Selbsthilfeprogramme bei Bulimie erfolgreich

    28. März 2013, 13:50
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    Ähnliche Erfolgsrate wie bei Face-to-Face-Therapie - Die Internet-Selbsthilfeprogramme basieren auf Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie

    Wien - 200.000 ÖsterreicherInnen sind laut Gesundheitsministerium zumindest einmal in ihrem Leben an einer Essstörung erkrankt. Vor allem junge Menschen sind betroffen - 90 bis 97 Prozent sind Mädchen bzw. junge Frauen. Weil sich nur rund sechs Prozent in die Betreuung einer psychiatrischen Einrichtung begeben, sind die Ergebnisse einer Studie an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie der MedUni Wien interessant: Eine Therapie über geleitete Selbsthilfeprogramme im Internet und über ein Buch sind bei der Fress-Brechsucht (Bulimia nervosa) durchaus erfolgreich.

    In der im British Journal of Psychiatry soeben erschienenen Studie, die gemeinsam mit der Parkland-Klinik in Bad Wildungen in Deutschland durchgeführt wurde, ist an 155 PatientInnen die Wirksamkeit der geleiteten Selbsthilfe über das Internet-Programm "Salut BN" mit dem mehrfach evaluierten Selbsthilfebuch "Die Bulimie besiegen" verglichen worden. Das Resultat: Die Erfolgsquote ist gleich hoch. Unmittelbar nach der sieben Monate dauernden Selbsttherapie waren beim Internet 46 Prozent und beim Buch 48 Prozent der PatientInnen in Remission, das heißt, die Symptome hatten deutlich nachgelassen. Die Quote blieb auch bei der Follow-Up-Untersuchung 18 Monate später stabil.

    Elementen aus Verhaltenstherapie

    "Bei einer Face-to-Face-Therapie ist die Erfolgsrate ähnlich, etwa bei 30 bis 50 Prozent", so MedUni Wien-Psychologin Gudrun Wagner, die mit Andreas Karwautz die aktuelle Studie geleitet hat. Zu Beginn der geleiteten Selbsthilfe via Internet oder Buch erfolgte eine psychiatrische Untersuchung und der Aufbau einer therapeutischen Beziehung mit den PsychologInnen, die die PatientInnen bei der Bearbeitung des Selbsthilfeprogrammes unterstützten. Danach läuft alles auf elektronischem Weg.

    Die Selbsthilfeprogramme basieren auf Elementen aus der kognitiven Verhaltenstherapie und enthalten Module zu Motivation, Monitoring des krankhaften Essverhaltens und dessen Veränderung, Vermittlung von Problemlösungsstrategien, kognitive Umstrukturierung, Selbstbehauptungstraining und Rückfallprävention.

    Viele PatientInnen, die nach dem Selbsthilfeprogramm noch eine ausgeprägte Symptomatik zeigten, begaben sich im Anschluss aus eigener Motivation in zusätzliche Psychotherapie: 41 Prozent jener, die via Internet betreut wurden, und 27 Prozent der Patienten, die mit dem Buch gearbeitet haben, nahmen eine anschließende Face-to-Face Therapie in Anspruch. "Die Bulimia nervosa gilt als eine schambesetzte Erkrankung, was viele Betroffene daran hindert, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehme", meinte Wagner. (APA, 28.3.2013)

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