Erste Bilder in zwei Wochen

Im Normalbetrieb ist ein Sternfeld nicht ununterbrochen beobachtbar, weil sich die Erde in das Gesichtsfeld schiebt. Der Satellit muss dann bei jedem erneuten Umlauf um die Erde neu ausgerichtet werden, wenn das Zielgebiet wieder sichtbar wird. "Deshalb testen wir zuerst die Präzisionspositionierungen von 'UniBRITE' und 'BRITE-Austria'", so Weiss. "Dies ist Voraussetzung für die wissenschaftliche Nutzung beider Satelliten. 'UniBRITE' wird plangemäß in etwa zwei Wochen die ersten Bilder aufnehmen und zur Bodenstation der Universität Wien schicken. Dann können wir mit unseren wissenschaftlichen Auswertungen starten." (red, derStandard.at, 28.03.2013)

  • Eines der ersten Forschungsgebiete von "UniBRITE": Die Konstellation "Orion".
    foto: peter vasey

    Eines der ersten Forschungsgebiete von "UniBRITE": Die Konstellation "Orion".

  • Der Nanosatellit "UniBRITE" mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern umkreist die Erde in einem Abstand von etwa 800 Kilometern und dient der Erforschung massereicher Sterne. 
    foto: uni wien

    Der Nanosatellit "UniBRITE" mit einer Kantenlänge von 20 Zentimetern umkreist die Erde in einem Abstand von etwa 800 Kilometern und dient der Erforschung massereicher Sterne. 

Share if you care.